Bei Milchkühen beeinflusst neben den Nährstoffen auch die Futterstruktur, wie viel die Tiere kauen und wie die Gärung im Pansen verläuft. Die Kennzahl peNDF hilft, die Wirkung der Futterstruktur in einer Mischration einzuschätzen. Dafür berücksichtigt sie sowohl den Fasergehalt als auch die Größe der Futterpartikel.
NDF bezeichnet einen Teil der pflanzlichen Zellwände, vor allem aus Zellulose, Hemizellulose und Lignin. Die Abkürzung peNDF steht für „physikalisch effektive NDF“. Sie beschreibt, wie viel dieser Faser in Futterpartikeln steckt, die größer als 8 Millimeter sind. Die Kennzahl gibt einen Anhaltspunkt für die Strukturwirkung, ersetzt aber weder die gesamte Rationsplanung noch die Beobachtung der Kühe.
So wird peNDF berechnet
Für die Berechnung braucht man zwei Werte: den Gehalt an aNDFom in der Gesamtration und den Anteil der Futterpartikel, die größer als 8 Millimeter sind. aNDFom ist die mit Amylase gemessene, um Asche bereinigte NDF. Der Fasergehalt wird dabei in Gramm je Kilogramm Trockenmasse angegeben. Die Trockenmasse ist der Futteranteil ohne Wasser.
Die Rechnung lautet:
peNDF (g/kg Trockenmasse) = aNDFom der Gesamtration (g/kg Trockenmasse) × Anteil der Partikel über 8 mm
Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen beschreibt diese Berechnung als Verbindung aus chemischem Fasergehalt und physikalischer Partikelgröße.
Die Partikelverteilung lässt sich mit einem Schüttelsieb bestimmen. Beim Penn-State-Siebtrenner trennt man die Futterprobe mit Sieben nach Partikelgröße. Für die peNDF-Berechnung zählt der Anteil oberhalb von 8 Millimetern.
Warum Partikelgröße und Fasergehalt zusammenwirken
Gröbere Futterpartikel fördern das Kauen und Wiederkauen. Dabei bildet die Kuh Speichel, der zur Pufferung der Säuren im Pansen beiträgt. Die peNDF berücksichtigt sowohl diesen Kautreiz als auch die Fasermenge in der Ration. Eine höhere peNDF bedeutet deshalb nicht automatisch, dass die Ration für jede Kuh besser passt: Auch Futteraufnahme, Stärkegehalt und Verdaulichkeit beeinflussen die Pansenbedingungen.
Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen nennt als Orientierungsgrößen für ausreichende Strukturwirkung einen täglichen mittleren Pansen-pH von mindestens 6,15 und eine Begrenzung der Zeit unter pH 5,8. Diese Werte beschreiben Pansenbedingungen. Sie lassen sich nicht direkt als peNDF-Zielwerte für jede Herde verwenden. Untersuchungen kamen außerdem zu unterschiedlichen Ergebnissen darüber, wie genau peNDF Kautätigkeit und Pansen-pH vorhersagt. Die Studienlage zur physikalisch effektiven Faser zeigt daher, dass die Kennzahl als Orientierung dient, aber nicht allein über die Pansenstabilität entscheidet.
Auch die Kautätigkeit liefert einen praktischen Hinweis. Weniger Wiederkauen kann Anlass sein, Futteraufnahme, Rationszusammensetzung und Futterselektion genauer zu prüfen. Eine Untersuchung an Kühen mit teilgemischten Rationen erfasste Kauen und Wiederkauen über verschiedene Phasen rund um die Abkalbung und während der Laktation; sie unterstreicht, dass sich die Kautätigkeit im Verlauf verändert. Man kann sie beobachten, ohne in die Kuh einzugreifen. Sie gibt einen Hinweis auf die Faserversorgung, ersetzt aber keine Rationsanalyse.
So nutzen Sie peNDF bei der Rationskontrolle
Messen Sie die Partikelverteilung an einer repräsentativen Probe der vorgelegten Mischration und kombinieren Sie sie mit dem aNDFom-Wert derselben Ration. Prüfen Sie bei auffälligen Werten auch, ob die Kühe einzelne Futterbestandteile bevorzugt aufnehmen. Dann kann sich die Zusammensetzung des aufgenommenen Futters von der am Futtertisch unterscheiden.
Für die Rationsplanung empfiehlt die Landwirtschaftskammer Niedersachsen, den aNDFom-Gehalt aus dem Grundfutter heranzuziehen. Für Hochleistungsrationen nennt sie mindestens 200 g aNDFom je kg Trockenmasse aus dem Grundfutter sowie höchstens 210 g ruminal abbaubare Stärke und Zucker je kg Trockenmasse. Das sind Orientierungswerte aus diesem Planungskontext, keine pauschale Vorgabe für jede Ration. Ein peNDF-Wert über 220 g/kg Trockenmasse kann bei geringer Verdaulichkeit außerdem die Futteraufnahme begrenzen. Die Empfehlungen zur Bewertung von Mischrationen zeigen, dass die Rationsplanung Partikelgröße und Faserverdaulichkeit ebenso berücksichtigen muss wie die Stärkeversorgung.
