Bei Milchkühen beginnt die Transitphase einige Wochen vor dem Kalben und reicht in die ersten Wochen danach. In dieser Zeit steigt der Energiebedarf mit dem Beginn der Milchbildung stark an, während die Kuh zunächst weniger Futter frisst. Die Folge ist häufig eine negative Energiebilanz: Die Kuh gibt mehr Energie über Milch ab, als sie mit dem Futter aufnimmt.
Eine passende Fütterung unterstützt die Futteraufnahme und hält die Pansenfunktion stabil. Der Pansen ist der Vormagen, in dem Mikroorganismen faserreiches Futter abbauen. Entscheidend sind eine gleichmäßige Umstellung der Ration, ausreichend strukturreiches Futter und ein Futtertisch, an dem die Kuh ungestört fressen kann. Welche Ration, also Mischung aus Futtermitteln, passt, hängt unter anderem vom Grundfutter, der Milchleistung und der Körperkondition ab. Grundfutter ist das Futter, das den Hauptteil der Ration bildet. Mit Körperkondition ist gemeint, wie viel Fettreserven die Kuh hat. Rund um das Kalben verändern sich Stoffwechsel und Futteraufnahme der Kühe stark.
Vor dem Kalben: Futteraufnahme erhalten
In den letzten Wochen vor dem Kalben soll die Kuh weder zu viel Fett ansetzen noch unnötig Energie verlieren. Eine zu üppige Fütterung in der Trockenstehzeit, also in der Zeit vor dem Kalben, in der die Kuh nicht gemolken wird, fördert einen hohen Fettanteil am Körper. Zu fette Kühe fressen nach dem Kalben häufig weniger und haben ein höheres Risiko für Stoffwechselprobleme. Eine knappe Ration ist ebenfalls keine Lösung: Sie kann die Versorgung und die Anpassung an die spätere Milchkuhration erschweren.
Die Ration sollte zum vorhandenen Grundfutter passen und von den Kühen gleichmäßig aufgenommen werden. Strukturreiches Futter, etwa gut gehäckselte Grassilage oder geeignetes Heu, fördert Kauen und Wiederkauen. Dabei gelangt Speichel in den Pansen und hilft, die Bedingungen dort stabil zu halten. Bei sehr langem oder schlecht gemischtem Futter sortieren Kühe bevorzugt die schmackhaften Bestandteile heraus, sodass die einzelne Kuh eine andere Ration frisst als vorgesehen.
Auch die Umstellung auf die Ration nach dem Kalben braucht Zeit. Wird energiereiches Futter abrupt eingeführt, während die Kuh noch wenig frisst, erschwert das dem Pansen die Anpassung an die neue Ration. Kraftfutter sollte deshalb nach einem betrieblich abgestimmten Plan schrittweise in die Fütterung einfließen. Die passende Menge lässt sich nicht pauschal festlegen: Sie richtet sich nach dem Grundfutter, der Rationsberechnung und der Leistung der Tiere.
Nach dem Kalben: Energie anbieten, ohne die Struktur zu verdrängen
Nach dem Kalben nimmt die Milchleistung rasch zu. Die Futteraufnahme steigt langsamer, sodass eine negative Energiebilanz in dieser Zeit häufig auftritt. Kraftfutter allein gleicht die negative Energiebilanz nicht aus. Die Kuh muss zugleich genügend strukturreiches Futter aufnehmen, damit sie wiederkäut und der Pansen stabil arbeitet.
Frisches, schmackhaftes Futter am Futtertisch erleichtert die Aufnahme. Regelmäßiges Nachschieben bringt das Futter in Reichweite der Kühe. Ausreichend Fressplätze und geringe Konkurrenz helfen rangniedrigen Tieren, ungestört zu fressen. Ein praktisches Warnzeichen ist ein Futtertisch, an dem einzelne Kühe deutlich weniger fressen oder sich häufig verdrängen lassen.
In der Ration müssen Energiegehalt und Struktur zusammenpassen. Zu wenig Energie erschwert die Versorgung bei hoher Milchleistung; zu viel leicht abbaubare Stärke bei gleichzeitig geringer Struktur kann den Pansen belasten. Nach den Empfehlungen der National Academies hängt der Nährstoffbedarf von Milchkühen unter anderem von Körpergewicht, Milchleistung und Laktationsstadium ab. Das Laktationsstadium beschreibt, wie weit die Kuh in ihrer Zeit als Milchkuh fortgeschritten ist. Deshalb sind feste Kraftfuttermengen ohne Kenntnis der übrigen Ration keine verlässliche Empfehlung.
Futteraufnahme und Kuh beobachten
Während die Rationsberechnung das Angebot erfasst, zeigt die Beobachtung, was die Kühe tatsächlich aufnehmen. Beobachte Futterreste und Sortieren, achte auf Wiederkauen und kontrolliere die Körperkondition. Wenn viele Tiere lange Futterreste liegen lassen oder einzelne Kühe deutlich weniger fressen, sollte der Betrieb die Fütterung überprüfen. Das gilt auch, wenn die Kühe die Ration sichtbar sortieren. Auch Futterqualität, Mischgenauigkeit und Zugang zum Futtertisch spielen dabei eine Rolle.
Stoffwechselstörungen wie Ketose oder Milchfieber haben mehrere mögliche Ursachen. Ketose entsteht, wenn der Körper bei Energiemangel vermehrt Fettreserven abbaut und dabei Stoffe bildet, die Ketonkörper heißen. Milchfieber ist ein Kalziummangel rund um das Kalben. Fütterung beeinflusst das Risiko, ersetzt aber keine Diagnose und Behandlung. Bei auffälligen Kühen sollte der Tierarzt die Ursache klären und mit dem Betrieb ein passendes Kontroll- und Fütterungskonzept abstimmen. Auch die Versorgung mit Mineralstoffen und Kalzium sollte der Betrieb auf seine Ration abstimmen.
