AGRARNETZ.COM - Moderne Landwirtschaft

Luzerne für Rinder

Luzerne liefert Rindern Eiweiß und faserreiches Futter. Sie kommt vor allem als Heu oder Silage in die Ration. Welche Form passt, hängt davon ab, wie viel Protein und Faser die übrigen Futtermittel bereits liefern und wie die Luzerne konserviert wurde.

Für die Fütterung zählt neben den Nährstoffwerten auch die Struktur: Die Länge und Beschaffenheit der Futterpartikel beeinflussen, wie lange Kühe kauen und wiederkäuen. Wer Luzerne einsetzen will, sollte deshalb eine Probe aus der jeweiligen Partie untersuchen lassen und die Ration anhand der Ergebnisse berechnen. Allgemeine Richtwerte reichen dafür nicht aus.

Was Luzerne an Protein und Faser liefert

Rohprotein ist ein berechneter Wert für den Stickstoffgehalt eines Futtermittels. Er sagt allein noch nicht aus, wie viel davon das Rind tatsächlich nutzen kann. Auch die übrige Ration und die Verdauung im Pansen, dem Vormagen der Wiederkäuer, spielen eine Rolle.

In einer Untersuchung zu Milchkuhrationen enthielten die untersuchten Luzerneproben, bezogen auf die Trockenmasse, 16,6 Prozent Rohprotein in der Silage und 17,7 Prozent im Heu. Trockenmasse ist der Futteranteil, der übrig bleibt, wenn man das Wasser abzieht. Die Werte stammen aus den Proben dieser Untersuchung und sind keine allgemeingültigen Zielwerte für Luzerne. Auch die Faserwerte unterschieden sich: Die Silage enthielt 55,2 Prozent NDF, das Heu 52,3 Prozent. NDF steht für die gesamte Faserfraktion der Zellwände. ADF erfasst einen Teil dieser Zellwandfasern. Der Wert lag bei den Proben bei 48,0 Prozent in der Silage und 42,5 Prozent im Heu. Die Zahlen aus der Untersuchung zu Luzerneheu und Luzernesilage zeigen, warum sich der Futterwert nicht zuverlässig allein aus der Bezeichnung „Luzerne“ ableiten lässt.

Der Betrieb sollte Heu und Silage getrennt beproben und die Analysewerte für die Rationsberechnung nutzen. Besonders bei Milchkuhrationen sollte der Betrieb Luzerne anhand des gesamten Eiweiß- und Faserangebots der Ration einsetzen; der Rohproteingehalt bildet dafür nur einen Teil der Grundlage.

Die Futterstruktur beeinflusst Kauen und Pansen

Rinder kauen Raufutter beim Fressen und wiederkäuen es später erneut. Dabei wird Speichel gebildet, und die Futterpartikel werden zerkleinert. Die physische Form des Futters beeinflusst daher Kauaktivität, Futteraufnahme und Pansenfunktion. Für die Ration zählt nicht nur, wie viel Faser enthalten ist, sondern auch, ob das Futter ausreichend strukturwirksam bleibt.

Strukturwirksame Faser ist der Faseranteil, dessen Beschaffenheit die Rinder zum Kauen und Wiederkäuen anregt. Bei Luzerne spielen dafür unter anderem Schnittlänge und Anteil an fein zerkleinerten Partikeln eine Rolle. Sehr fein aufbereitetes Futter unterscheidet sich in seiner Wirkung von längerem Heu, auch wenn beide aus Luzerne bestehen.

Ein Forschungsbeitrag zu Milchkühen beschreibt, dass Luzerneheu in Rationen auf Basis von Luzernesilage die Wiederkauzeit und das Pansenmilieu unterstützen kann. Die zugrunde liegende Untersuchung umfasste jedoch nur vier Kühe und eine bestimmte Rationszusammensetzung. Die Untersuchung belegt weder eine allgemeine Mindestlänge für Luzernepartikel noch eine pauschale Einsatzmenge. Die dort diskutierten Verfahren zur Messung strukturwirksamer Faser sind laut Beitrag noch nicht ausreichend geprüft, um verbindliche Vorgaben für alle Rationen zu begründen.

Der Betrieb kann die Futterstruktur beurteilen, indem er die vorgelegte Ration und die Futterreste betrachtet: Bleiben lange Luzernepartikel liegen, während feinere Bestandteile gefressen werden, stimmt die tatsächlich aufgenommene Ration möglicherweise nicht mehr mit der berechneten Ration überein. Dann sollten Futtervorlage und Mischung geprüft werden.

Heu und Silage getrennt beurteilen

Heu wird durch Trocknung haltbar gemacht. Silage wird unter Luftabschluss konserviert. Beide Formen können in Rinderfutter eingesetzt werden, doch ihre Nährstoffwerte und ihre physische Form müssen für jede Partie betrachtet werden. Die genannten Analysewerte aus einer Untersuchung belegen gerade nicht, dass jede Luzernesilage weniger Rohprotein oder mehr Faser als jedes Luzerneheu enthält.

Bei der Wahl zwischen Heu und Silage sollte der Betrieb die vorhandene Ration und die untersuchte Futterpartie berücksichtigen. Eine Analyse der Trockenmasse hilft, die tatsächlich verfütterte Menge einzuordnen; Rohprotein und Faserwerte helfen, den Nährstoffbeitrag zu berechnen. Sichtbare Veränderungen oder eine ungleichmäßige Beschaffenheit der Partie sind außerdem Anlass, die Konservierung und Lagerung genauer zu prüfen. Aus der Futterbezeichnung allein lässt sich die Qualität nicht ableiten.