Milchkühe müssen täglich passende Mengen Calcium und Phosphor mit dem Futter aufnehmen. Beide Mineralstoffe gehören zu den Mengenelementen, also zu den Mineralstoffen, die ein Tier in vergleichsweise größeren Mengen braucht. Ihre Versorgung hängt zusammen: Ein Überangebot an Calcium kann die Aufnahme von Phosphor im Darm beeinträchtigen. Zugleich reicht ein passendes Verhältnis der beiden Werte allein nicht aus, um eine ausreichende Versorgung zu belegen.
Bei der Prüfung zählt deshalb die gesamte Tagesration. Dazu gehören Grundfutter und Kraftfutter sowie Mineralfutter. Die Empfehlungen der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE) wurden 2023 überarbeitet; dabei sank der Richtwert für Phosphor. Wer mit älteren Zahlen rechnet, kann die Versorgung falsch einschätzen. Auch die Futteraufnahme, die Milchleistung und die Rasse sind wichtig.
Warum Calcium und Phosphor zusammengehören
Calcium steckt überwiegend in Knochen und Zähnen. Es ist außerdem an Muskelbewegungen, Blutgerinnung und Nervenfunktion beteiligt. Phosphor bildet ebenfalls Knochen und Zähne, hilft außerdem bei der Energieübertragung, regelt den Säuregrad des Blutes und fängt Säuren im Pansen ab. Die LfL Bayern beschreibt diese Funktionen und weist darauf hin, dass ein Calciumüberschuss die Aufnahme anderer Mineralstoffe beeinträchtigen kann.
Im Dünndarm beeinflussen Calcium und Phosphor gegenseitig ihre Aufnahme. Ein hoher Calciumgehalt im Futter hemmt nach den Angaben der UFA zur Mineralstoffversorgung die Phosphoraufnahme. Bei einem Phosphorüberschuss nimmt der Darm laut LfL weniger Phosphor auf, während mehr davon ausgeschieden wird. Mehr Mineralstoff im Futter bedeutet daher nicht automatisch eine bessere Versorgung.
Ein häufig genannter Orientierungswert ist ein Calcium-Phosphor-Verhältnis von 2:1. Die UFA empfiehlt dieses Verhältnis, doch es beantwortet nicht, ob die Kuh insgesamt genug Calcium und Phosphor erhält. Die GfE-Beispiele für Milchkühe ergeben zudem kein Verhältnis, das für jede Ration und Leistung gleichermaßen gelten kann. Das Verhältnis ist daher höchstens ein zusätzlicher Prüfwert. Vorrang hat der Vergleich der aufgenommenen Gesamtmengen mit dem Bedarf der jeweiligen Kuhgruppe.
Welche Richtwerte für Milchkühe gelten
Die GfE berechnet den Bedarf rechnerisch aus mehreren Bestandteilen ab: Dazu zählen unvermeidbare Verluste über Kot und Harn sowie Mineralstoffe in der Milch und im Körperzuwachs. Bei tragenden Kühen kommt die Einlagerung in Fötus, Eihäute und Plazenta hinzu. Der Nettobedarf ist die benötigte Mineralstoffmenge. Für den Bruttobedarf wird sie durch den Anteil geteilt, den die Kuh nutzen kann. Die Zusammenfassung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zu den GfE-Empfehlungen von 2023 nennt für Phosphor eine Verwertung von 80 Prozent statt zuvor 70 Prozent. Außerdem unterscheidet die Berechnung nicht mehr zwischen pflanzlichem und mineralischem Phosphor. Dadurch sanken die Phosphorempfehlungen deutlich.
Bei jedem Richtwert muss klar sein, worauf er sich bezieht. Für eine nicht tragende Holstein-Kuh mit 35 kg Milch und 23 kg Trockenmasseaufnahme nennt die LWK Niedersachsen einen Tagesbedarf von 130 g Calcium und 69 g Phosphor. Umgerechnet auf die Trockenmasse sind das 5,7 g Calcium und 3,0 g Phosphor je kg. Trockenmasse ist das Futter ohne Wasser.
Auch die Milchleistung verändert den Bedarf. In den von der LWK wiedergegebenen GfE-Werten steigt der empfohlene Gehalt je kg Trockenmasse für Holstein-Kühe von 4,7 g Calcium und 2,6 g Phosphor bei 20 kg Milch auf 6,4 g Calcium und 3,3 g Phosphor bei 50 kg Milch. Diese Beispiele sind Orientierungswerte für die genannten Leistungen und Futteraufnahmen, keine pauschalen Vorgaben für jede Herde.
