Wer Heu einlagert, sollte vor allem auf seine Restfeuchte achten. Damit ist das Wasser gemeint, das nach dem Trocknen noch im Heu steckt. Als Orientierungswert gilt eine niedrige Restfeuchte; auch die LUFA NRW empfiehlt trockenes Heu. Zu feuchtes Heu verliert an Qualität, erwärmt sich stärker und kann schimmeln. Bei großer Hitze im Lager steigt außerdem die Brandgefahr.
Die Prozentwerte sind Richtwerte. Es gibt keine einheitliche Grenze für alle Ballenarten und Messmethoden. Entscheidend sind deshalb auch die Temperatur im Heustock, der Zustand des Futters und die Lagerbedingungen. Wer diese Punkte prüft, erkennt problematische Partien frühzeitig.
Welche Feuchtewerte gelten?
Für feldgetrocknetes Heu empfiehlt die Schweizer Beratungsstelle für Brandverhütung einen niedrigen Restfeuchtegehalt. Die LUFA NRW empfiehlt trockenes Heu und rät, das Heu vor der Fütterung ausreichend nachreifen zu lassen. Beide Hinweise geben Orientierung für trockenes Heu im Lager.
Höhere Feuchtewerte beschreiben bereits ein Risiko: Laut Silierung.de führt ein Wassergehalt von 20 Prozent zu Qualitätseinbußen. Bei 25 Prozent kann die Überhitzungsgrenze erreicht werden, sodass sich Heu selbst entzünden kann. Die Prozentangaben dienen als Risikoindikatoren und legen keine zulässigen Lagergrenzen fest; direkt mit Empfehlungen für trockenes Lagerheu lassen sie sich nicht vergleichen. Die Quellen nennen jedoch nicht durchgehend, wie gemessen wurde und worauf sich die Prozentwerte beziehen.
Auch die Ballenform allein liefert keinen verlässlichen Grenzwert. Eine Heuproduzentin aus Niedersachsen nennt in einem Erfahrungsbericht unterschiedliche betriebliche Zielwerte für ihre Quader- und Rundballen. Die Zielwerte beschreiben ihre betriebliche Praxis und sind keine allgemeine Empfehlung. Für die Entscheidung, ob Heu eingelagert werden kann, zählen eine geeignete Feuchtemessung und die anschließende Temperaturkontrolle mehr als ein pauschaler Grenzwert nach Ballenform.
Wie Heu warm wird und schimmelt
Auch trockenes Heu enthält Restwasser. Nach der Einlagerung setzen Gärungs- und Abbauvorgänge ein, bei denen Wärme entsteht. Diese erste Erwärmungsphase wird auch Schwitzphase genannt. Die Schweizer Beratungsstelle für Brandverhütung beschreibt einen Anstieg auf etwa 45 °C; bei guter Erntequalität und passenden Lagerbedingungen klingt diese Phase nach zwei bis drei Wochen ab.
Ist das Heu zu feucht oder verschmutzt, bekommen Mikroorganismen genügend Wasser und Nährstoffe, um sich stark zu vermehren. Dabei entsteht weitere Wärme, und das Heu verliert Nährstoffe. Ab etwa 50 bis 60 °C können sich wärmeliebende Mikroorganismen stark vermehren; die Temperatur im Ballen oder Heustock kann dann bis etwa 75 °C steigen. Ab rund 65 °C beschreibt die Schweizer Beratungsstelle für Brandverhütung eine chemische Phase, in der Heu verkohlt und sich Glutnester bilden können. Ab etwa 70 °C besteht akute Brandgefahr.
Schimmel braucht ebenfalls Feuchtigkeit. Wärme begünstigt das Wachstum von Schimmelpilzen und Hefen; erhöhte Restfeuchte beschleunigt mikrobielle Vorgänge. Ein feuchter Ballen kann deshalb gleichzeitig warm werden, Nährstoffe verlieren und hygienisch bedenklich werden. Eine schlecht belüftete Lagerhalle, starke Temperaturschwankungen mit Kondenswasser oder zu dicht und hoch gestapelte Ballen verschärfen das Risiko. Schmutz im Heu erhöht das Risiko zusätzlich.
Lagerung und Temperaturkontrolle
Heu sollte trocken und möglichst sauber eingelagert werden. Zwischen den Ballen braucht es Luftzwischenräume, damit Wärme abziehen kann. Sehr hohe Stapel auf kleiner Grundfläche begünstigen einen Wärmestau; durch das Gewicht des Stapels kann sich Wärme besonders im unteren Bereich sammeln. Eine zu dicke Heuschicht in einer Trocknungsanlage hält außerdem die obere Lage länger feucht.
Die Schweizer Beratungsstelle für Brandverhütung empfiehlt, den Heustock regelmäßig mit einer Temperatursonde zu prüfen. Bei Ballenstapeln soll mindestens ein Messpunkt pro Ballen erfasst werden; bei losem Heu empfiehlt sie Messpunkte im Abstand von etwa 1 bis 1,5 Metern. Ein Messprotokoll macht sichtbar, ob die Temperatur steigt oder fällt. Die folgenden Stufen stammen aus dieser Schweizer Brandschutzempfehlung und sind keine allgemeingültigen gesetzlichen Vorgaben für Deutschland:
| Temperatur im Heu | Einordnung und Kontrolle laut Empfehlung |
|---|---|
| Bis 45 °C | Im dort beschriebenen Orientierungsrahmen normal |
| 45 bis 60 °C | Besorgniserregend; regelmäßig messen |
| 60 bis 70 °C | Brandgefahr; Messabstände von höchstens 5 Stunden |
| Ab 70 °C | Akute Brandgefahr; Feuerwehr alarmieren |
Stark erhitztes Heu ist gefährlich, besonders wenn Sauerstoff an Glutnester gelangt. Heißes Heu deshalb nicht eigenmächtig auseinanderziehen oder umschichten. Ab 70 °C gilt die Empfehlung, die Feuerwehr zu verständigen; im Zweifel sollte man frühzeitig die örtliche Feuerwehr einbeziehen.
Qualitätsverlust erkennen
Muffiger Geruch, Verfärbungen und ungewöhnlich viel Staub sind deutliche Warnzeichen. In einer fortgeschrittenen Erwärmung kann das Heu süßlich nach frischem Brot oder faulenden Äpfeln riechen. Verkohltes Heu wird dunkelbraun bis schwarz und kann nach Tabak oder verbranntem Kaffee riechen. Abgesunkene Stellen im Heustock weisen auf Materialverlust hin.
Eine Sicht- und Geruchsprüfung reicht zur Beurteilung nicht aus. Schimmelgifte, sogenannte Mykotoxine, bleiben mitunter unsichtbar und geruchlos. Bei Verdacht auf belastetes Heu liefert eine Laboranalyse verlässlichere Informationen, wie die LUFA NRW erläutert. Auch eine Temperaturmessung bleibt nötig: Der Geruch allein zeigt nicht zuverlässig, wie heiß der Kern eines Ballens ist.
