Wer Kälber von der Milch entwöhnt, muss wissen, ob sie schon genug festes Futter fressen. Die Kraftfutteraufnahme zeigt, wie viel Kraftfutter ein Kalb frisst. So lässt sich die Entwicklung jedes Tieres verfolgen und die Veränderung rund ums Absetzen beurteilen. Die verfügbaren Empfehlungen nennen keinen täglichen Grenzwert, ab dem jedes Kalb absetzbereit ist.
Transponder-Futterstationen erkennen jedes Kalb und erfassen, wie viel Kraftfutter es frisst. Die Station ordnet die Futtermenge dem jeweiligen Tier zu. Für die Absetzentscheidung zählt vor allem, ob die Aufnahme über mehrere Tage gleichmäßig verläuft und das Kalb außerdem Raufutter frisst und gesund bleibt.
So lässt sich die Aufnahme erfassen
Eine Transponderstation erfasst, wie viel Kraftfutter jedes Kalb frisst. In einem Fütterungsversuch erhielten die Kälber über diese Technik ihr Kraftfutter einzeln, wie die Landwirtschaftskammer NRW beschreibt einen Fütterungsversuch. Auch die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft beschreibt automatische Wiegetröge, die die Futteraufnahme erfassen.
Ohne Messung für jedes Tier lässt sich nur die Aufnahme der ganzen Gruppe bestimmen. Dafür werden das angebotene Futter und die Reste gemeinsam erfasst. Der Gruppenwert zeigt nicht, welches Kalb wie viel gefressen hat. Für die Absetzentscheidung bei einem einzelnen Kalb reicht er daher nicht aus.
Vergleiche sind nur sinnvoll, wenn die Fütterung gleich bleibt. Ein anderes Futter oder eine andere Futterstation verändert die Messwerte. Beziehen Sie bei einem Rückgang der Aufnahme die Gesundheit des Kalbes mit ein. Prüfen Sie auch die Milchversorgung und den Zugang zum Futter. Schwanken die Tageswerte stark, sagt der Verlauf über mehrere Tage mehr aus als ein einzelner Wert.
Aufnahme als Hinweis fürs Absetzen nutzen
Die Kraftfutteraufnahme zeigt, wie sich das Fressen entwickelt. Sie entscheidet nicht allein über das Absetzen. Steigt die Aufnahme über mehrere Tage und bleibt stabil, frisst das Kalb mehr Festfutter. Sinkt sie während der Milchreduktion deutlich oder bleibt sehr niedrig, prüfen Sie die Umstellung, bevor Sie die Milch weiter kürzen.
Die verfügbaren Quellen nennen keinen Kraftfutterwert, der für alle Kälber zuverlässig zeigt, dass sie absetzbereit sind. Ein einzelner Kilogrammwert sollte daher nicht als feste Freigabe dienen. Entscheidend sind die Entwicklung des einzelnen Kalbes, seine Gesundheit und die Aufnahme anderer fester Futtermittel.
Wie früh Kälber Festfutter fressen, hängt auch von der Milchversorgung ab. Bei reichlicher Milchversorgung fressen sie in den ersten Lebenswochen nur wenig davon. Ein beschriebenes Fütterungsprogramm für einen Milchautomaten senkt die Milchmenge schrittweise, damit die Kälber mehr Raufutter und Kraftfutter aufnehmen. Dieses Programm stammt von einem Hersteller und ist kein allgemeiner Zeitplan für jeden Betrieb.
Kraftfutter und Raufutter zusammen beurteilen
Für die Beurteilung, ob ein Kalb genug festes Futter frisst, zählt neben der Kraftfutteraufnahme auch das Raufutter. Raufutter wie gutes Heu oder Stroh regt das Wiederkäuen an. Frisst ein Kalb viel Kraftfutter, aber zu wenig Raufutter, kann der Säuregrad im Pansen sinken. Der Pansen ist der größte Vormagen des Rindes. Dort zersetzen Mikroorganismen das Futter. Fehlt dem Futter Struktur, belastet das die Verdauung. Ein Beitrag zu Heu bei Kälbern beschreibt den Zusammenhang zwischen Heuangebot, Futteraufnahme und Pansen.
Die Versuche in Haus Riswick zeigen, warum Versuchswerte keine allgemeine Absetzregel ergeben. In einem 150-tägigen Versuch mit Holstein-Friesian-Kälbern erhielten die Tiere täglich höchstens 1 oder 2 kg Kraftfutter. Von Tag 71 bis 150 nahmen die Kälber mit der höheren Kraftfuttergabe täglich über 1.000 g zu, die mit der niedrigeren Gabe etwa 820 g. Am Tag 150 wogen die Kälber mit der höheren Gabe 13 kg mehr. Während des Versuchs fraßen sie 75 kg mehr Kraftfutter-Trockenmasse und 45 kg weniger Raufutter. Die Kälber nahmen 30 kg mehr Trockenmasse auf. Trockenmasse ist der Futteranteil ohne Wasser. Die Ergebnisse gelten für die Bedingungen dieses Versuchs. Sie legen weder einen einheitlichen Bedarf für jedes Kalb noch eine Absetzschwelle fest.
Umstellung ruhig gestalten
Wenn die Milch wegfällt, muss das Kalb genügend Energie aus festem Futter aufnehmen, damit sein Wachstum nicht einbricht. Behalten Sie deshalb Milchmenge und Kraftfutteraufnahme gemeinsam im Blick. Sinkt die Milchmenge plötzlich, während das Kalb wenig Festfutter frisst, gestalten Sie die Umstellung langsamer und prüfen Sie den Futterzugang und die Gesundheit.
Verbinden Sie das Absetzen zugleich mit einem Umstallen oder einer Gruppenumstellung möglichst nicht. Mehrere Veränderungen auf einmal machen es schwerer, die Futteraufnahme einzuschätzen, und erhöhen den Stress für die Kälber. Die Hinweise zur Pansenentwicklung nach dem Absetzen betonen auch, dass Raufutter nach der Milchphase wichtig bleibt.
