Mineralfutter liefert einer Milchkuh Mineralstoffe, die im übrigen Futter fehlen oder nicht im richtigen Verhältnis vorkommen. Kühe können diese anorganischen Mineralstoffe nicht selbst bilden. Mengenelemente wie Calcium und Magnesium benötigen sie in Grammmengen, Spurenelemente wie Kupfer und Selen in deutlich kleineren Mengen.
Welche Mischung passt, hängt von den Futtermitteln im Betrieb und der jeweiligen Tiergruppe ab. Eine Mischung für alle Betriebe kann einzelne Nährstoffe zu knapp oder andere unnötig hoch dosieren. Für eine passende Ergänzung müssen Betriebe die Grundfuttermittel untersuchen, die Ration berechnen und die tatsächlich vorgelegte Mischung überprüfen.
Warum eine Standardmischung nicht für jede Ration passt
Der Mineralstoffgehalt von Gras, Silage und anderem Grundfutter kann sich zwischen Betrieben und Futterpartien unterscheiden. Deshalb brauchen Kühe je nach Betrieb und Futterpartie unterschiedlich viel Ergänzung. Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen empfiehlt, betriebseigene Grundfuttermittel untersuchen zu lassen und die Ergänzung auf deren Ergebnisse abzustimmen.
Auch die Kuh selbst beeinflusst ihren Bedarf. Dazu zählen unter anderem der Bedarf für Milchbildung, Körpermassezunahme und Trächtigkeit. Dazu kommt die Futteraufnahme: Eine Kuh, die weniger Trockenmasse aufnimmt, erhält bei gleicher Konzentration im Futter weniger Mineralstoffe. Trockenmasse bezeichnet den Futteranteil, der nach Abzug des Wassers übrig bleibt.
Calcium zeigt, warum die Bezugsgröße wichtig ist. Der LLH nennt für eine laktierende Holstein-Kuh in der zweiten Laktation bei 30 Kilogramm Milch Orientierungswerte von etwa 21,0 bis 21,5 Gramm Calcium je Kilogramm Trockenmasse. Die Werte gelten für diese Kuh und die dazugehörige Futteraufnahme. Sie sind daher keine Dosierung für eine Mineralfuttermischung und lassen sich nicht ohne die passende Ration übernehmen.
Auch die Regeln für die Berechnung ändern sich. Die Gesellschaft für Ernährungsphysiologie hat 2023 neue Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Milchkühen veröffentlicht. Sie umfassen Änderungen bei der Bewertung von Futter und beim Bedarf; die DLG beschreibt die Übertragung der Empfehlungen in die Praxis. Betriebe sollten deshalb prüfen, ob ältere Rationsberechnungen noch zur aktuellen Bewertungsgrundlage und zu den heutigen Futtermitteln passen.
Was bei pauschaler Übernahme schiefgehen kann
Eine Mischung kann auf dem Etikett ausreichende Mengen ausweisen und trotzdem nicht zur Ration passen. Mineralstoffe beeinflussen sich gegenseitig: Viel Kalium kann die Magnesiumaufnahme hemmen, und Schwefel kann die Kupferaufnahme verringern. Hohe Calcium- und Kaliumgehalte erhöhen ebenfalls den Magnesiumbedarf. Auch wenn die Rechnung genug von einem Element ausweist, kann die Kuh es wegen solcher Wechselwirkungen nicht ausreichend aufnehmen.
Auch eine Überversorgung birgt Risiken. Wiederkäuer speichern Kupfer in der Leber; zu viel Kupfer kann dort Schäden verursachen. Eine zu hohe Jodzufuhr belastet den Stoffwechsel und Organe. Selen ist lebensnotwendig, kann in zu hoher Menge aber giftig wirken. Die Fachinformation zu Selen bei Rindern betont deshalb, dass sowohl Mangel als auch Überversorgung vermieden werden müssen.
Trockensteher brauchen eine eigene Bewertung. So nennt man Kühe in der Zeit vor der nächsten Kalbung. Laut LLH erhöht eine übermäßige Phosphorversorgung in der Trockenstehzeit das Milchfieberrisiko. Auch die Calciumversorgung muss vor der Kalbung gezielt betrachtet werden. Eine Mischung für laktierende Kühe lässt sich daher nicht automatisch für Trockensteher verwenden.
So prüfen Betriebe die Mineralstoffversorgung
Die Grundlage ist eine Rationsberechnung mit den tatsächlichen Inhaltsstoffen aller eingesetzten Futtermittel. Dazu lassen Betriebe zunächst die eigenen Grundfuttermittel analysieren. Anschließend berechnen sie, welche Nährstoffe die Ration liefert und welche Ergänzung der jeweiligen Tiergruppe fehlt. Eine Futterberatung kann diese Rechnung übernehmen; die Landwirtschaftskammer Salzburg beschreibt eine Rationsberechnung auf Basis von Futteranalysen.
Entscheidend ist dann, was die Kühe tatsächlich bekommen. Weicht sie von der berechneten Mischung ab, stimmt auch die Versorgung nicht zuverlässig mit der Planung überein. Eine Laboranalyse der Mischration kann zeigen, ob die Futterpartien und Mineralfutter in der Praxis zusammen die erwarteten Gehalte ergeben. Betriebe sollten außerdem dokumentieren, welche Mischung sie für welche Tiergruppe einsetzen, und die Berechnung nach Änderungen bei Grundfutter oder Futteraufnahme aktualisieren.
Eine Blutprobe allein beantwortet nicht zuverlässig, ob die langfristige Versorgung passt. Blut transportiert Mineralstoffe, speichert sie aber nicht dauerhaft. Für einzelne Fragestellungen, etwa zur Selenversorgung, kann eine gezielte Blutuntersuchung dennoch sinnvoll sein. Welche Probe und Auswertung passt, sollte eine Tierärztin, ein Tierarzt oder eine qualifizierte Fütterungsberatung festlegen.
