Trockensteher sind Kühe in der Zeit zwischen dem Ende der Milchproduktion und dem nächsten Kalben. Ihre Ration soll den tatsächlichen Bedarf decken, die Futteraufnahme hoch halten und eine übermäßige Energieversorgung vermeiden. Eine passende Fütterung unterstützt den Übergang in die nächste Laktation, also die Zeit, in der die Kuh wieder Milch gibt.
Die Kuh soll genug Energie und Futter bekommen; zugleich soll die Ration viele Fasern enthalten. Die Mineralstoffversorgung muss zum gewählten Konzept gegen Milchfieber passen. Die folgenden Zahlen sind Richtwerte für bestimmte Kuhgewichte und Fütterungskonzepte. Sie geben keine pauschalen Mengen für Futtermischungen vor.
Energie nach Trockenstehphase einteilen
Die Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE) unterscheidet zwei Fütterungsphasen. In der frühen Trockenstehzeit soll die Ration den Erhaltungsbedarf der Kuh und den Bedarf für eine Milchleistung von 4 bis 6 Kilogramm decken. Für eine Kuh mit 670 Kilogramm nennt die GfE pro Tag etwa 52 Megajoule Nettoenergie Laktation (NEL) und 1.131 Gramm nutzbares Rohprotein am Dünndarm (nXP) als Richtwerte. NEL gibt den Energiegehalt des Futters für die Milchkuh an. nXP ist das Eiweiß, das der Dünndarm aufnehmen kann. In den letzten zwei bis drei Wochen vor dem Kalben steigen die Richtwerte auf etwa 58 Megajoule NEL und 1.226 Gramm nXP pro Tag. Die Darstellung der bedarfsgerechten Trockensteherfütterung nennt diese Zahlen als Tagesbedarf einer Kuh mit 670 Kilogramm.
In den letzten Tagen vor dem Kalben frisst die Kuh weniger. Deshalb muss jedes Kilogramm Futter in der Vorbereitungsphase mehr Energie und Nährstoffe enthalten, damit die Kuh trotz der geringeren Futteraufnahme ihren Bedarf deckt. Die genannten Tageswerte geben nicht vor, wie viel Futter die Kuh fressen soll. Für Vergleiche beziehen Fachleute den Bedarf oft auf ein Kilogramm Trockenmasse (TM). Die Trockenmasse ist der Futteranteil ohne Wasser.
Die Kuh sollte ihren Energiebedarf nicht nur deshalb decken, weil sie sehr wenig frisst. Für Kühe mit 670 bis 700 Kilogramm werden durchschnittlich 12 bis 13 Kilogramm TM pro Tag angegeben. Bei üblichem Energiegehalt im Futter würden rechnerisch schon etwa 9,3 Kilogramm TM in der frühen Trockenstehzeit und 8,8 Kilogramm in der Vorbereitungsphase ausreichen, um die genannten GfE-Energiewerte zu erreichen. In der Fütterungspraxis gilt eine so geringe Futteraufnahme als ungünstig. Untersuchungen, die in der Fachinformation zur Trockensteherfütterung zusammengefasst werden, bringen eine geringe Futteraufnahme in den letzten Tagen vor dem Kalben mit einer geringeren Futteraufnahme und Milchleistung sowie einem weniger stabilen Stoffwechsel nach dem Kalben in Verbindung.
Struktur über Futteraufnahme und Rationsgestaltung sichern
In der frühen Trockenstehzeit soll die Kuh genug fressen können. Gleichzeitig soll das Futter wenig Energie und viele Fasern enthalten. Als Grundfutter, also als Hauptbestandteil der Ration, kommen beispielsweise Grassilage, ein begrenzter Anteil Maissilage und Stroh infrage. Auch eine Ration für Kühe, die Milch geben, lässt sich mit Stroh mischen. Wichtig ist, dass die Kühe das Stroh fressen und nicht aussortieren. Wenn zu wenig Stroh in der Mischung ist oder die Kühe es liegen lassen, nehmen sie mehr Energie auf.
