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Selen im Rinderfutter

Selen im Rinderfutter
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Inhalt5 Abschnitte
  1. Warum Rinder Selen brauchen
  2. Woher Selen in der Ration kommt
  3. Selenstatus und Futter untersuchen
  4. Anorganische und organische Selenquellen
  5. Orientierungswerte und rechtliche Höchstgehalte

Rinder brauchen Selen in kleinen Mengen. Es hilft Enzymen, die Zellen vor Schäden zu schützen. Selenmangel schadet Kälbern und Kühen, und auch ein Überschuss ist schädlich. Für die Fütterung zählen deshalb sowohl der Selengehalt des Grundfutters als auch die Menge aus Mineralfutter und anderen Ergänzern.

Wichtig ist die Selenmenge in der gesamten Ration, nicht die Angabe für ein einzelnes Futtermittel. Die Werte beziehen sich meist auf die Trockenmasse, also auf das Futter ohne Wasser. Für die Beurteilung der Versorgung und für den Vergleich mit einem gesetzlichen Höchstgehalt muss klar sein, welcher Wert ein Fütterungsrichtwert und welcher eine verbindliche Grenze ist.

Warum Rinder Selen brauchen

Selen ist Bestandteil von Selenoproteinen. Dazu gehören Glutathionperoxidasen. Diese Enzyme schützen Zellen vor oxidativem Stress, also vor Schäden durch reaktionsfreudige Stoffe im Körper. Das Rinderskript zu Selen- und Vitamin-E-Mangel beschreibt diese Funktion und die Folgen einer Unterversorgung.

Bei Kälbern kann ein schwerer Mangel die Weißmuskelkrankheit auslösen. Typische Anzeichen sind ein steifer Gang und Schwäche; hinzu kommen Muskelzittern und schließlich Festliegen. Sind Herz- oder Atemmuskeln betroffen, kann das Kalb plötzlich sterben. Bei Kühen wird Selenmangel mit mehr Euterentzündungen, Nachgeburtsverhalten und Gebärmutterentzündungen in Verbindung gebracht.

Selen wirkt im Körper teilweise gemeinsam mit Vitamin E. Die Beurteilung der Selenversorgung stützt sich auf Fütterung, Symptome und Laborwerte; ein auffälliger Gesundheitsbefund allein weist keinen Selenmangel in der Ration nach.

Woher Selen in der Ration kommt

Wie viel Selen Gras und anderes pflanzliches Futter enthält, hängt auch vom Boden ab. Böden unterscheiden sich regional im Selengehalt. Deshalb schwankt auch die Selenmenge in Weidegras, Heu und Silage. Die Darstellung zur Selenversorgung von Rindern weist auf diese regionale Abhängigkeit hin.

Die Zutaten allein zeigen nicht, wie viel Selen eine Ration enthält. Zwei Betriebe mit ähnlichem Grundfutter können unterschiedliche Mengen verfüttern, wenn das Futter von verschiedenen Standorten stammt oder sie unterschiedliche Ergänzer einsetzen. Für die Berechnung zählen alle Quellen, darunter Mineralfutter und angereicherte Mischfuttermittel.

Als Fütterungsorientierung nennt das Rinderskript 0,1 bis 0,3 Milligramm Selen je Kilogramm Trockenmasse. Ein Milligramm je Kilogramm entspricht einem Teil pro Million, kurz ppm. Der genannte Bereich ist ein Richtwert zur Vorbeugung, kein gesetzlicher Grenzwert. Welche Ergänzung passt, hängt von der tatsächlichen Ration und der Versorgung der Tiergruppe ab. Eine pauschale Dosierung lässt sich daraus nicht ableiten.

Selenstatus und Futter untersuchen

Für die Beurteilung der Versorgung eignen sich Blutproben von Tieren, die für die Fütterungsgruppe typisch sind. Der Bayerische Tiergesundheitsdienst ordnet Blutselenwerte unter 30 Mikrogramm je Liter als schweren und Werte von 30 bis 60 Mikrogramm je Liter als leichten Mangel ein. 60 Mikrogramm je Liter gelten dort als Mindestwert; positive Effekte auf das Immunsystem nehmen laut der Darstellung zum Selenstatus bis ungefähr 120 Mikrogramm je Liter zu. Diese Einordnung stammt aus Bayern und ist als regionale fachliche Bewertung zu verstehen.

