Bei der Ernte von Mais für Rinderfutter sollen die Körner zerkleinert werden, damit die Stärke im Pansen besser zugänglich ist. Der Pansen ist der Vormagen von Rindern. Dort bauen Mikroorganismen, also winzige Lebewesen, Futterbestandteile ab. Werden Körner zerquetscht, geht die darin enthaltene Stärke dadurch nicht automatisch verloren. Entscheidend ist, ob das Tier sie verdaut oder unverdaut wieder ausscheidet.
Der Kornaufbereiter an der Häckselmaschine quetscht die Körner zwischen Walzen. Das beschädigt die äußere Schale und erleichtert den Mikroorganismen im Pansen den Zugang zur Stärke. Wie viel das bringt, hängt unter anderem von der Walzeneinstellung und dem geernteten Mais ab. Ein Blick auf die Körner in der Silage hilft, die Aufbereitung einzuschätzen.
Warum ganze Körner Stärke unzugänglich machen
Die Schale eines Maiskorns, das sogenannte Perikarp, schützt den stärkehaltigen Inhalt. Bleibt ein Korn bei der Ernte unzerkleinert, erreichen die Mikroorganismen im Pansen die Stärke schlechter. Zerquetschen die Walzen das Korn, öffnen sie die Schale und lockern zugleich das Gefüge aus Stärke und Eiweiß, in dem die Stärke steckt. Studien zu Maissilage und siliertem Maiskorn beschreiben dadurch eine höhere Stärkeverdaulichkeit.
In einem von der Michigan State University ausgewerteten Vergleich enthielt Maissilage mit Kornaufbereitung 8 Prozent ganze Körner, gegenüber 19 Prozent ohne Aufbereitung. Bei einem Walzenabstand von 1 bis 3 Millimetern wurde insgesamt mehr Stärke verdaut als bei einem Abstand von 4 bis 8 Millimetern oder ohne Aufbereitung. Diese Werte stammen aus bestimmten Untersuchungen und sind keine allgemeingültige Einstellvorgabe. Der Versuch zeigt aber: Ein kleiner Anteil ganzer Körner sagt allein noch nicht, wie gut das Tier die Stärke verdaut. Mehr dazu beschreibt die Auswertung zur Kornaufbereitung von Maissilage.
Zerquetschte Körner sind kein verlorenes Korn
Das Quetschen selbst vernichtet die Stärke nicht. Mit „Stärkeverlust“ ist in der Fütterung meist Stärke gemeint, die das Rind nicht verdaut und mit dem Kot ausscheidet. Eine höhere Stärkeverdaulichkeit senkt diesen Anteil. Die Untersuchungen nennen jedoch keinen Prozentwert, der allgemein zeigt, wie viel zusätzliche Stärke das Tier durch die Aufbereitung nutzt.
Auch die Silierung, also die Lagerung und Gärung des Futters, verändert, wie gut das Tier die Stärke verdauen kann. Während der Lagerung wird das Eiweißgeflecht um die Stärkekörner teilweise abgebaut. Dadurch können die Pansenmikroben leichter an die Stärke gelangen. Die Stärkeverdaulichkeit steigt in den ersten fünf bis sechs Monaten der Silierung deutlich; der Verlauf hängt jedoch von den Bedingungen der Silage ab. Die Forschung zur Wirkung beschädigter Körner beschreibt, wie Kornbruch und Abbau des Stärke-Eiweiß-Gefüges zusammenwirken.
Daher sollte man ganze Körner im Futter nicht mit einem messbaren Stärkeverlust gleichsetzen. Sie sind ein Hinweis darauf, dass ein Teil der Stärke schwerer zugänglich bleibt. Wie viel davon tatsächlich unverdaut ausgeschieden wird, lässt sich allein durch eine Sichtprüfung nicht bestimmen.
Walzeneinstellung und Erntegut gemeinsam beurteilen
Eine enge Walzeneinstellung bringt nicht unter allen Bedingungen denselben Vorteil. Die Wirkung hängt auch vom Trockenmassegehalt des Maises ab. Trockenmasse bezeichnet den Futteranteil, der nach Abzug des Wassers übrig bleibt. Die angeführte Untersuchung betrachtet Erntegut mit 32 bis 40 Prozent Trockenmasse sowie theoretische Häcksellängen von 0,375 bis 1,125 Zoll. Diese Bereiche beschreiben den untersuchten Rahmen, keine pauschale Empfehlung für jede Ernte.
Prüfen Sie deshalb die Körner in der frisch gehäckselten Silage. Beurteilen Sie die Walzeneinstellung im Zusammenhang mit Trockenmasse und Häcksellänge. Finden sich viele ganze Körner, ist das ein Anlass, die Aufbereitung zu kontrollieren. Wenn die genaue Qualität für die Rationsplanung wichtig ist, liefert eine Laboranalyse zusätzliche Informationen zur Kornaufbereitung.
Die Aufbereitung kostet zugleich mehr Zeit und Kraftstoff: Für den Kornaufbereiter werden 7 bis 15 Prozent zusätzlicher Energiebedarf und eine um 0 bis 28 Prozent geringere Erntekapazität berichtet. Diese Spannweiten hängen von den Bedingungen ab und sind keine festen Zuschläge für jeden Betrieb. Wenn die Erntezeit knapp ist, sollten Betriebe den möglichen Fütterungsvorteil gegen den zusätzlichen Zeitaufwand und die Erntelogistik abwägen.
Was sich daraus für die Fütterung ableiten lässt
Gut aufbereitete Körner verbessern die Zugänglichkeit der Stärke. Das geht nicht zwangsläufig mit höherer Mast- oder Milchleistung einher. In einer ausgewerteten Untersuchung war die tägliche Zunahme bei Rindern in der Mast ähnlich; die Futterverwertung verbesserte sich nur leicht. Der Effekt auf die Tierleistung hängt auch davon ab, wie die Maissilage in die übrige Ration passt.
Für die Praxis zählt daher eine Kombination aus sichtbarer Kornzerkleinerung, passender Ernteführung und sorgfältiger Rationsplanung. Wer mehr Stärke aus der Maissilage nutzen will, sollte auch die Silierdauer berücksichtigen: Während der Lagerung wird die Stärke besser verfügbar. Eine Ration sollte dennoch nicht allein wegen zerquetschter Körner angepasst werden; dafür sind die gesamte Futterzusammensetzung und die Anforderungen der Tiergruppe maßgeblich.