Wie viel Stroh in die Mischung gehört, hängt auch davon ab, wie viel Energie die ursprüngliche Ration für Milchkühe enthält. Je energiereicher diese Ration ist, desto mehr Stroh muss dazukommen. Eine feste Strohmenge lässt sich daraus nicht ableiten. Die Praxisbeschreibung zur Fütterung von Trockenstehern weist außerdem darauf hin, dass Kühe keine Futterreste aus dem Milchkuhbereich bekommen sollten. Solche Reste passen oft nicht dazu, dass die Kühe gleichmäßig fressen und ihr Pansen, einer der Vormägen, gut gefüllt ist.
Statt einer Ration mit Silage können Betriebe spezielles Kraftfutter, also energiereiches Ergänzungsfutter, und Stroh zur freien Aufnahme anbieten. In einem beschriebenen Fütterungskonzept bekamen die Kühe pro Tag 6 Kilogramm Kraftfutter in der frühen Trockenstehzeit und 8 Kilogramm in der Vorbereitungsphase. Das Futter enthielt 6,7 Megajoule NEL je Kilogramm und 18 Prozent Rohprotein, also Eiweiß. Außerdem enthielt es mehr Mineralstoffe als übliches Kraftfutter. Diese Mengen gelten nur für das beschriebene Konzept und sind keine allgemeine Empfehlung. Dafür braucht es hygienisch einwandfreies, kurz gehäckseltes Stroh, das die Kühe zuverlässig fressen. Das Verfahren ist außerdem vergleichsweise teuer.
Mineralstoffe passend zum Milchfieberkonzept versorgen
Der Mineralstoffplan muss zum Grundfutter und zum Betrieb passen. Besonders die Mengen an Kalzium, Phosphor, Magnesium und Kalium richten sich nach dem gewählten Konzept zur Vorbeugung von Milchfieber. Bei Milchfieber hat die Kuh rund um das Kalben zu wenig Kalzium im Blut. Fachinformationen beschreiben mehrere Vorbeugungsverfahren, empfehlen aber kein einzelnes Verfahren für alle Betriebe.
Die Konzepte setzen an unterschiedlichen Stellen an:
- Bei einer kalziumarmen Fütterung soll die Kuh pro Tag weniger als 45 Gramm Kalzium aufnehmen. Eine solche Fütterung ist bei Rationen mit viel Gras oder Stroh schwierig, weil beide Futtermittel kalziumreich sind.
- Kalzium-Phosphor-Binder binden Kalzium und Phosphor. Eine begrenzte Phosphoraufnahme unterstützt die Freisetzung von Kalzium aus dem Körper. Enthält die Ration mehr als 6 Gramm Kalzium je Kilogramm TM, reichen die Binder allein möglicherweise nicht aus, um den Gehalt auf das gewünschte Niveau zu senken.
- Beim Magnesiumkonzept liefert das Mineralfutter zusätzlich Magnesium. Wie viel davon nötig ist, hängt davon ab, wie viel Kalium das Futter enthält. Fachinformationen beschreiben dieses Vorgehen auch für Rationen mit viel Grassilage.
- Säuernde Salze, auch DCAB-Konzept genannt, senken die Kationen-Anionen-Bilanz der Ration. Diese Bilanz zeigt das Verhältnis bestimmter positiv und negativ geladener Mineralstoffe. Bei diesem Verfahren muss der pH-Wert des Harns regelmäßig gemessen werden. Als Zielbereich gelten 5,5 bis 6,0; die Kontrolle erfolgt wöchentlich.
Der Beitrag „Trockensteher: Passt das Konzept?“ vergleicht die Vor- und Nachteile der Verfahren und nennt ihre Voraussetzungen. Bei säuernden Salzen müssen die Kühe das Futter besonders gleichmäßig aufnehmen. Verkapselte Produkte können sich im Futter verteilen. Natriumhaltiges Mineralfutter kann die gewünschte Senkung der DCAB erschweren. Das Verfahren ist deshalb nur sinnvoll, wenn der Betrieb die Ration und die Harnwerte regelmäßig kontrolliert. Bei jedem Konzept muss geprüft werden, wie viel Futter und Wasser die Kühe tatsächlich aufnehmen.
