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Fett in der Milchkuhration

Fett liefert in der Milchkuhration besonders viel Energie. Es steckt bereits in den üblichen Futtermitteln; zusätzliches Futterfett kommt deshalb immer zum vorhandenen Fett hinzu. Bei einer Ergänzung zählt der Fettgehalt der gesamten Ration, einschließlich des zugesetzten Produkts.

Als Orientierung nennt die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) höchstens 4 bis 4,5 Prozent Rohfett in der Trockenmasse der Ration. Bei speziell geschütztem Fett nennt sie bis zu 6 Prozent. Rohfett ist der Messwert der Futtermittelanalyse für die Fettfraktion. Er umfasst auch andere fettlösliche Stoffe, etwa bestimmte Vitamine. Diese Werte dienen zur Orientierung und sind Obergrenzen, keine pauschale Fütterungsempfehlung. Maßgeblich sind die Zusammensetzung der Ration, die Leistung und die Futteraufnahme.

Gesamtfett aus allen Futtermitteln berechnen

Für den Rohfettgehalt zählt das Fett aus der gesamten Ration: sowohl das natürliche Fett der Futtermittel als auch zugesetztes Futterfett. Vergleichen Sie nur Angaben, die dieselbe Bezugsgröße verwenden. Für den Vergleich mit den LfL-Richtwerten zählt der Anteil an der Trockenmasse, also an der Futtermenge ohne Wasser.

Das ist im Stallalltag besonders wichtig, wenn ein fettreiches Ergänzungsfutter hinzukommt. Es reicht nicht, dessen Fettgehalt isoliert zu betrachten. Die Rationsberechnung sollte zuerst zeigen, wie viel Rohfett bereits in der Grundration steckt. So lässt sich berechnen, wie viel Spielraum nach der Ergänzung bis zur genannten Obergrenze bleibt.

Fett kann die Energiedichte der Ration erhöhen. Laut LKV Sachsen kommt eine Ergänzung vor allem infrage, wenn sich die Energieversorgung auch dann nicht an die erwartete Leistung anpassen lässt, wenn alle Möglichkeiten zur Fütterung von Kraftfutter ausgeschöpft sind. Das gilt auch, wenn die Kuh bereits so viel Futter aufnimmt, wie möglich ist. Bleibt der erhoffte Leistungsanstieg aus, kann das zugesetzte Fett ein Energiedefizit ausgleichen. Andere energiereiche Futtermittel decken dieses Defizit möglicherweise günstiger ab.

Was „pansengeschützt“ bedeutet

Fett wird im Pansen anders verarbeitet als im Dünndarm. Der Pansen ist der Vormagen, in dem Mikroorganismen einen Teil des Futters abbauen. Fettsäuren sind Bausteine von Fett. Pansengeschütztes Futterfett ist so hergestellt, dass möglichst viele Fettsäuren den Pansen weitgehend unverändert passieren und erst im Dünndarm verdaut werden. Als Anforderung nennt LKV Sachsen, dass mindestens 90 Prozent der Fettsäuren unverändert durch den Pansen gelangen sollen.

Geschützte Fette gibt es in verschiedenen Formen, etwa als umhüllte, gehärtete oder mit Kalzium verseifte Produkte. Sie unterscheiden sich darin, wie stabil sie im Pansen bleiben und wie gut die Kuh sie insgesamt verdaut. LKV Sachsen zufolge gibt es keine einfache Routineanalyse, mit der sich diese Eigenschaften zuverlässig für jedes Produkt bestimmen lassen. Fragen Sie deshalb nach belastbaren Angaben zur Pansenstabilität und Verdaulichkeit und beziehen Sie die Erfahrung mit dem konkreten Produkt in die Entscheidung ein.

LKV Sachsen nennt als Orientierungsbereich 0,5 bis 1 Kilogramm geschütztes Fett je Tier und Tag. Das ist keine pauschale Dosierung: Die Menge muss zur Grundration und zur gesamten Rohfettaufnahme passen. Auch die LfL-Obergrenze von bis zu 6 Prozent Rohfett in der Trockenmasse bei geschütztem Fett bleibt zu beachten.

Milchfett und besondere Fettsäuren

Die Milchkuh bildet einen Teil des Milchfetts im Euter selbst. Dort entstehen kurz- und mittelkettige Fettsäuren aus Bausteinen, die unter anderem beim Abbau von Kohlenhydraten im Pansen anfallen. Längerkettige Fettsäuren stammen zum großen Teil aus dem Blut. Eine Übersichtsarbeit zur Milchfettsynthese beschreibt diese unterschiedlichen Wege.

Pansengeschütztes Fett kann gezielt bestimmte Fettsäuren liefern. Ein Beispiel ist konjugierte Linolsäure, kurz CLA. Sie ist nicht mit gewöhnlichem geschütztem Futterfett gleichzusetzen: Bestimmte Formen der CLA beeinflussen die Bildung von Milchfett und können den Fettgehalt der Milch senken. Die Studie zu CLA in der Laktation zeigt, warum die Zusammensetzung des Produkts wichtig ist.

Berücksichtigen Sie bei der Auswertung der Milchkontrolldaten auch den Körperzustand der Kuh. Ein hoher Milchfettgehalt zusammen mit sinkendem Milcheiweiß kann auf verstärkten Körperfettabbau hinweisen. Die DLG erläutert dieses Verhältnis als Hinweis für die Fütterungs- und Gesundheitskontrolle. Ein hoher Fettgehalt in der Milch ist daher nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass die Ration passend mit Futterfett ergänzt wurde.

Fettquellen und Lagerung prüfen

Pflanzliche Fette enthalten häufig viele ungesättigte Fettsäuren und liegen deshalb als Öle vor. Sie reagieren empfindlich auf Sauerstoff und können verderben. Achten Sie bei Ölen auf geeignete Lagerung und auf die Frischeangaben des Lieferanten. LKV Sachsen nennt als Orientierungswerte eine Peroxidzahl unter 10 und eine Säurezahl unter 50; die jeweilige Einheit und das Analyseverfahren sollten im Prüfbericht ausgewiesen sein.

Berücksichtigen Sie auch die Herkunft: Laut LKV Sachsen wird ein großer Teil der in Deutschland verwendeten Futterfette als Palmkernöl importiert. Wer Alternativen prüft, sollte neben der Rationswirkung auch Herkunft und Lieferkette berücksichtigen. Tierische Fette sind in der Wiederkäuerfütterung futtermittelrechtlich verboten; für eine Fettanreicherung kommen daher pflanzliche Produkte infrage.