Bei Milchkühen zeigt der Siebkastentest, wie sich die Mischration, also das gemeinsam gemischte Futter, auf Futterteilchen unterschiedlicher Größe verteilt. Die Schüttelbox siebt eine Futterprobe und trennt sie nach der Länge der Futterteile. So lässt sich erkennen, ob die Ration viele grobe Futterteile enthält, die das Wiederkauen anregen, oder ob sie überwiegend aus feinen Teilchen besteht.
Das Ergebnis ist ein Hinweis auf die Futterstruktur, aber kein Urteil über die Ration allein. Für die Auswertung zählen auch die Zusammensetzung der Ration, die Futteraufnahme und die Verdaulichkeit. Wer die Probe richtig entnimmt, die Siebanteile berechnet und mit passenden Orientierungswerten vergleicht, kann gezielt prüfen, ob Häcksellänge, Mischintensität oder Rationsberechnung angepasst werden müssen.
Was die Siebanteile aussagen
Grobe Futterpartikel regen Wiederkauen an, wobei die Kühe das Futter weiter zerkleinern und Speichel bilden, dessen Puffersubstanzen den pH-Wert im Pansen stabilisieren. Die GfE-Serie ordnet Partikel über 8 mm als grob ein. Wie viel davon nötig ist, hängt unter anderem von Futteraufnahme und Stärkegehalt ab.
Für die Auswertung werden meist die Anteile auf den Sieben mit 19 mm und 8 mm betrachtet. Bei einer vierstufigen Box kommt das Sieb mit 1,18 mm hinzu. Die Auffangschale enthält den feinsten Anteil unter 1,18 mm. Bei einer dreistufigen Box lässt sich der Anteil über 8 mm bestimmen, aber die Verteilung darunter nicht weiter aufteilen. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen beschreibt beide Varianten für die Kontrolle der physikalischen Strukturwirkung.
Die Partikelgröße allein zeigt noch nicht, wie viel wirksame Faser die Ration enthält. Dafür braucht man auch die aNDFom. Sie ist ein im Labor bestimmter Wert für schwer verdauliche Zellwandbestandteile wie Zellulose und Hemizellulose, bereinigt um Mineralstoffe und Stärke. Die physikalisch effektive NDF, kurz peNDF, verbindet den Anteil grober Partikel mit diesem Fasergehalt. Für peNDF über 8 mm wird der Anteil der Partikel über 8 mm mit dem aNDFom-Gehalt der Gesamtration verrechnet.
Probe nehmen und Siebanteile berechnen
Entnimm die Probe frisch aus dem Futtertrog, bevor die Kühe selektieren, denn sie sortieren Futterbestandteile aus. Dadurch kann die gefressene Ration eine andere Partikelverteilung haben als die frisch vorgelegte. Damit du die Ergebnisse verschiedener Termine vergleichen kannst, entnimm die Probe immer am gleichen Ort und in derselben Fütterungssituation. Die GfE-Serie empfiehlt eine definierte Schüttelbox zur Rationskontrolle und hält eine dreistufige Box für die peNDF-Bestimmung für ausreichend.
Nach Angaben der Landwirtschaftskammer Niedersachsen umfasst das Verfahren eine Probe von etwa 300 g und 40 Bewegungen der Box. Große, ungewöhnliche Maisstängel werden nach dem beschriebenen Verfahren vor dem Sieben entfernt. Halte dich an die Anleitung der verwendeten Box, denn Siebgrößen und Bewegungsablauf bestimmen, welche Ergebnisse vergleichbar sind. Bei sehr nassem Futter ist besondere Vorsicht nötig: Die Anleitung zum Penn-State-Separator weist darauf hin, dass sich Proben unter 45 % Trockenmasse nicht zuverlässig trennen lassen.
Wiege die Futtermenge, die auf jedem Sieb und in der Schale liegen bleibt. Für jeden Anteil gilt:
Der prozentuale Anteil ergibt sich aus dem Verhältnis der Masse der Fraktion zur Gesamtmasse der Probe.
Addierst du die Prozentwerte aller Fraktionen, müssen sie zusammen 100 % ergeben. Eine Abweichung ist ein Anlass, den Wiegevorgang zu prüfen. Trocknen ist nach der GfE-Serie für die Bestimmung der Partikelverteilung nicht nötig.
