Das passende Siliermittel hängt vom Ziel ab: Soll die Gärung schnell und sicher starten oder soll sich die Silage nach dem Öffnen langsamer erwärmen? Siliermittel enthalten zum Beispiel Milchsäurebakterien, die den Gärverlauf beeinflussen. Die falsche Wirkungsrichtung löst das eigentliche Problem nicht und kann die Haltbarkeit nach dem Öffnen beeinträchtigen.
Für die Auswahl zählen vor allem die Trockenmasse, also der Anteil des Futters ohne Wasser, die Vergärbarkeit, also wie gut sich das Futter vergären lässt, und das Risiko der Nacherwärmung. Die DLG ordnet Siliermittel sechs Wirkungsrichtungen zu, also sechs Arten, wie sie wirken. Für eine praktische Entscheidung sind hier vor allem die Förderung der Gärung und die Verbesserung der aeroben Stabilität relevant. Aerobe Stabilität bedeutet, dass sich die Silage nach dem Kontakt mit Luft nicht rasch erwärmt und verdirbt.
Bei schwieriger Gärung den schnellen pH-Abfall fördern
Bei schwer vergärbarem Futter soll die Wirkungsrichtung 1 den pH-Wert schnell senken. Der pH-Wert zeigt, wie sauer das Futter ist. Milchsäurebakterien wandeln Zucker in Milchsäure um; dadurch sinkt der pH-Wert und unerwünschte Gärungen werden gebremst. Die natürliche Zahl geeigneter Bakterien auf den Pflanzen reicht nicht immer aus, um die Gärung sicher in Gang zu bringen.
Die Einteilung der LfL Bayern teilt Mittel dieser Wirkungsrichtung danach ein, ob das Futter schwer, mittelschwer oder leicht vergärbar ist. Die Gruppen 1a, 1b und 1c beziehen dabei Trockenmasse und Vergärbarkeit ein. Für schwer vergärbares Futter nennt die LfL als Orientierungswert weniger als 30 Prozent Trockenmasse. Bei mittelschwerem Futter sind es bis 35 Prozent, bei leicht vergärbarem bis 45 Prozent. Prüfen Sie trotzdem das konkrete Futter. Das Mittel muss für seine Eigenschaften und den geplanten Einsatz zugelassen beziehungsweise ausgewiesen sein.
Beim Kauf sollte daher die angegebene Wirkungsrichtung zur Ernte passen. Wenn vor allem Erwärmung nach dem Öffnen droht, reicht ein Mittel zur Förderung einer schnellen Gärung nicht aus.
Bei Nacherwärmung auf die Stabilität nach dem Öffnen achten
Für Silagen, die nach dem Öffnen stabil bleiben sollen, ist die Wirkungsrichtung 2 vorgesehen. Sie nutzt heterofermentative Milchsäurebakterien. „Heterofermentativ“ bedeutet, dass die Bakterien bei der Gärung neben Milchsäure auch andere Stoffe bilden, darunter Essigsäure. Die Essigsäure hemmt Hefen, die bei Luftzutritt die Silage erwärmen können.
Das ist besonders bei Maissilage relevant: Hefen, die bereits vom Feld in die Silage gelangen, können nach dem Öffnen Nacherwärmung und Schimmelbildung auslösen. Die LfL Bayern weist darauf hin, dass Essigsäure aus heterofermentativen Bakterien etwa sechs bis acht Wochen benötigt, um eine wirksame Konzentration zu erreichen. Wird der Silostock früher geöffnet, ist die Schutzwirkung entsprechend begrenzt. Die Informationen zur Maissilage beschreiben Hefen als Ursache für Erwärmung und Verluste an Trockenmasse und Energie.
Homofermentative Milchsäurebakterien bilden bei der Gärung vor allem Milchsäure und wenig Essigsäure. Sie fördern die Gärung, bieten aber keinen vergleichbaren Schutz vor Nacherwärmung. Die LfL empfiehlt ihren Einsatz deshalb nur, wenn das Futter schnell genug aus dem Silo entnommen wird. Wer langsam entnimmt und wiederkehrende Erwärmung beobachtet, sollte die Wirkungsrichtung nicht allein nach dem Ziel „schnelle Gärung“ auswählen.
Bei sehr trockenem Futter chemische Mittel prüfen
Bei Futter mit mehr als 45 Prozent Trockenmasse kommen laut LfL auch chemische Siliermittel auf Basis von Sorbin- und Benzoesäure infrage. Sie senken den pH-Wert rasch und hemmen Schimmelpilze und Hefen. Das ist eine andere Wirkungsweise als bei Milchsäurebakterien. Die Auswahl sollte sich deshalb an der Trockenmasse und am konkreten Problem orientieren, nicht nur an der Kulturpflanze.
Die Einordnung „über 45 Prozent“ ist ein Orientierungswert aus der LfL-Hilfestellung, keine pauschale Dosieranweisung. Produktetikett und Einsatzbedingungen geben vor, wie das Mittel verwendet werden darf.
Gleichmäßige Verteilung gehört zur Auswahl dazu
Ein Siliermittel wirkt nur dort, wo es im Futter verteilt ist. Deshalb muss es gleichmäßig ausgebracht werden. Dosiertechnik am Häcksler oder an der Presse hilft, das Mittel während der Ernte gleichmäßig aufzubringen. Die Hinweise zur Anwendung von Siliermitteln betonen diese gleichmäßige Ausbringung.
Vor dem Einsatz sollten Landwirte prüfen, ob das Mittel zur Betriebsform und zur geplanten Verwendung passt. Ökologisch wirtschaftende Betriebe müssen außerdem prüfen, ob ein biologisches Siliermittel den geltenden Produktionsrichtlinien entspricht.
