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Schimmel in Silage erkennen und betroffene Futterpartien beurteilen

Wer beim Öffnen des Silos Schimmelflecken, muffigen Geruch oder erwärmtes Futter entdeckt, muss entscheiden, ob eine Partie noch in die Ration darf. Schimmel zeigt, dass Sauerstoff an die Silage gelangt ist. Dabei können Futter verloren gehen und gesundheitsschädliche Stoffe entstehen. Aussehen und Geruch allein verraten jedoch nicht, ob und wie stark die Silage mit solchen Stoffen belastet ist.

Mykotoxine sind giftige Stoffwechselprodukte, die bestimmte Schimmelpilze bilden. Bei sichtbarem Schimmel oder anderen deutlichen Verderbniszeichen gehört die betroffene Silage deshalb nicht in den Trog. Wie groß der verdorbene Bereich ist und ob angrenzendes Futter noch verwendbar ist, muss gesondert beurteilt werden.

Schimmel, Geruch und Wärme richtig einordnen

Schimmel lässt sich an sichtbaren Belägen und verfärbten Stellen erkennen. Prüfen Sie auch den Geruch und ob die Silage ungewöhnlich warm oder staubig ist. Ein muffiger oder fauliger Geruch weist auf Verderb hin. Ein alkoholischer Geruch weist auf Hefetätigkeit hin, also darauf, dass Hefen in der Silage aktiv sind. Buttersäure wird bei der Silageprüfung typischerweise an einem Geruch nach ranziger Butter oder Schweiß erkannt und weist auf Fehlgärung hin. Essigsäure riecht nach Essig, ist aber auch ein erwünschtes Gärprodukt, das Hefen und Schimmelpilze hemmt. Ein stark stechender Essiggeruch kann auf überhöhte Gehalte hinweisen. Gerüche helfen bei der Einordnung, ersetzen jedoch keine Untersuchung der Futterqualität.

Nacherwärmung kann bereits deutlich unter 50 °C auftreten. Unter Lufteinfluss bauen vor allem Hefen Nährstoffe ab und erzeugen dabei Wärme. Prüfen Sie mit einer geeigneten Temperatursonde mehrere Stellen am Anschnitt, einschließlich der Ränder und des Kerns, und vergleichen Sie unterschiedliche Messtiefen. Das LfL-Messprotokoll zum Silocontrolling sieht Messungen in 40 und 100 cm Tiefe vor. Eine Erhöhung um mehr als 5 °C gegenüber der Kerntemperatur deutet auf Nacherwärmung hin. Das ist eine Temperaturdifferenz, keine absolute Futtertemperatur. Einzelwerte und Temperaturen unter 50 °C belegen keine hygienische Unbedenklichkeit. Die Silagebewertung nach Sinneseindrücken ordnet Aussehen, Geruch und Erwärmung als Hinweise auf Qualitätsmängel ein.

Die Lage des Schimmels hilft, die Schwachstelle zu finden. Beläge direkt unter der Folie sprechen für undichte Stellen oder mangelhaften Schutz. Schimmel an den Rändern weist darauf hin, dass das Futter neben der Silowand nicht fest genug verdichtet wurde. Gleichmäßig verteilte Nester können auf ungleichmäßiges Befüllen oder Lufttaschen hinweisen. Diese Muster geben laut Schwachstellenanalyse im Grassilo Hinweise auf mögliche Ursachen, zeigen aber nicht sicher, was bei jeder Silage die Ursache ist.

Betroffene Partien getrennt beurteilen

Sichtbarer Schimmel, muffiger oder fauliger Geruch und deutliche Erwärmung sind Gründe, die betroffene Silage nicht zu verfüttern. Mischen Sie verdächtiges Futter nicht unter unauffällige Silage, um den Befund zu verdecken. Wenn Sie nur einzelne sichtbare Flecken entfernen, ist damit nicht bewiesen, dass der Rest unbelastet ist: Mit den Sinnen lässt sich weder der Mykotoxingehalt bestimmen noch eine sichere Grenze zwischen belastetem und unbelastetem Futter festlegen.

Entfernen Sie sichtbar verschimmelte oder anderweitig verdorbene Silage aus dem Futterstrom, auch bei örtlich begrenztem Befall. Beurteilen Sie angrenzendes Futter getrennt. Bleibt dessen hygienische Eignung unklar, halten Sie es bis zur fachkundigen Beurteilung zurück. Stimmen Sie mit Beratung und Labor ab, wie die abgegrenzte Partie beprobt wird und welche mikrobiologischen oder gezielten Mykotoxinuntersuchungen nötig sind. Ein unauffälliger Befund gilt nur für die untersuchte Probe und die geprüften Parameter; er gibt sichtbar verdorbenes Futter nicht zur Verfütterung frei. Die DLG-Hinweise zur Futterhygiene schließen solches Futter aus. Eine allgemeine sichere Schnittgrenze um Schimmelflecken lässt sich nicht angeben.

Mykotoxine können die Futteraufnahme und Leistung beeinträchtigen. Bei Rindern werden unter anderem Fruchtbarkeitsprobleme, geringere Milchleistung, Durchfall sowie Leber- und Nierenschäden beschrieben. Das Risiko hängt davon ab, welche Schimmelpilze und Giftstoffe vorhanden sind; ein sichtbarer Belag erlaubt keine verlässliche Aussage über Art oder Menge. Hinweise zu möglichen Folgen beim Rind bietet die Information zu Mykotoxinen in der Rinderfütterung.

Lufteintritt am Silo verhindern

Schimmel entsteht dort, wo Sauerstoff an das Futter gelangt. Häufige Ursachen sind Erntegut, das nicht fest genug verdichtet wurde, zu trockenes oder lang geschnittenes Erntegut, undichte Abdeckungen und eine zu langsame Entnahme an der Anschnittfläche. Auch Löcher durch Vögel oder Mäuse und ungeschützte Randbereiche schaffen Eintrittsstellen.

Decken Sie das Silo nach dem Befüllen sorgfältig ab und kontrollieren Sie die Folie auf Schäden. Entnehmen Sie an der Anschnittfläche nur so viel Silage, wie bald gebraucht wird, und arbeiten Sie gleichmäßig über die gesamte Breite. Eine saubere, glatte Anschnittfläche verringert Stellen, an denen Luft in das Futter eindringen kann. Hat sich an der Anschnittfläche bereits Verderb entwickelt, decken Sie die Fläche nicht einfach wieder ab, denn die Abdeckung hält Wärme zurück und verschärft das Problem, wie der Beitrag zum Silageaustrag erläutert.