Was erwarten Verbraucher:innen von der Haltung von Rindern, Schweinen und Geflügel, und welche Folgen hat das für landwirtschaftliche Betriebe? Die Ergebnisse zeigen: Viele Befragte achten auf die Herkunft ihrer Lebensmittel und wünschen sich bessere Bedingungen für die Tiere. Gleichzeitig wollen viele dafür nur begrenzt mehr bezahlen.
Die Online-Befragung von Civey im Auftrag des Forum Moderne Landwirtschaft fand vom 27. bis 30. Oktober 2025 statt. Civey befragte 2.500 Erwachsene. Die Ergebnisse wurden am 6. November vorgestellt. „Tierwohl“ meint hier, wie es Tieren gesundheitlich geht, ob sie natürliche Verhaltensweisen zeigen können und ob sie sich in ihrer Umgebung wohlfühlen. Der Begriff ist in Deutschland nicht gesetzlich eindeutig festgelegt.
Herkunft zählt, aber der Preis setzt Grenzen
65 Prozent der Befragten stuften die Herkunft ihrer Lebensmittel als „wichtig“ oder „sehr wichtig“ ein. Für 33 Prozent war sie „nicht wichtig“. Das zeigt, dass viele Befragte wissen möchten, woher ihre Lebensmittel kommen. Es belegt aber nicht, dass sie beim Einkauf tatsächlich deutsche oder regionale Produkte wählen.
Auch der Wunsch nach besseren Haltungsbedingungen führt nicht automatisch zu höheren Ausgaben. 33 Prozent gaben an, für Produkte aus besonders tierfreundlicher Haltung bis zu zehn Prozent mehr zu zahlen. 38 Prozent erklärten, keinen Aufpreis zahlen zu können oder zu wollen. Die übrigen Antworten lassen sich aus diesen beiden Angaben nicht ableiten. Die Ergebnisse des Tierkompass 2025 zeigen außerdem, was die Befragten nach eigener Aussage zahlen würden, nicht, was sie tatsächlich kaufen.
In einer offenen Frage nannten 40 Prozent verbesserte Haltungsformen als gewünschte Veränderung in der Nutztierhaltung. 22 Prozent wünschten sich einen stärkeren Fokus auf Tierwohl. Außerdem kamen weniger Bürokratie, mehr Transparenz bei der Vermarktung und faire Preise für landwirtschaftliche Betriebe zur Sprache. Betriebe müssen deshalb zwei Fragen klären: Wie können sie die Haltungsbedingungen verständlich erklären? Und tragen Handel oder Abnehmer die nötigen Investitionen und laufenden Kosten mit?
Labels schaffen Orientierung, zeigen aber nicht alles
Beim Einkauf begegnen Verbraucher:innen unterschiedlichen Kennzeichnungen. Die staatliche Tierhaltungskennzeichnung trat im August 2023 in Kraft und sollte zunächst für frisches Schweinefleisch aus Deutschland gelten. Das freiwillige Label „Haltungsform“ stammt dagegen aus dem Lebensmittelhandel und erscheint bei teilnehmenden Händlern. Die beiden Kennzeichnungen stehen also für unterschiedliche Systeme. Das Bundesministerium erläutert die staatliche Kennzeichnung; die Verbraucherzentralen erklären die Unterschiede.
Bei der „Haltungsform“ laufen vier- und fünfstufige Kennzeichnungssysteme nebeneinander. In der fünfstufigen Einteilung reichen die Bezeichnungen von „Stall“ bis „Bio“. Die Zahl ist umgekehrt zur Eierkennzeichnung zu lesen: Stufe 1 steht bei der Haltungsform für die niedrigste Stufe. Deshalb sollten Betriebe und Kund:innen beim Vergleich prüfen, welche Einteilung auf der jeweiligen Packung gilt. In der früheren vierstufigen Einteilung bedeutete Stufe 3 etwa mehr Platz und Zugang zu einem Außenklima-Bereich als die gesetzlichen Mindestbedingungen.
Eine Haltungsstufe beschreibt vor allem die Bedingungen, unter denen Tiere gehalten werden. Sie belegt nicht für sich allein, wie gesund die Tiere sind oder ob sie sich wohlfühlen. Für eine umfassendere Beurteilung braucht es auch Beobachtungen am Tier, etwa zu Lahmheiten, Verletzungen und Befunden nach der Schlachtung. Für einen Betrieb heißt das: Ein Label kann die Haltung verständlicher machen, ersetzt aber weder gute Tierbetreuung noch die Erfassung von Gesundheits- und Verhaltensmerkmalen.
Die Einführung der staatlichen Kennzeichnung wurde wiederholt verschoben. Laut Verbraucherzentrale war der Start im Januar 2026 war der Start auf 2027 verschoben. Der genaue Termin hing damit weiterhin von der Umsetzung ab. Betriebe sollten deshalb aktuelle Vorgaben prüfen und Kennzeichnungsangaben nicht mit den Regeln des freiwilligen Handelslabels verwechseln.
Was die Erwartungen für Betriebe bedeuten
Ein sinnvoller erster Schritt ist, die eigene Haltung konkret zu beschreiben: Wie viel Platz steht den Tieren zur Verfügung? Gibt es Beschäftigungsmaterial oder Auslauf? Wie kontrolliert der Betrieb Gesundheit und Verhalten? Solche Angaben helfen, Verbraucherfragen sachlich zu beantworten und die Unterschiede zwischen gesetzlichen Mindestanforderungen und weitergehenden Angeboten sichtbar zu machen.
Verbraucherwünsche allein finanzieren einen Umbau jedoch nicht. Größere oder umgebaute Ställe und mehr Arbeitsaufwand verursachen zusätzliche Kosten. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft weist darauf hin, dass diese Kosten am Markt häufig nicht vollständig zurückverdient werden. Ihre Zahlen zu den möglichen Gesamtkosten eines Umbaus sind eine Einschätzung des Verbands und keine allgemeingültige Kalkulation für einzelne Betriebe. Vor Investitionen sollten Landwirt:innen deshalb Anforderungen, Förderbedingungen, Abnahmewege und die Vergütung mit Handel oder Verarbeitungsunternehmen klären.
Auch Transparenz braucht belastbare Angaben. Herkunft, Haltungsform und Kontrollen sollten im Betrieb nachvollziehbar dokumentiert sein. Bei einem Verkaufsgespräch oder Hofbesuch kann der Betrieb dann konkret erklären, wie er die Tiere hält und wie er ihre Gesundheit und ihr Verhalten überprüft. Pauschale Aussagen wie „besonders tierfreundlich“ überzeugen weniger, wenn der Betrieb nicht zeigen kann, worauf sie beruhen.