Die GfE berücksichtigt zudem unterschiedliche Mineralstoffgehalte in der Milch verschiedener Rassen. Für Holstein werden je kg Milch 1,2 g Calcium und 0,92 g Phosphor angesetzt; für Jersey 1,42 g Calcium und 1,08 g Phosphor. Wer für eine andere Rasse rechnet, sollte deshalb nicht ungeprüft Holstein-Werte übernehmen.
Typische Fehler bei der Rationsprüfung
Ein häufiger Fehler ist, nur auf den Calcium- oder Phosphorgehalt des Mineralfuttersacks zu schauen. Die Kuh nimmt beide Mineralstoffe auch über Silage, Heu und Kraftfutter auf. Ein hoher Gehalt im Mineralfutter sagt daher für sich genommen nichts über die Versorgung der gesamten Ration aus. Die Werte aller Futterkomponenten müssen zusammengerechnet werden.
Auch Angaben zu unterschiedlichen Futtergewichten lassen sich nicht ohne Umrechnung vergleichen. Ein Gehalt je kg Frischmasse lässt sich nicht direkt mit einem Gehalt je kg Trockenmasse vergleichen. Enthält eine Silage beispielsweise viel Wasser, fällt ihr Mineralstoffgehalt je kg Frischmasse niedriger aus als je kg Trockenmasse, obwohl es sich um dasselbe Futter handelt. Vor dem Rechnen müssen die Angaben auf dieselbe Bezugsgröße gebracht werden.
Ein weiterer Fehler ist die Verwendung älterer Empfehlungen. Für Phosphor nennt die GfE seit 2023 beispielsweise 1,25 g je kg Trockenmasseaufnahme als Richtwert, verglichen mit 1,43 g zuvor. Bei Holstein-Kühen sank der angegebene Phosphorbedarf je kg Milch von 1,43 g auf 1,15 g. Wer alte Werte weiterverwendet, kann unnötig viel Phosphor einplanen.
Schließlich ersetzt auch ein scheinbar passendes Calcium-Phosphor-Verhältnis nicht die Bedarfsrechnung. Eine Ration kann das Verhältnis treffen und trotzdem insgesamt zu wenig oder zu viel von beiden Mineralstoffen liefern. Bei Trockenstehern, also Kühen in der Zeit vor dem nächsten Kalben, gelten andere Fragen als bei laktierenden Kühen. Für diese Gruppe fehlen in der hier angeführten GfE-Zusammenfassung konkrete Calcium- und Phosphor-Richtwerte; Zahlen für melkende Kühe lassen sich daher nicht einfach übertragen.
So prüfen Betriebe die Versorgung
Die Prüfung beginnt beim Grundfutter. Die LfL Bayern empfiehlt, hofeigene Grobfutter, besonders Silagen, auf Mineralstoffe untersuchen zu lassen und die Ergebnisse bei der Auswahl des Mineralfutters zu berücksichtigen. Eine Analyse vor dem Öffnen des Silos erleichtert die Planung. Bei einem Silowechsel sollte die Ration mit den Werten des neuen Futters erneut geprüft werden, denn Mineralstoffgehalte hängen unter anderem von Standort, Pflanzenbestand, Erntezeitpunkt und Bewirtschaftung ab.
Anschließend werden Calcium und Phosphor aus sämtlichen Rationsbestandteilen addiert: Grundfutter, Kraftfutter und Mineralfutter. Die aufgenommenen Mengen werden auf die tatsächlich gefressene Trockenmasse umgerechnet und mit einem passenden GfE-Richtwert verglichen. Dazu müssen Kuhgruppe, Milchleistung, Rasse und Futteraufnahme stimmen. Bei einer gemischten Herde kann eine einzige Durchschnittsrechnung Unterschiede zwischen Leistungsgruppen verdecken.
Ein Beispiel mit einer einzelnen Kuh zeigt, wie sich die Rechnung prüfen lässt: Bei der genannten Holstein-Kuh mit 35 kg Milch und 23 kg Trockenmasseaufnahme liegt der GfE-Wert bei 130 g Calcium und 69 g Phosphor pro Tag. Ein Betrieb kann seine berechnete Tagesaufnahme danebenstellen. Bei einer deutlichen Abweichung sollte der Betrieb zuerst prüfen, ob alle Futtermittel, die tatsächlich gefressene Menge und die Bezugsgrößen richtig erfasst sind.
Große Änderungen am Mineralfutter sollten nicht allein auf einen vermuteten Mangel folgen; eine Fütterungsberatung oder Tierärztin beziehungsweise ein Tierarzt kann die Rationsberechnung und die Befunde einordnen. Das gilt besonders für Trockensteher: Calciumüberschüsse in der Trockenstehzeit stehen laut LfL mit Milchfieber in Zusammenhang. Spezielle Konzepte zur Vorbeugung hängen von der Ration und der kontrollierten Futteraufnahme ab und benötigen eine fachliche Planung.
