Bullenmast

Getreide für Schweinefutter: Qualität mit allen Sinnen prüfen

Invaso.de – Ihr Portal für Mineralfutter und Milchaustauscher
Inhalt4 Abschnitte
  1. Was Auge, Nase und Hand erkennen
  2. Die Probe muss die ganze Partie abbilden
  3. Was das Labor für die Ration klärt
  4. Auffällige Partien getrennt beurteilen

Wer Getreide für Schweinefutter annimmt oder aus dem eigenen Lager verfüttert, sollte es selbst prüfen und nicht nur auf Laborwerte schauen. Aussehen, Geruch und Beschaffenheit geben Hinweise auf Feuchtigkeit, Verunreinigungen oder Verderb. Sie verraten jedoch nicht zuverlässig, wie viel Eiweiß und Energie das Getreide liefert und ob es Pilzgifte enthält.

Eine Partie ist eine zusammengehörige Menge Getreide, zum Beispiel eine Anlieferung oder ein abgegrenzter Lagerbestand. Die Prüfung mit Augen, Nase und Händen und die Laboranalyse beantworten unterschiedliche Fragen: Mit den Sinnen erkennen Sie sichtbare Auffälligkeiten; das Labor bestimmt Nährstoffe und mögliche Schadstoffe. Wenn Sie beides nutzen, können Sie das Getreide besser einordnen und die Futterration, also die Zusammensetzung des Futters, daran anpassen.

Was Auge, Nase und Hand erkennen

Prüfen Sie eine frische Probe bei gutem Licht. Achten Sie auf eine gleichmäßige Farbe und gleichmäßig ausgebildete Körner. Suchen Sie auch nach Fremdbesatz. Dazu zählen Unkrautsamen und Erde ebenso wie Strohreste oder auffällig viele Bruchkörner. Mutterkorn, dunkle, längliche Pilzgebilde im Getreide, lässt sich in ungemahlenem Korn häufig erkennen. Bei gemahlenem Getreide oder Mischfutter ist eine solche Sichtkontrolle nicht mehr möglich.

Riechen Sie an der Probe. Ein muffiger, modriger oder gäriger Geruch ist ein Warnsignal. Prüfen Sie das Getreide dann genauer. Achten Sie beim Anfassen auf Klumpen und feuchte Stellen. Auch eine auffällig warme Partie sollten Sie genauer prüfen. Solche Beobachtungen können auf Lagerprobleme hinweisen, ersetzen aber keine Messung oder Diagnose. Eingelagertes Getreide gibt weiterhin Wärme und Feuchtigkeit ab; Belüftung hilft, ungünstige Lagerbedingungen zu vermeiden, wie die Hinweise zur sicheren Getreidelagerung erläutern.

Verkosten Sie verdächtiges Getreide nicht. Auch ein unauffälliger Geruch und ein sauberes Aussehen belegen nicht, dass keine Pilzgifte enthalten sind. Diese sogenannten Mykotoxine entstehen durch bestimmte Pilze. Fusarium-Pilze können beispielsweise Deoxynivalenol (DON) und Zearalenon (ZEA) bilden. DON steht unter anderem mit geringerer Futteraufnahme und schlechterem Wachstum in Verbindung; ZEA kann die Fruchtbarkeit von Sauen beeinträchtigen. Solche Belastungen verlaufen teils ohne eindeutige sichtbare Anzeichen. Deshalb reicht die Sinnesprüfung bei einem Verdacht oder bei auffälliger Tierleistung nicht aus.

Die Probe muss die ganze Partie abbilden

Ein Laborwert ist nur so aussagekräftig wie die Probe, die das Labor erhält. Getreide kann innerhalb eines Lagerbestands unterschiedlich beschaffen sein. Eine einzelne Handvoll von der Oberfläche bildet diese Unterschiede nicht zuverlässig ab.

Entnehmen Sie deshalb an mehreren Stellen Einzelproben und mischen Sie sie zu einer Sammelprobe. Je nach Partie nennt die LWK Niedersachsen sieben bis 40 Einzelproben; daraus entstehen ein bis vier Sammelproben mit mindestens vier Kilogramm je Probe. Wie viele Proben nötig sind, hängt von Größe und Art der Partie ab. Hinweise zur Untersuchung von Futtergetreide gibt die LWK Niedersachsen.

Beschriften Sie die Probe mit Getreideart, Lagerort und Partie. Wenn Sie auffällige Stellen entdecken, halten Sie fest, woher die Probe stammt. Eine gezielte Probe aus einem verdächtigen Bereich kann zusätzliche Informationen liefern, ersetzt aber nicht die repräsentative Sammelprobe für die gesamte Partie.