Muster erkennen, ohne vorschnell zu urteilen
Die Anteile liefern Hinweise darauf, wo du weiterprüfen solltest. Sie belegen für sich genommen weder eine bestimmte Ursache noch eine Pansenstörung.
| Muster im Ergebnis | Was es nahelegt | Sinnvolle betriebliche Prüfung |
|---|---|---|
| Hoher Anteil über 19 mm | Die Ration enthält viele sehr grobe Teile. Das kann auf unzureichende Zerkleinerung oder eine ungleichmäßige Mischung hinweisen. | Häcksellänge und Mischbild prüfen. Auch kontrollieren, ob grobe Bestandteile im Trog liegen bleiben. |
| Wenig Anteil über 8 mm und viel Feinmaterial | Der Ration fehlt möglicherweise grobe Struktur. Kurze Häcksellängen oder eine starke Zerkleinerung beim Mischen und Verteilen kommen als Ursachen infrage. | Häcksellänge, Zustand der Mischwerkzeuge und Mischdauer prüfen. Zusätzlich Fasergehalt, Stärke und tatsächliche Futteraufnahme in die Rationsbewertung einbeziehen. |
| Auffällig viel Material in der Auffangschale | Ein großer Teil der Probe besteht aus sehr feinen Partikeln. Der Siebtest zeigt damit eine feine Verteilung, aber nicht, ob die Ration insgesamt zu viel schnell abbaubare Stärke enthält. | Rationsberechnung und Futteranalyse heranziehen. Prüfen, ob die feine Fraktion aus dem Grundfutter, Kraftfutter oder einer starken Zerkleinerung stammt. |
| Stark unterschiedliche Ergebnisse bei Wiederholungen | Probenahme, Futterfeuchte oder Siebtechnik können die Vergleichbarkeit beeinträchtigen. | Probenahme und Schüttelbewegungen vereinheitlichen und bei sehr nassem Futter die Aussagekraft begrenzen. |
Wenn die Ration viele feine Partikel enthält, ist „mehr Faser“ nicht automatisch die richtige Antwort. Ein höherer Anteil grober Faser kann bei geringer Verdaulichkeit die Futteraufnahme begrenzen. Umgekehrt kann eine zu feine Ration die Strukturwirkung schwächen. Passe deshalb die Häcksellänge, die Mischintensität oder die Rationszusammensetzung an die erkannte Ursache an.
Orientierungswerte nur im passenden System verwenden
Für die vierstufige Penn-State-Box nennen Heinrichs und Kononoff als Richtwerte für eine TMR, also eine vollständig gemischte Ration, von Hochleistungskühen 2 bis 8 % auf dem obersten Sieb, 30 bis 50 % auf den beiden mittleren Sieben zusammen und höchstens 20 % in der Auffangschale. Diese Werte beziehen sich auf die Siebe des Penn-State-Systems mit Zollmaßen. Sie lassen sich nicht ohne Prüfung auf eine Box mit den Grenzen 19, 8 und 1,18 mm übertragen. Die Angaben stehen in der Beschreibung des Penn-State-Separators.
Auch bei der peNDF gibt es keinen einzelnen Zahlenwert, der für jede Ration passt. Die GfE-Serie nennt für ihr Bewertungssystem mindestens 220 g peNDF je kg Trockenmasse als Orientierung. Die DLG-Tabelle, wiedergegeben von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, führt dagegen einen Bedarf an peNDF über 8 mm auf, der sich nach Futteraufnahme und Stärkegehalt richtet. Ein dort genanntes Beispiel sind 120 g/kg Trockenmasse bei 18 kg Trockenmasseaufnahme pro Tag und 140 g Gesamtstärke je kg Trockenmasse. Diese Zahlen gehören zu unterschiedlichen Bewertungsansätzen und dürfen nicht direkt gleichgesetzt werden.
Als Ziel für den mittleren Pansen-pH nennt die GfE-Serie mindestens 6,2; die Landwirtschaftskammer Niedersachsen führt 6,15 an. Auch solche Werte sind deshalb im Zusammenhang mit dem jeweiligen Bewertungsmodell zu lesen. Bei einer Teilmischration ist zusätzliches Kraftfutter zu berücksichtigen: Es senkt die peNDF-Konzentration der Gesamtration, auch wenn es die grobe Fraktion der Teilmischung nicht verändert.
Aus dem Ergebnis eine Maßnahme ableiten
Wenn sich ein auffälliges Siebmuster wiederholt, vergleiche die Probe zunächst mit dem Futter, das tatsächlich im Trog liegt. Bleiben lange Bestandteile zurück, spricht das für Selektion. Wird die gesamte Mischung sehr fein, prüfe Häcksellänge und Mischtechnik. Die Partikelgröße kann beim Mischen und Verteilen sinken; deshalb sagt eine Probe aus dem Futtermischer nicht zwingend dasselbe aus wie eine Probe aus dem Trog.
Ändere die Ration nicht allein aufgrund eines Siebergebnisses. Prüfe gemeinsam mit der Futteranalyse, ob Faser- und Stärkegehalt zur Futteraufnahme passen. Bei auffällig viel schnell abbaubarer Stärke nennt die Landwirtschaftskammer Niedersachsen eine Verringerung der pansenabbaubaren Kohlenhydrate als mögliche Richtung. Eine solche Anpassung muss zur gesamten Ration und zur Leistung der Tiere passen. Werden Häcksellänge oder Mischdauer verändert, sollte anschließend erneut unter gleichen Bedingungen gesiebt werden.
