Beim Absetzen bekommt das Kalb nach und nach weniger Milch, bis die Milchfütterung endet. Es muss die Energie aus der Milch durch festes Futter aufnehmen. Senken Sie die Milchmenge deshalb erst, wenn das Kalb regelmäßig Kälberstarter und Raufutter frisst. Das Alter allein reicht als Maßstab nicht aus: Messen Sie, wie viel jedes Kalb frisst, und verringern Sie die Milchmenge schrittweise.
Kälberstarter ist ein energiereiches Festfutter für junge Kälber. Raufutter, etwa Heu oder gehäckseltes Stroh, ergänzt es. Beide Futterarten unterstützen die Entwicklung des Vormagens, der ersten Magenabschnitte des Kalbes. Eine langsame Umstellung gibt dem Kalb Zeit, mehr Festfutter aufzunehmen, während die Milchmenge sinkt.
Festfutteraufnahme beurteilen
Messen Sie, wie viel Kälberstarter das Kalb tatsächlich frisst. Notieren Sie dazu die angebotene Menge und die Reste. In Gruppenbuchten zeigt der Verbrauch der ganzen Gruppe nicht, ob jedes einzelne Kalb genug frisst. Beobachten Sie deshalb auch, welche Tiere regelmäßig am Futtertrog stehen und welche zurückbleiben.
Als Orientierung nennt eine Untersuchung zum automatischen Absetzen drei Mengen: 225, 675 und 1.300 Gramm Festfutter pro Tag. Je nachdem, wie viel ein Kalb fraß, bekam es weniger Milch. Die Kälber erreichten ähnliche Gewichte wie Kälber, die nach Alter abgesetzt wurden. Diese Werte stammen aus dem Versuch und gelten nicht als feste Grenzwerte für jeden Betrieb. Die Studie zum Absetzen nach individueller Futteraufnahme zeigt außerdem, dass manche Kälber mehr Zeit brauchen, um höhere Aufnahmeziele zu erreichen.
Prüfen Sie neben der gefressenen Menge auch die Bedingungen am Trog. Der Kälberstarter muss frisch und frei zugänglich sein; jedes Kalb braucht ausreichend Platz. Wasser muss jederzeit erreichbar sein. Auch Geschmack und Nährstoffgehalt des Futters sowie Altersunterschiede in der Gruppe beeinflussen, wie viel ein Kalb frisst. Werden Raufutter und Kraftfutter schon in den ersten Lebenswochen angeboten, kann sich das Kalb früh an feste Nahrung gewöhnen und der Vormagen sich entwickeln, wie Trouw Nutrition zum Absetzmanagement beschreibt.
Tränke allmählich reduzieren
Senken Sie die Milchmenge schrittweise über mehrere Wochen und vermeiden Sie eine abrupte Umstellung. Trouw Nutrition empfiehlt eine Reduktion über drei bis vier Wochen und ein Absetzen frühestens mit neun bis zehn Wochen. Für die letzte Absetzwoche empfiehlt das Unternehmen als weiteren Richtwert etwa zwei Liter Milch pro Tag. Diese Werte stammen aus der genannten Empfehlung und gelten nicht automatisch für jedes Tränkesystem.
Die Milch ersetzt viel Energie: Nach der genannten Quelle liefert sie etwa 1,6-mal so viel Energie wie Kälberstarter. Ein Liter Milch enthält rund 135 bis 150 Gramm Trockenmasse, also Milchbestandteile ohne Wasser. Als groben Energievergleich nennt Trouw Nutrition dafür etwa 250 Gramm zusätzlichen Starter. Verwenden Sie diesen Vergleich nicht als exakte Umrechnungsformel. Er zeigt, warum das Kalb mehr Festfutter fressen muss, wenn es weniger Milch bekommt.
In einem Versuch waren die Gewichte der Kälber beim Absetzen nach Futteraufnahme ähnlich wie beim Absetzen nach Alter. Die Untersuchung zeigt auch, dass nicht jedes Kalb das Aufnahmeziel zur gleichen Zeit erreicht. Beurteilen Sie die Entwicklung deshalb einzeln. Eine steigende Starteraufnahme bei sinkender Milchmenge spricht für eine gelingende Umstellung. Ein deutlich zurückbleibendes Kalb braucht mehr Zeit, bevor die Tränke weiter reduziert oder beendet wird.
Bei Krankheit nicht zusätzlich absetzen
Reduzieren oder beenden Sie die Milchtränke nicht, um ein krankes Kalb zum Fressen von Festfutter zu bewegen. Die PraeRi-Prävalenzstudie untersucht, wie häufig Erkrankungen auftreten. Ihre Ergebnisse, zusammengefasst beim Hoftierarzt, warnen vor Gewichtsverlusten durch veraltete Empfehlungen zur Milchreduktion. Sie raten davon ab, die Milch während einer Erkrankung zu kürzen oder abzusetzen. Als Ausnahme wird Durchfall genannt, wenn ein offensichtlicher Fütterungsfehler die Ursache ist. Bei Krankheit oder unklarer Ursache stimmen Sie das Vorgehen mit der Tierärztin oder dem Tierarzt ab.
