Wer Grassilage beurteilt, sollte den pH-Wert immer zusammen mit dem Trockenmassegehalt betrachten. Der pH-Wert beschreibt, wie sauer die Silage ist; je niedriger er ausfällt, desto saurer ist das Futter. Die Trockenmasse gibt an, welcher Anteil des Ernteguts nach dem Entfernen des Wassers übrig bleibt. Beide Werte helfen einzuschätzen, ob die Gärung ausreichend verlaufen ist und ob die Silage bei der Entnahme stabil bleibt.
Ein einzelner pH-Wert sagt deshalb nicht allgemein aus, ob die Silage gut ist. Für Grassilage steigt der Zielwert mit zunehmender Trockenmasse. Bei sehr nasser Silage steigt das Risiko, dass unerwünschte Bakterien die Gärung übernehmen. Sehr trockene Silage erwärmt sich nach dem Öffnen leichter und kann verschimmeln. Die folgenden Orientierungswerte gelten für Grassilage und zeigen, wie pH-Wert und Trockenmasse zusammen zu beurteilen sind.
Warum die Trockenmasse den pH-Zielwert verändert
Milchsäurebakterien vergären Zucker aus dem Pflanzenmaterial zu Milchsäure. Dadurch sinkt der pH-Wert, und die saure Umgebung hemmt unerwünschte Mikroorganismen. Wenn der Säuregehalt schnell steigt, bleibt das Futter besser haltbar. Je nach Bakterienart entstehen neben Milchsäure weitere Gärprodukte, darunter Essigsäure und Kohlendioxid. Essigsäure hemmt Hefen und Schimmelpilze und unterstützt damit die Stabilität der Silage an der Luft. Die Wirkung der Milchsäurebakterien hängt unter anderem davon ab, welche Bakterienstämme sich durchsetzen.
Der Wassergehalt beeinflusst den Verlauf der Gärung. Deshalb gilt eine trockenere Grassilage auch bei einem höheren pH-Wert als gut vergoren. Nach den Orientierungswerten des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen gelten für hochwertige Grassilage folgende Zielwerte. Die Prozentangaben beziehen sich auf die Frischmasse, also das Erntegut vor dem Trocknen:
| Trockenmasse in der Frischmasse | Orientierungswert für den pH-Wert |
|---|---|
| bis 25 % | unter 4,2 |
| 30 % | unter 4,4 |
| 35 % | unter 4,6 |
| 40 % | unter 4,8 |
| ab 45 % | unter 5,0 |
Die Tabelle nennt einzelne Richtwerte. Für Werte zwischen den aufgeführten Trockenmassegehalten gibt sie keine genaue Umrechnung vor. Die Richtwerte gelten für Grassilage und lassen sich nicht pauschal auf Maissilage oder andere Futterarten übertragen.
Bei 35 % Trockenmasse liegt der Richtwert unter pH 4,6, ein pH-Wert von 4,7 liegt darüber. Bei sehr trockener Grassilage ist derselbe pH-Wert anders zu bewerten: Es kommt darauf an, ob er zur gemessenen Trockenmasse passt und was weitere Gärungsmerkmale zeigen.
Zu nasse und zu trockene Silage bergen unterschiedliche Risiken
Bei weniger als 25 % Trockenmasse steigt das Risiko einer Fehlgärung durch Clostridien. Diese Bakterien werden zum Problem, wenn die Milchsäurebakterien den pH-Wert nicht schnell genug senken. Auch der Buttersäuregehalt gehört dann in die Beurteilung; für Grassilage gilt als Orientierung ein Wert unter 3 g/kg Trockenmasse, entsprechend unter 0,3 % der Trockenmasse. Vor der Einlagerung helfen ein passender Schnittzeitpunkt und ein geeignetes Anwelken, den Trockenmassegehalt zu steuern.
Bei mehr als 42 % Trockenmasse steigt das Risiko, dass sich die Silage nach dem Öffnen erwärmt und Schimmel entsteht. Sehr trockenes Erntegut lässt sich zudem schwerer verdichten. Dadurch gelangt leichter Sauerstoff in die Silage und fördert unerwünschte Vorgänge. Bei solchen Silagen ist es besonders wichtig, das Futter schnell aus dem Silo zu entnehmen. Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen empfiehlt bei sehr hoher Trockenmasse außerdem kurze Häcksellängen, gründliches Verdichten und geeignete Siliermittel zur Verbesserung der Luftstabilität.
Auch eine passende pH-Zahl schließt Probleme nach dem Öffnen nicht aus. Sobald Sauerstoff eindringt, können Hefen und Schimmel wachsen. Manche Hefen bauen Milchsäure ab, sodass der pH-Wert wieder steigt. Wenn die Silage vor dem Öffnen ausreichend lange gärt, bleibt sie stabiler: Die gewünschte Essigsäuremenge zur Hemmung von Hefen entsteht bei heterofermentativen Milchsäurebakterien meist erst im späteren Gärverlauf; spezielle Bakterienstämme beginnen jedoch früher mit der Essigsäurebildung. Eine ausreichende Gärreife vor dem Öffnen ist deshalb wichtig. Für eine wirksame Konzentration werden häufig acht bis zehn Wochen Reifezeit benötigt.
Messwerte gemeinsam prüfen
Für die Beurteilung sollten Trockenmasse und pH-Wert aus derselben Silageprobe stammen. Ohne den Trockenmassegehalt kann der pH-Wert irreführen, denn je trockener das Futter ist, desto höher liegt der passende Zielwert. Auch die Gehalte an Milch- und Essigsäure sowie an Buttersäure helfen, die Gärung zu beurteilen. Bei auffälligen Ergebnissen sollte eine Futteranalyse die Grundlage für weitere Entscheidungen bilden.
Die hessischen Grassilageanalysen des Jahres 2026 zeigen, warum ein Mittelwert allein wenig über eine einzelne Silage aussagt: Die mittlere Trockenmasse lag bei der ersten Nutzung bei 34,8 % und bei der zweiten bei 35,4 %, doch die Einzelwerte streuten deutlich. Der mittlere pH-Wert betrug 4,7. Solche regionalen Jahresdaten geben einen Überblick, ersetzen aber nicht die Analyse des eigenen Silos.
Siliermittel mit Milchsäurebakterien, also Zusätze für die Silierung, können die Gärung unterstützen. Bestimmte Bakterienstämme darin beschleunigen zum Beispiel den Abfall des pH-Werts. Siliermittel gleichen jedoch Fehler bei Ernte, Verdichtung oder Abdeckung nicht aus. Bei sehr trockener Grassilage kommt es daher neben dem passenden Mittel vor allem auf gründliches Verdichten und eine sorgfältige Entnahme an.
