Beim Anmischen von Milchaustauscher für Kälber kommt es auf drei Dinge an: die Pulvermenge, die Wassermenge und die Temperatur beim Mischen. Sie bestimmen, wie viel Pulver in der fertigen Tränke steckt und ob es sich gleichmäßig löst. Ein häufiger Fehler: Die Dosierung auf dem Sack gilt für einen Liter Wasser, wird aber als Menge für einen Liter fertige Tränke verstanden. Dadurch bekommt das Kalb eine andere Konzentration als geplant.
Die Endkonzentration beschreibt hier, wie viele Gramm Pulver in einem Liter fertiger Tränke enthalten sind. Prüfen Sie deshalb zuerst, ob die Herstellerangabe für einen Liter Wasser oder für einen Liter fertiges Getränk gilt. Die Temperatur beeinflusst vor allem, wie gut sich das Pulver löst und wie gleichmäßig die Tränke wird. Sie gleicht ungenaues Wiegen oder Messen nicht aus.
Wasser und fertige Tränke sind verschiedene Bezugsgrößen
Pulver nimmt beim Einrühren Raum ein. Ein Liter Wasser ergibt deshalb zusammen mit dem Pulver mehr als einen Liter fertige Tränke. Die Angabe „150 g pro Liter“ kann also zwei verschiedene Dinge meinen: 150 g Pulver auf einen Liter Wasser oder 150 g Pulver in einem Liter fertiger Tränke.
Beispiel: Für etwa einen Liter fertige Tränke mit 150 g Pulver nennt Milchpur ungefähr 150 g Pulver und 850 g Wasser. Die Angabe entspricht näherungsweise 175 g Pulver je Liter Wasser. Werden dagegen 150 g Pulver zu einem Liter Wasser gegeben, entsteht mehr als ein Liter Tränke. Die Konzentration je Liter fertigem Getränk liegt dann niedriger. Die Umrechnung ist nur ein Näherungswert, denn die Menge der fertigen Tränke hängt vom Produkt und von der Zubereitung ab. Maßgeblich ist die Bezugsgröße auf dem jeweiligen Sack oder im Fütterungsplan. Milchpur erläutert den Unterschied mit Rechenbeispielen.
Die Dosierungen verschiedener Hersteller lassen sich nicht direkt vergleichen. JOSERA nennt für eine Standardtränke 125 g je Liter fertiges Getränk, während Milchpur für die ersten Lebenswochen 150 bis 160 g je Liter fertige Tränke empfiehlt. NORMI gibt für seine Produkte 140 bis 160 g je Liter Wasser an. Die Werte gelten für unterschiedliche Produkte und beziehen sich teils auf Wasser, teils auf fertige Tränke. Verwenden Sie daher die Dosierung des konkreten Produkts und passen Sie sie nicht allein anhand einer allgemeinen Zahl an. Die JOSERA-Angaben und der NORMI-Tränkerechner zeigen, wie stark die Angaben je nach Produkt und Bezugsgröße auseinanderliegen.
Pulvermenge und Wassermenge gemeinsam prüfen
Die Pulvermenge legt fest, wie viele Nährstoffe in der Portion stecken. Die Wassermenge bestimmt, wie stark die Portion verdünnt wird. Werden 600 g Pulver in vier Liter Wasser eingerührt, erhält das Kalb die Nährstoffe aus den gesamten 600 g. Das Pulver vergrößert das Volumen; Milchpur nennt für dieses Beispiel ungefähr 4,3 Liter fertige Tränke. Eine Mengenangabe für Wasser darf daher nicht mit einer Literangabe für fertige Tränke gleichgesetzt werden.
Besonders leicht passiert die Verwechslung beim Wechsel zwischen Eimerfütterung und Tränkeautomat. Ein Gerät kann die Pulvermenge auf die Wassermenge oder auf das Volumen der fertigen Tränke beziehen. Prüfen Sie in der Bedienungsanleitung, wie der Automat dosiert und worauf sich eine Mengenbegrenzung bezieht. In einem von Milchpur beschriebenen Beispiel lieferte ein Automat bei einer Einstellung von 150 g Pulver je Liter Wasser und einer Begrenzung auf acht Liter fertige Tränke rund 1.040 statt der geplanten 1.200 g Pulver. Dieser Wert gilt für das beschriebene Beispiel und lässt sich nicht auf alle Automaten übertragen. Milchpur empfiehlt deshalb, Dosierung und Geräteeinstellung regelmäßig zu kontrollieren.
