Wer Kälber mit Vollmilch tränkt, sollte nicht nur die ausgegebene Menge im Blick behalten. Vollmilch enthält Wasser und Nährstoffe; ihr Anteil an festen Bestandteilen kann zwischen Milchproben schwanken. Diese festen Bestandteile heißen Trockenmasse. Bei gleicher Milchmenge kann ein Kalb deshalb unterschiedlich viel Trockenmasse aufnehmen.
Kontrollieren Sie regelmäßig Milchmenge und tatsächliche Aufnahme und berücksichtigen Sie Veränderungen der Milchzusammensetzung. Konkrete Sollwerte oder eine allgemeingültige Kontrollfrequenz lassen sich aus den verfügbaren Haltungshinweisen nicht ableiten. Bei der Fütterung und der Gestaltung von Tränkeplätzen bietet die Landwirtschaftskammer Oberösterreich Beratung zur Rinderhaltung an.
Warum die Milchmenge allein nicht genügt
Die Angabe in Litern beschreibt das Volumen der Vollmilch. Die Trockenmasse gibt an, wie viel von der Milch nach dem Entfernen des Wassers übrig bleibt. Wechselt die Zusammensetzung der Milch, verändert sich auch die Trockenmasse je Liter. Wer ausschließlich das Volumen erfasst, erkennt diese Schwankung nicht.
Erhält ein Kalb an zwei Tagen dieselbe Milchmenge aus unterschiedlich zusammengesetzten Chargen, kann es unterschiedlich viel Trockenmasse aufnehmen; die Tagesmenge allein belegt daher keine gleichbleibende Nährstoffaufnahme.
Trockenmasse mit Proben erfassen
Wenn die Zusammensetzung der Vollmilch schwankt oder die Fütterung darauf abgestimmt werden soll, braucht es eine Messung statt einer Schätzung. Die Probe sollte die Zusammensetzung der Milchcharge wiedergeben, aus der die Kälber tatsächlich trinken. Um die Trockenmasse zuverlässig zu bestimmen, kann ein Labor die Probe untersuchen.
Notiere, aus welcher Charge die Probe stammt und wann sie genommen wurde, damit sich der Messwert der passenden Milch zuordnen lässt. Wenn sich die Zusammensetzung ändert, sollte die Fütterung nicht pauschal angepasst werden. Dafür müssen die Ration und die betrieblichen Voraussetzungen bekannt sein. Lass die nötige Anpassung bei Bedarf mit einer Fütterungsberatung abstimmen.
Tränkeaufnahme im Stall prüfen
Bei der Tränkekontrolle reicht es nicht, festzuhalten, wie viel Milch bereitgestellt wurde. Entscheidend ist auch, ob das Kalb die vorgesehene Menge tatsächlich aufnimmt. Bei einer Tränke für ein einzelnes Kalb lässt sich die ausgegebene Milchmenge mit der Restmenge vergleichen. Bei der Fütterung in der Gruppe ist die Zuordnung schwieriger. Dort muss die Kontrolle zur Tränkeform passen.
Beobachte außerdem, ob alle Kälber Zugang zur Tränke haben und ob die Tränkeplätze passend gestaltet sind. In ihrer Beratung zur Haltungsoptimierung behandelt die Landwirtschaftskammer Oberösterreich auch Fütterungsplätze und Wasserversorgung. Der Zugang zu einer gut erreichbaren Tränke und die Kontrolle der tatsächlich aufgenommenen Milch sind zwei getrennte Prüfpunkte.