Was das Labor für die Ration klärt

Für die Rationsberechnung sind neben dem Energiegehalt vor allem Trockensubstanz, Rohprotein, Stärke und Rohfaser relevant. Trockensubstanz bezeichnet den Anteil des Futters, der nach Abzug des Wassers übrig bleibt. Bei Flüssigfütterung beeinflusst dieser Wert, wie viel Wasser zur Mischung nötig ist. Rohprotein und Aminosäuren liefern wichtige Hinweise auf den Beitrag des Getreides zur Eiweißversorgung. Aminosäuren sind Bausteine von Eiweiß. Bei Schweinen zählen unter anderem Lysin und Methionin dazu, ebenso Threonin und Tryptophan.

Die Werte schwanken zwischen Partien. Eine Auswertung von 945 Getreidechargen der LUFA NRW zeigt, dass der Rohproteingehalt der untersuchten Weizenproben schwankte. Dieses Ergebnis gilt für die ausgewerteten Proben und ist kein allgemeiner Richtwert für jede Ernte. Die Auswertung zeigt, warum die Getreideart oder ein Vorjahreswert allein die aktuelle Partie nicht zuverlässig beschreibt. Die LUFA-Auswertung ermittelte für die untersuchten Proben einen mittleren Trockensubstanzgehalt von 88 Prozent. Für die eigene Ration zählt der Befund der eigenen Partie.

Labore bestimmen Inhaltsstoffe zum Beispiel mit NIRS, der Nahinfrarot-Spektroskopie. Dabei bestrahlt das Gerät das Getreide mit Licht und berechnet aus dem zurückgeworfenen Licht die Inhaltsstoffe. Für Fusariumtoxine ist eine passende Analyse nötig. Bei einem Schnelltest wie ELISA, einem immunologischen Test, sollte geklärt werden, ob er nur anzeigt, dass ein Toxin vorhanden ist, oder auch dessen Menge verlässlich bestimmt. Bei einem auffälligen Ergebnis kann das Labor eine genauere Bestätigung, zum Beispiel etwa mit HPLC, empfehlen.

Lassen Sie die Ration auf Grundlage der analysierten Nährstoff- und Aminosäurewerte berechnen. Eine Anpassung nur nach dem Rohproteingehalt reicht nicht aus, wenn sich auch Energiegehalt, Rohfaser oder einzelne Aminosäuren unterscheiden. Für Mykotoxine gelten je nach Tiergruppe und Futtermischung unterschiedliche Orientierungswerte; die hier verfügbaren Angaben stimmen bei einzelnen Werten nicht überein. Prüfen Sie deshalb die aktuell geltenden Vorgaben und Empfehlungen mit dem Labor oder der Fütterungsberatung, bevor Sie eine belastete Partie einsetzen.

Auffällige Partien getrennt beurteilen

Eine Partie mit muffigem Geruch oder feuchten Klumpen sollte getrennt bleiben, bis die Ursache geklärt ist. Das gilt auch bei sichtbarem Schimmel oder auffälligem Fremdbesatz. Verfüttern Sie eine verdächtige Partie nicht allein deshalb, weil eine andere Probe unauffällig war. Bei Verdacht auf Mykotoxine ist eine Laboranalyse nötig; der Pilzbefall und die Toxinbildung hängen unter anderem von den Bedingungen während des Getreidewachstums ab. Die DLG beschreibt DON und ZEA als wichtige Feldpilztoxine in Europa und empfiehlt, auch die Lagerbedingungen in die Futterhygiene einzubeziehen.

Mutterkorn braucht eine eigene Entscheidung. Der sichtbare Mutterkornanteil zeigt nicht zuverlässig, wie viele Ergotalkaloide enthalten sind. Das sind die giftigen Inhaltsstoffe im Mutterkorn. Untersuchungen, die in einem Fachbeitrag zusammengefasst werden, zeigen bei einem Mutterkornanteil von 0,1 Prozent sehr unterschiedliche Ergotalkaloidgehalte. Eine Sichtkontrolle allein reicht daher nicht, um das Risiko genau zu bestimmen. Verdächtiges Getreide sollte nicht in der Ferkelerzeugung eingesetzt werden; außerdem gelten für Mutterkorn besondere rechtliche Vorgaben, darunter ein Verschneidungsverbot. Klären Sie die weitere Verwendung mit einer fachkundigen Stelle und prüfen Sie die aktuellen Vorschriften.

Invaso.de – Ihr Portal für Mineralfutter und Milchaustauscher

Mehr zum Thema Bullenmast

Alle 83 Beiträge