Ein Messbecher oder eine Schaufel misst die Pulvermenge nicht so zuverlässig wie eine Waage. NORMI rät, das Pulver abzuwiegen. Das ist besonders hilfreich, wenn sich Schaufeln unterschiedlich füllen oder mehrere Personen die Tränke zubereiten. Notieren Sie außerdem, ob der Fütterungsplan Gramm je Liter Wasser oder je Liter fertige Tränke vorgibt. So bleibt die Bezugsgröße beim Wechsel der zuständigen Person eindeutig.
Mischtemperatur nach Produktangabe wählen
Die Mischtemperatur beeinflusst, wie gut sich das Pulver verteilt und wie gleichmäßig die Tränke wird. Die Temperatur allein bestimmt die Endkonzentration nicht. Dafür sind die Pulvermenge und die Wassermenge oder das fertige Volumen entscheidend. Zu heißes Wasser kann jedoch empfindliche Bestandteile beeinträchtigen. JOSERA warnt bei seinen Hinweisen vor Temperaturen über 50 °C, weil dabei Vitamine und Milchsäurebakterien geschädigt werden können. Zugleich empfiehlt der Hersteller, die fertige Tränke nicht unter 40 °C abkühlen zu lassen. Diese Temperaturwerte sind Herstellerangaben und sollten nicht ungeprüft auf jedes Produkt übertragen werden. Folgen Sie dem Etikett des verwendeten Milchaustauschers. JOSERA beschreibt auch die empfohlene Reihenfolge beim Handanmischen.
Beim Anmischen von Hand empfiehlt JOSERA, zuerst etwa ein Drittel der vorgesehenen Wassermenge mit 45 bis 50 °C in den Eimer zu geben. Dann kommt das Pulver dazu; nach gründlichem Rühren wird mit Wasser bis zur Zielmenge aufgefüllt. So lässt sich die Pulvermenge gleichmäßig einrühren und die gewünschte Endmenge kontrollieren. Für Tränkeautomaten nennt JOSERA 43 bis 45 °C als Einstellung. Auch hier gelten die Werte für die jeweilige Herstellerempfehlung, nicht als pauschale Vorgabe für alle Produkte.
Bei der ad-libitum-Fütterung haben Kälber über längere Zeit freien Zugang zur Tränke. Eine schlecht gemischte Tränke, deren Bestandteile sich trennen, ist dabei besonders problematisch. Als einfache Sichtkontrolle lässt sich eine Probe in ein Glas geben: Setzen sich feste Bestandteile am Boden ab, ist die Mischung nicht gleichmäßig. Der Test zeigt, ob sich Bestandteile absetzen. Er ersetzt aber keine Prüfung der Dosierung oder der Geräteeinstellung. top agrar beschreibt den Glastest als einfache Kontrolle.
Zubereitung vor dem Tränken kontrollieren
Mit einer kurzen Kontrolle erkennen Sie die häufigsten Fehler: eine verwechselte Bezugsgröße, eine falsche Pulvermenge, eine ungeeignete Mischtemperatur oder eine unpassende Automateneinstellung.
- Etikett lesen: Steht die Dosierung für einen Liter Wasser oder einen Liter fertige Tränke?
- Pulver abwiegen: Wiegen Sie die vorgegebene Menge ab, statt Pulver mit einer nicht abgemessenen Schaufel zu entnehmen.
- Wassermenge festlegen: Messen Sie das Wasser passend zur Bezugsgröße. Wenn der Plan eine Menge fertiger Tränke vorgibt, füllen Sie bis zu diesem Volumen auf.
- Temperatur und Durchmischung prüfen: Halten Sie sich an die Produktangabe und kontrollieren Sie, ob sich Pulver absetzt.
- Automat nachmessen: Vergleichen Sie die tatsächliche Pulver- und Tränkemenge regelmäßig mit der Einstellung und der Herstellerbeschreibung.
