Kupfer gehört zu den Spurenelementen: Rinder brauchen davon nur kleine Mengen, aber eine ausreichende Versorgung ist wichtig. Wie viel Kupfer das Rind aus dem Futter aufnehmen und nutzen kann, hängt auch von den anderen Bestandteilen der Ration ab. Besonders Molybdän und Schwefel können im Pansen, einem Vormagen des Rindes, die Aufnahme und Nutzung von Kupfer beeinträchtigen.
Für die Praxis heißt das: Ein Mineralfutter sollte nicht allein nach seinem Kupfergehalt ausgewählt werden. Entscheidend sind die gesamte Ration, die Tiergruppe und Stoffe im Futter, die die Kupferaufnahme hemmen. Eine allgemeingültige Kupfermenge lässt sich ohne diese Angaben nicht sinnvoll empfehlen.
Die ganze Ration zählt
Kupfer kommt über mehrere Futtermittel ins Tier: etwa über Grundfutter, Kraftfutter und Mineralfutter. Deshalb sollte die Ration als Ganzes betrachtet werden. Ein hoher Kupfergehalt im Mineralfutter bedeutet nicht automatisch, dass die Versorgung passt, wenn das Grundfutter bereits Kupfer liefert oder andere Bestandteile die Verfügbarkeit verringern.
Für die Rationsberechnung zählt der Gehalt bezogen auf die Trockenmasse. Trockenmasse ist das Futter ohne Wasser; so lassen sich beispielsweise Grassilage und Heu besser vergleichen. Die vorliegenden Angaben reichen nicht aus, um einen konkreten Orientierungswert für den Kupferbedarf oder eine allgemeine Dosierung zu nennen. Lassen Sie deshalb die vollständige Ration berechnen, bevor Sie zusätzliches Kupfer über ein Mineralfutter einmischen.
Molybdän und Schwefel können Kupfer binden
Molybdän und Schwefel können die Verfügbarkeit von Kupfer verringern. Im Pansen können aus beiden Stoffen Verbindungen entstehen, die Kupfer binden. Dann steht dem Rind trotz eines messbaren Kupfergehalts im Futter weniger davon zur Verfügung. Ein Rationsplan, der nur den Kupferwert betrachtet, kann diese Wechselwirkung übersehen.
Prüfen Sie bei auffälligen Rationswerten deshalb auch den Gehalt an Molybdän und Schwefel. Besonders bei wechselnden Grundfutterpartien lohnt sich eine Futteranalyse: Sie zeigt, ob sich die Zusammensetzung geändert hat und ob eine Neuberechnung der Ration nötig ist. Eine einzelne Zahl zum Kupfergehalt reicht für diese Beurteilung nicht aus.
Zu viel Kupfer ist ebenfalls ein Risiko
Eine Überversorgung mit Spurenelementen kann laut JOSERA oxidativen Stress auslösen, bei dem reaktive Sauerstoffverbindungen die Zellen belasten, und giftig wirken. Überschüsse können sich außerdem in tierischen Produkten und Ausscheidungen anreichern. Diese Hinweise betreffen Spurenelemente allgemein; sie belegen keine bestimmte Kupfergrenze für eine konkrete Rindergruppe.
Bei der Kontrolle sind drei Werte wichtig: der Bedarf des Tieres, die tatsächlich verfügbare Menge in der Ration und eine zulässige Höchstmenge. Sie beruhen auf unterschiedlichen Grundlagen und beantworten verschiedene Fragen. Ein Höchstwert ersetzt daher keine bedarfsgerechte Rationsberechnung. Auch die chemische Form zählt: Kupfersulfat-Pentahydrat ist beispielsweise eine Kupferverbindung, deren Bezeichnung allein aber keine Aussage über eine passende Einsatzmenge liefert. Die Stoffinformation zu Kupfer(II)sulfat-Pentahydrat beschreibt die Verbindung und gibt keine Fütterungsempfehlung.
So lässt sich die Versorgung prüfen
Beginnen Sie mit der tatsächlichen Ration: Welche Grund- und Kraftfuttermittel frisst die Tiergruppe, und welches Mineralfutter kommt hinzu? Ergänzen Sie die Angaben durch Futteranalysen, wenn Kupfer, Molybdän oder Schwefel unklar sind. Eine Beratung durch Fütterungsfachleute oder den Tierarzt hilft, die Ergebnisse für die jeweilige Ration einzuordnen.
Bei Verdacht auf eine Unter- oder Überversorgung sollten Sie nicht vorsorglich mehr Kupfer zufüttern. Ähnliche Auffälligkeiten können unterschiedliche Ursachen haben, und die verfügbare Kupfermenge hängt von der gesamten Futterzusammensetzung ab. Erst wenn die Ration bekannt ist und ein Tierarzt die Ursache abgeklärt hat, lassen sich Änderungen verlässlich planen.
