Bullenmast

Geschützte Fette in der Milchviehfütterung richtig einsetzen

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Inhalt4 Abschnitte
  1. Wann zusätzliches Fett sinnvoll ist
  2. Was Pansenschutz bewirkt
  3. Fettgrenzen gelten für die ganze Ration
  4. Rund um die Abkalbung besonders vorsichtig planen

Nimmt eine Milchkuh trotz guter Futterqualität zu wenig Energie auf, kann zusätzliches Fett die Energiedichte der Ration erhöhen. Das gilt vor allem für Kühe, die viel Milch geben oder nur wenig Futter aufnehmen. Geschützte Fette sollen dabei den Pansen möglichst unbeschadet passieren: Der Pansen ist der Vormagen, in dem Mikroorganismen einen großen Teil des Futters verdauen.

Fett gehört aber nicht unbegrenzt in die Ration. Zu viel Fett kann die Faserverdauung und den Milchfettgehalt beeinträchtigen. Darum hängt die Beurteilung von der gesamten Ration ab, davon, wie viel Fett die Kuh tatsächlich aufnimmt, und davon, in welcher Phase der Laktation, also der Milchgebungsphase, sie sich befindet. Die Hinweise des LKV Sachsen zum Fetteinsatz nennen dafür Orientierungswerte, die sich nicht ungeprüft auf jede Kuh und jeden Betrieb übertragen lassen.

Wann zusätzliches Fett sinnvoll ist

Zusätzliches Futterfett kommt infrage, wenn die Ration nicht genug Energie für die erwartete Milchleistung liefert und die Kuh nicht genug zusätzliche Energie über mehr Futter aufnehmen kann. Das kann bei Kühen mit hoher Leistung oder bei niedriger Futteraufnahme der Fall sein. Die Ration muss außerdem genug grob strukturiertes Futter enthalten, das das Wiederkäuen unterstützt, sowie ausreichend Protein.

Für Herden mit mehr als etwa 35 bis 40 kg Milch je Kuh und Tag nennt das LKV Sachsen geschützte Fette als mögliche Ergänzung. Laut LKV hängt der Einsatz auch davon ab, wie gut das Grobfutter ist und wie viel die Kühe davon aufnehmen. Die genannte Leistung ist daher ein Anlass, die Ration zu prüfen, keine pauschale Einsatzempfehlung. Zuerst sollte geklärt werden, ob tatsächlich ein Energiemangel besteht und ob sich die Futteraufnahme verbessern lässt.

Eine Kuh erreicht ihre Leistung nicht, obwohl sie bereits viel Kraftfutter erhält. Dann kann eine gezielte Fettzulage eine Möglichkeit sein, mehr Energie bereitzustellen, ohne die Kraftfuttermenge weiter zu erhöhen. Sie ersetzt aber weder eine passende Proteinversorgung noch eine ausreichende Menge strukturwirksamen Grobfutters.

Was Pansenschutz bewirkt

Bakterien im Pansen spalten Fette und verändern ungesättigte Fettsäuren, also Fettsäuren mit bestimmten chemischen Bindungen. Ungeschützte Fette können dadurch die Pansenmikroben und die Verdauung der Fasern belasten. Außerdem können Fettsäuren einen Film auf Futterpartikeln bilden. Der Film erschwert den Bakterien den Zugang zum Futter.

Hersteller verarbeiten pansengeschützte Fette, damit möglichst viele Fettsäuren den Pansen unverändert passieren und erst im Dünndarm verdaut werden. Zu den Verfahren zählen etwa die Härtung pflanzlicher Fette oder die Bindung von Fettsäuren an Calcium. Das LKV Sachsen nennt als Qualitätsmaßstab, dass mindestens 90 % der gefütterten Fettsäuren unverändert durch den Pansen gelangen sollen. Für die Beurteilung eines Produkts ist daher wichtig, welche Angaben der Anbieter zum Pansenschutz macht; das LKV beschreibt außerdem Laborprüfungen mit Pansensaft.

