Wenn Silage nach der Entnahme warm wird oder Futter im Trog liegen bleibt, verschlechtert sich die Futterhygiene. Nacherwärmung nennt man die Erwärmung von Silage, nachdem Luft an das Futter gelangt ist. Hefen und andere Mikroorganismen nutzen den Sauerstoff und bauen Futterbestandteile ab. Das Futter verliert Qualität und wird häufig schlechter gefressen.
Am Silo helfen regelmäßige Temperaturmessungen und ein genauer Blick auf den Anschnitt. Im Trog zählen vor allem Veränderungen an liegen gebliebenem Futter: Wird es warm, riecht es auffällig oder zeigt es sichtbaren Schimmel, sollte es nicht einfach mit frischem Futter vermischt werden. Bei Hitze sind ein sauberer Anschnitt, ausreichend Futtervorschub und frisches Futter im Trog besonders wichtig.
Warnzeichen am Siloanschnitt
Ein warmer Anschnitt ist ein frühes Warnsignal. Die Landwirtschaftskammer Kärnten bezeichnet Silage als nacherwärmt, wenn die Temperatur an der Anschnittfläche über 20 °C steigt. Sinkt die Außentemperatur, kann bereits ein Anstieg von mehr als 5 °C gegenüber dem Silokern auf beginnende Erwärmung hindeuten. Diese Werte sind Orientierungen aus der Kärntner Beratung, keine allgemeingültigen Grenzwerte für jede Silage und jede Messsituation. Ein warmer Oberflächenwert allein beweist noch keine Nacherwärmung, denn auch der Silokern kann warm sein.
Messen Sie deshalb möglichst vor jeder Entnahme an denselben Stellen. Eine Temperatursonde misst im Futter; eine Wärmebildkamera zeigt Temperaturunterschiede an der Oberfläche. Aussagekräftiger als ein einzelner Messwert ist, ob sich die Temperatur am Anschnitt gegenüber dem tieferen Silobereich oder gegenüber früheren Messungen verändert. Die Hinweise der Landwirtschaftskammer Kärnten empfehlen, den Anschnitt in der kritischen Phase nach dem Öffnen laufend zu kontrollieren.
Auch Geruch und Aussehen geben Hinweise. Erwärmtes Futter riecht und schmeckt häufig schlechter. Lose, aufgeheizte Stellen, besonders an den oberen Kanten und am Fuß des Anschnitts, verdienen besondere Aufmerksamkeit. Sichtbarer Schimmel ist ein klares Ausschlusszeichen: Verschimmeltes Futter darf nicht verfüttert werden. Erwärmtes Futter sollte zügig aus dem Anschnitt entfernt werden, damit sich die Wärme nicht in tiefere Schichten ausbreitet.
Warum Silage warm wird und Futterqualität verliert
Sauerstoff begünstigt das Wachstum von Hefen. Bei Maissilage verursachen Hefen laut Landwirtschaftskammer Kärnten den Großteil der Erwärmungsprobleme am Anschnitt. Sie können sich bereits in sauerstoffhaltigen Hohlräumen während der Befüllung vermehren und werden aktiv, wenn bei der Entnahme erneut Luft eindringt. Ein aufgelockerter Anschnitt lässt mehr Luft ins Futter; lose Reste und altes Futter am Silofuß können zusätzlich verunreinigen.
Mit der Erwärmung werden auch Verderbniserreger wie Schimmelpilze aktiver. Das senkt die Futterqualität und kann die Futteraufnahme beeinträchtigen. Die Kärntner Beratung beziffert den Energieverlust bei einer Erwärmung um etwa 10 °C auf 0,1 MJ NEL je Kilogramm Trockenmasse. NEL bedeutet „Nettoenergie Laktation“, also die Energie, die für die Milchbildung verfügbar ist. Hohe Keimzahlen im Futter können zudem die Verdauung belasten.
Für Maissilage nennt der DLR Rheinland-Pfalz einen Trockenmassegehalt von über 35 Prozent und eine Silierdauer von weniger als sechs Wochen als Risikofaktoren beim Öffnen. Die LKV Sachsen empfiehlt, Maissilage möglichst sechs bis acht Wochen geschlossen zu halten. Diese Angaben beziehen sich auf Maissilage und sollten nicht ungeprüft auf Grassilage übertragen werden.