Auch die Aktivität der Glutathionperoxidase in roten Blutkörperchen, eines selenabhängigen Enzyms, gibt Hinweise auf die Versorgung. Nach einer Ergänzung steigt dieser Messwert erst nach einigen Wochen. Eine sofortige Kontrolle zeigt die Veränderung daher nicht zuverlässig. Tankmilch und Haarproben eignen sich laut derselben Darstellung nicht als Ersatz für Blutproben.

Soll der Selengehalt des Futters geprüft werden, braucht es eine repräsentative Futterprobe und ein geeignetes Laborverfahren. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit veröffentlicht die Amtliche Sammlung von Untersuchungsverfahren für Futtermittel mit einheitlichen Verfahren für amtliche Analysen. Die BVL-Information zur Futtermittelanalytik erläutert diese Verfahren. Bei einem Laborauftrag sollte klar sein, ob das Ergebnis auf Trockenmasse oder auf das Futter im Anlieferungszustand bezogen ist.

Anorganische und organische Selenquellen

Futtermittel enthalten Selenzusätze in unterschiedlichen Formen. Natriumselenit ist eine anorganische Verbindung. Selenhefe und Selenmethionin zählen zu den organischen Formen. Selenmethionin ähnelt einer Aminosäure, die Schwefel enthält. Der Körper kann es in seine Proteine einbauen.

Die Formen werden im Pansen, dem Vormagen des Rinds, und im Körper unterschiedlich genutzt. Anorganisches Selen kann im Pansen in schwer lösliche Verbindungen übergehen. Dadurch kann das Tier einen Teil davon schlechter aufnehmen. Organisches Selenmethionin kann in Körperprotein eingebaut und dort gespeichert werden. Bei Selenhefe schwankt der Anteil an Selenmethionin je nach Produkt.

Ergebnisse aus Studien zu Selenformen gelten nicht automatisch für alle Tierarten. In einer Untersuchung an Legehennen waren die Selengehalte im Muskel höher als bei Natriumselenit. Bei Selenhefe waren sie auch in den Eiern höher. Die Ergebnisse aus der Geflügelhaltung lassen sich nicht direkt auf Rinder übertragen; die Zusammenfassung der Untersuchung reicht daher allein nicht als Grund, die Selenquelle in einer Rinderration zu wechseln.

Orientierungswerte und rechtliche Höchstgehalte

Ein Fütterungsrichtwert zeigt, ob die Tiere ausreichend versorgt sind. Der rechtliche Höchstgehalt legt fest, wie viel Selen ein Futtermittel enthalten darf. Vor dem Vergleich muss klar sein, dass beide Werte dieselbe Bezugsgröße haben.

In einer Fachdarstellung wird ein rechtlicher Höchstwert von 0,5 Milligramm je Kilogramm Trockenmasse genannt. Die dortige Angabe führt jedoch keine konkrete Rechtsvorschrift an. Sie reicht deshalb nicht aus, um den Wert als aktuell geltenden gesetzlichen Grenzwert oder als passende Bezugsgröße für jedes Futtermittel zu bestätigen. Für eine belastbare Konformitätsprüfung müssen die einschlägigen EU-Vorgaben und die Bedingungen des jeweiligen zugelassenen Selenzusatzes herangezogen werden. Die BVL-Seite zur Futtermittelanalytik beschreibt Untersuchungsverfahren, nicht die geltenden Höchstgehalte.

Beim Vergleich mit einem Grenzwert muss der Betrieb zuerst prüfen, ob Analyse und Rechtsvorgabe dieselbe Grundlage verwenden, zum Beispiel Trockenmasse oder Futtermittel mit festgelegtem Wassergehalt. Außerdem muss klar sein, ob der Wert den gesamten Selengehalt im Futter oder nur den zugesetzten Anteil meint. Für die rechtliche Bewertung ist das Laborergebnis mit der aktuellen Vorgabe für die betreffende Futtermittelkategorie abzugleichen.

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