Wer Gras für Grassilage mäht, bestimmt mit dem Schnittzeitpunkt, wie viel Futter vom Feld kommt und wie gut die Tiere es verwerten können. Grassilage ist durch Milchsäuregärung haltbar gemachtes Gras. Für Rinder zählt dabei neben dem Ertrag vor allem der Energiegehalt: Mit zunehmender Reife wird das Gras faserreicher und schwerer verdaulich.
Als Orientierung gilt für den ersten Schnitt der Beginn des Rispenschiebens. Dabei treten die ersten Blütenstände aus den Halmen. Zu diesem Zeitpunkt halten sich Ertrag und Futterqualität meist besser die Waage als bei deutlich späterem Mähen. Der passende Tag hängt aber auch von Pflanzenbestand, Wetter und Standort ab.
Warum der erste Schnitt früh genug kommen sollte
Mit der Reife bilden Gräser mehr Zellwandbestandteile. Der Rohfasergehalt steigt, während die Verdaulichkeit und der Energiegehalt sinken. Lignin, ein schwer verdaulicher Bestandteil der Pflanzenzellwand, erschwert den Zugriff auf die darin eingeschlossenen Nährstoffe. Gleichzeitig wächst die Pflanzenmasse weiter. Späteres Mähen erhöht den Ertrag, während die verwertbare Energie pro Kilogramm Futter nicht zwangsläufig steigt.
Der erste Schnitt liefert nach einer Schweizer Orientierung wesentlich zur jährlichen Trockenmasse bei. Trockenmasse bezeichnet den Futteranteil ohne Wasser. Die Qualität dieses Schnitts beeinflusst damit einen beträchtlichen Teil des Jahresfutters. Die Hinweise zum ersten Schnitt betonen zudem, dass Wetterprognosen die Planung mitbestimmen: Wenn längere ungünstige Witterung bevorsteht, kann es sinnvoll sein, einzelne Flächen früher zu mähen.
Reife im Bestand erkennen
Der Beginn des Rispenschiebens ist ein brauchbarer Leitpunkt für den ersten Schnitt. Das Gras wächst je nach Jahr, Region und Pflanzenbestand unterschiedlich schnell. Auch die Grasarten auf der Fläche beeinflussen die Entwicklung. Wiesenfuchsschwanz und Knaulgras entwickeln sich beispielsweise rascher als manche andere Gräser.
Eine Bestandshöhe von etwa 25 bis 40 Zentimetern kann auf einen möglichen Schnittzeitpunkt hinweisen. Die Höhe hilft vor allem, den Ertrag einzuschätzen; sie ersetzt die Beurteilung der Pflanzenreife nicht. Wer nur nach dem Kalender oder der Höhe des Grases entscheidet, übersieht leicht, dass die Pflanzen bereits Rispen schieben oder sich langsamer entwickeln. Die Hinweise zum Schnittzeitpunkt ordnen deshalb Pflanzenentwicklung und Bestandshöhe gemeinsam ein.
Faser- und Energiewerte richtig einordnen
Ergebnisse aus dem Labor können bei der Entscheidung helfen. Rohfaser wird häufig als Anteil der Trockenmasse angegeben. Als Orientierungswerte für den ersten Schnitt nennen Quellen etwa 21 bis 23 Prozent Rohfaser oder höchstens 240 Gramm je Kilogramm Trockenmasse. Die Quellen nennen unterschiedliche Orientierungswerte, die je nach Bestand einzuordnen sind und keine einheitlichen Grenzwerte darstellen.
Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft nennt in ihren bayernweiten Untersuchungen von Grasbeständen als Orientierung höchstens 260 Gramm ADFom je Kilogramm Trockenmasse und mehr als 6,6 Megajoule NEL je Kilogramm Trockenmasse. ADFom ist eine Messgröße für schwerer verdauliche Faserbestandteile; NEL steht für Nettoenergie Laktation und beschreibt die für Milchkühe nutzbare Energie. Die Werte beziehen sich auf bayerische Untersuchungen und sind keine pauschale Vorgabe für jeden Standort. Für die eigene Fläche zählt die Analyse des geernteten Futters. Die LfL-Erläuterungen zu Futteranalysen helfen, solche Ergebnisse einzuordnen und für die Rationsplanung zu nutzen.
Mähen und Silieren gemeinsam planen
Der Schnittzeitpunkt legt die Pflanzenreife fest. Für die Gärung ist zusätzlich entscheidend, wie viel Wasser das Gras bei der Ernte enthält. Die LfL nennt für Grassilage einen Trockenmassebereich von 300 bis 400 Gramm je Kilogramm Frischmasse. Frischmasse ist das Futter einschließlich Wasser. Zu feuchtes oder zu trockenes Erntegut kann die Silierung erschweren. Den richtigen Schnitt allein nach dem Kalender zu wählen, reicht deshalb nicht: Wetter und Bedingungen beim Anwelken, also beim Antrocknen des gemähten Grases, gehören zur Planung dazu.
Wie lange es bis zum zweiten Schnitt dauert, hängt davon ab, wie schnell das Gras nachwächst und wie das Wetter ist. Kontrolliere daher den Bestand erneut, statt den ersten Schnittzeitpunkt einfach auf alle Folgeaufwüchse zu übertragen.