So bleibt der Anschnitt bei Hitze stabil
Ein glatter, fester Anschnitt begrenzt den Lufteintritt. Entfernen Sie lockeres Futter und Reste am Fuß des Anschnitts, statt sie stehen zu lassen. Nach den Empfehlungen des DLR Rheinland-Pfalz sollte der Vorschub im Sommer mindestens 2,5 Meter pro Woche betragen; im Winter nennt die Behörde mindestens 1,5 Meter pro Woche. In der Phase nach dem Öffnen und bei mildem Herbstwetter empfiehlt sie mehr als 2 Meter pro Woche. Diese Orientierungswerte beziehen sich auf die Anschnittfläche und ersetzen keine betriebliche Einschätzung von Silageart, Silobreite und täglichem Verbrauch.
Decken Sie die Anschnittfläche nur bei Regen oder Schnee ab. Unter einer Abdeckung kann sich Wärme stauen. Decken Sie außerdem nicht mehr Silofläche auf, als für die Entnahme nötig ist. Das DLR Rheinland-Pfalz empfiehlt, den Anschnitt sauber und fest zu halten. Außerdem rät es, erwärmtes Futter abzutragen. Bei Maissilage steigt das Erwärmungsrisiko laut derselben Beratung besonders bei geringem Vorschub; unter 0,5 Meter pro Woche wird es als hoch beschrieben.
Erwärmung und Hygiene im Futtertrog erkennen
Im Trog fällt Nacherwärmung häufig zuerst an Restfutter auf: Es fühlt sich wärmer an als frisch vorgelegtes Futter, riecht deutlich anders oder wirkt verklumpt und feucht. Das sind praktische Warnzeichen, aber keine einheitlich festgelegten Messgrenzen. Sichtbarer Schimmel bedeutet, dass das Futter nicht verfüttert werden darf. Vermischen Sie auffällige Reste nicht mit frischem Futter, sondern entfernen Sie sie und prüfen Sie, ob auch die nächste Vorlage rasch warm wird.
Eine feste Reinigungsfrist oder einen Temperaturgrenzwert für den Futtertrog geben die herangezogenen Fachquellen nicht vor. Bei Hitze sollten Sie deshalb die Futterreste vor der nächsten Vorlage kontrollieren und entfernen, wenn sie warm, verdorben oder sichtbar verunreinigt sind. Reinigen Sie den Trog, wenn Rückstände anhaften oder die Futterfläche verschmutzt ist. So verhindern Sie, dass altes Futter die frische Vorlage verunreinigt.
Fütterung bei Hitze anpassen
Bei Milchkühen verschiebt sich die Futteraufnahme bei hohen Temperaturen in kühlere Tageszeiten. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft berichtet, dass Kühe nachts bis zu 60 Prozent ihres Futters aufnehmen können. Der Futtertisch sollte deshalb abends nicht leer sein; schieben Sie Futter regelmäßig nach. Die LfL empfiehlt außerdem, die Ration täglich frisch zu mischen. Zusätze zur Stabilisierung der Ration können laut LfL helfen, Erwärmung während der Entnahme und Fütterung zu begrenzen.
Frisches, kühles Wasser muss jederzeit erreichbar sein. Die LfL nennt für den Sommer einen möglichen Wasserbedarf von 150 Litern oder mehr je Kuh und Tag und empfiehlt, Tränken täglich zu kontrollieren. Diese Angabe gilt für Kühe; sie ist keine pauschale Vorgabe für Schweine oder Kälber. Hinweise zu deren Wasserbedarf und Fütterung müssen zur jeweiligen Tiergruppe passen.
Wenn Maissilage früh geöffnet werden muss, bleibt trotz geeigneter Silierzusätze ein Restrisiko. Lassen Sie die Auswahl und Anwendung eines Zusatzes fachlich begleiten und halten Sie sich an Produktkennzeichnung und Sicherheitsangaben. Säuren können ätzend sein und dürfen nicht nach einer pauschalen Dosieranweisung eingesetzt werden.
