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Kälber absetzen: Den optimalen Zeitpunkt bestimmen

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Beim Absetzen endet die Milchfütterung. Das Kalb frisst dann mehr Festfutter. Der passende Zeitpunkt hängt deshalb nicht allein vom Alter ab: Entscheidend ist, ob das einzelne Kalb genug Festfutter aufnimmt und die Umstellung gesundheitlich gut bewältigt.

Die Forschung liefert keinen festen Wert, der für alle Betriebe und Kälber gilt. Sie spricht dafür, die Festfutteraufnahme als wichtigen Maßstab zu nutzen und die Milch schrittweise zu reduzieren. Dabei zählen auch der Gesundheitszustand und die Bedingungen während des Übergangs.

Festfutteraufnahme zählt mehr als ein Stichtag

Ein festes Absetzalter übersieht, dass Kälber unterschiedlich schnell anfangen, Festfutter zu fressen. In einer Studie mit 43 Holstein-Kälbern hing das Absetzalter am stärksten davon ab, wann die Kälber anfingen, Festfutter zu fressen. Kälber, die später damit begannen, wurden auch später abgesetzt. Die Forschenden richteten den Zeitpunkt daher nach der Aufnahme von Kälberstarter aus, also einem speziell für junge Kälber angebotenen Festfutter. Die Studie der Universität British Columbia30747-7/fulltext) ist ein Beispiel für dieses Vorgehen, aber wegen ihrer begrenzten Größe und ihres einzelnen Haltungssystems keine allgemeine Vorgabe.

In diesem Versuch wurde die Milch erst reduziert, wenn das Kalb bestimmte Startermengen erreicht hatte. Für jede Stufe zählten die durchschnittlichen Futtermengen der vorangegangenen drei Tage. An keinem einzelnen Tag durfte das Kalb weniger als die Hälfte der Zielmenge fressen. Abgesetzt wurde bei 1.300 Gramm Starter pro Kalb und Tag. Diese Zahl beschreibt das Versuchsprotokoll, keinen belegten deutschen Richtwert. Sie sollte daher nicht ohne Prüfung der eigenen Fütterung und der verwendeten Futterart übernommen werden.

Eine systematische Auswertung von 44 Studien stellte insgesamt bessere Gewichtszunahmen und höhere Futteraufnahmen fest, wenn die Starteraufnahme den Zeitpunkt des Absetzens bestimmte und nicht ein festes frühes Alter. Zugleich betonen die Forschenden, dass es keine einheitliche Methode für alle Betriebe gibt. Die Auswertung berichtet außerdem, dass ein Absetzen nach dem Alter von acht Wochen die Gewichtszunahme unterstützen kann, sofern die Milchmenge vor dem Absetzen ausreichend ist. In den zugrunde liegenden Studien lag diese über 6 Litern pro Tag. Das ist ein Ergebnis der ausgewerteten Studien, keine pauschale Rationsempfehlung.

Für den Betrieb heißt das: Starteraufnahme über mehrere Tage dokumentieren und die Entwicklung des einzelnen Kalbes betrachten. Wichtiger als eine einzelne gute Fressbeobachtung ist, dass das Kalb über mehrere Tage zuverlässig Festfutter frisst.

Gesundheit beim Absetzen mitbewerten

Ein einzelner Wert zur Festfutteraufnahme zeigt nicht, ob ein Kalb für den Übergang bereit ist. In der Studie aus British Columbia prüften die Forschenden auch Durchfall und Atemwegsgesundheit. Diese Untersuchungen dienten dazu, Erkrankungen bei der Auswertung zu berücksichtigen; sie ergaben keinen Grenzwert, ab dem ein Kalb als absetzbereit gilt. Auch die systematische Auswertung liefert nur begrenzte Aussagen zur Gesundheit, weil viele Studien sie nicht als Hauptziel untersuchten.

Achte deshalb im Alltag sowohl darauf, wie das Kalb frisst, als auch auf erkennbare Krankheitszeichen. Beobachte etwa, ob das Kalb regelmäßig frisst und ob Durchfall oder auffällige Atmung auftreten. Bei Beschwerden sollte die Absetzentscheidung mit der betreuenden Tierärztin oder dem Tierarzt abgestimmt werden, statt sie allein an einem Starterwert festzumachen. Einen wissenschaftlich abgesicherten Gesundheits-Score mit einem allgemeinen Absetzgrenzwert geben die ausgewerteten Quellen nicht her.

Milch schrittweise reduzieren und Aufnahme sichern

Sinkt die Milchmenge plötzlich, bleibt dem Kalb wenig Zeit, mehr Energie aus Festfutter aufzunehmen. Die systematische Auswertung verbindet ein schrittweises oder an der Futteraufnahme orientiertes Absetzen mit gleichbleibender oder besserer Wachstumsleistung. Die Wirkung auf Hunger und Wohlbefinden ist weniger eindeutig: Späteres Absetzen verringerte in den Studien Anzeichen von Hunger, während der Nutzen einer längeren Absetzphase nicht abschließend geklärt ist.

Vermeide vor allem, die Milch stark zu kürzen, bevor das Kalb verlässlich Festfutter frisst. Die Auswertung berichtet schwächere Zunahmen, wenn die Milchmenge vor dem Absetzen unter etwa 6 Litern täglich sank. Das ist ein Befund aus den betrachteten Studien und kein universeller Mindestwert für jeden Betrieb. Im Versuch der Universität British Columbia wurde die Milch in mehreren Stufen reduziert. Kälber, die den höchsten Starterwert bis zum 84. Lebenstag nicht erreichten, wurden dort über sieben Tage schrittweise abgesetzt. Dieses Vorgehen zeigt eine mögliche Ausweichregel, ist aber kein allgemeiner Standard.

Auch Wasser und erreichbares Festfutter gehören zur Umstellung. Eine deutschsprachige Fachquelle empfiehlt, Wasser jederzeit in einer Schale oder einem Eimer bereitzustellen und nennt mindestens 2 Kilogramm Trockenmasse aus Festfutter pro Kalb und Tag zum Ende der Milchphase als Orientierungswert. Trockenmasse bezeichnet den Futteranteil ohne Wasser. Die Angabe stammt aus einer Expertenempfehlung und sollte nicht mit einem in allen Systemen bestätigten Absetzgrenzwert verwechselt werden. Die Fachquelle zur Kälberfütterung betont vor allem, dass das Kalb schon vor dem Ende der Milchfütterung genug Festfutter und Wasser aufnehmen sollte.

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