Geschützte Fette können die Zusammensetzung des Milchfetts beeinflussen. Gesättigte Fettsäuren wie Palmitinsäure können den Milchfettgehalt erhöhen. Höhere Mengen bestimmter ungesättigter Fettsäuren, etwa aus Leinsaatprodukten, können die Milchfettsynthese dagegen hemmen. Die Wirkung hängt also auch davon ab, welche Fettsäuren das Produkt liefert, wie die Informationen des LKV zu Milchinhaltsstoffen erläutern.

Fettgrenzen gelten für die ganze Ration

Für die Berechnung zählt das Rohfett aller Futtermittel, einschließlich der zugekauften Zulage. Rohfett bezeichnet den Fettgehalt, der bei der Futtermittelanalyse ermittelt wird. Ölsaaten und ihre Nebenprodukte bringen bereits erhebliche Mengen davon mit: Das LKV Sachsen nennt beispielsweise rund 20 % Rohfett für Sojabohnen und 36 % für Leinsamen. Die Gehalte schwanken je nach Produkt und Verarbeitung. Eine Analyse der eingesetzten Futtermittel hilft deshalb, die tatsächliche Fettmenge zu erfassen.

Als bayerische Orientierungswerte nennen die gemeinsamen Richtwerte für Milchkuhrationen von AELF, LKV und LfL bei langsamer Gewöhnung höchstens 4 bis 4,5 % Rohfett in der Trockenmasse. Trockenmasse ist der Futteranteil ohne Wasser. Bei Einsatz speziell geschützter Fette führen die Richtwerte bis zu 6 % Rohfett in der Trockenmasse auf. Das sind Orientierungswerte für die Rationsgestaltung, keine pauschalen Sollwerte für jede Herde.

Das LKV Sachsen gibt zusätzlich für die Rationsberechnung weniger als 125 g Rohfett je 100 kg Körpermasse bei ungeschütztem Fett und weniger als 225 g bei Einsatz geschützter Fette an. Für eine einzelne Kuh lässt sich daraus die tägliche Gesamtmenge an Rohfett aus der gesamten Ration passend zu ihrer Körpermasse berechnen. Diese körpermassebezogenen Angaben und die Prozentwerte der LfL sind unterschiedliche Orientierungen; sie sollten nicht als voneinander unabhängige Zulagen addiert werden. Für die Beurteilung einer konkreten Ration müssen neben der Futteraufnahme auch die Futteranalysen und die Zusammensetzung berücksichtigt werden.

Überschreitet die Ration die passenden Grenzen, können die Faserverdauung und die Bildung von Essigsäure im Pansen leiden. Der Milchfettgehalt kann dadurch sinken. Zudem können die Verdaulichkeit weiterer Nährstoffe und die Bildung von Bakterienprotein leiden. Geschützte Fette verringern zwar die Belastung des Pansens durch das Fett, heben diese Grenzen aber nicht auf.

Rund um die Abkalbung besonders vorsichtig planen

Nach der Abkalbung verändert sich der Stoffwechsel der Kuh stark. Das LKV Sachsen empfiehlt, pansengeschützte Fette in dieser Phase stark zu vermindern oder zu meiden, weil sie die Insulinbildung senken können. Diese Empfehlung ist ein Grund, eine Fettzulage in der frühen Laktation nicht allein mit hoher Leistung oder Werbeaussagen zu begründen. Die Ration sollte mit Blick auf Futteraufnahme und Stoffwechsellage geprüft werden.

Zuerst sollte die gesamte Ration samt vorhandenen Fettquellen erfasst werden. Danach lässt sich begründen, ob zusätzliches Fett nötig ist; eine Fachperson kann die Menge berechnen. Bei einer Änderung sollten Milchmenge, Milchfett und Futteraufnahme beobachtet werden. Fallen Milchfett oder Futteraufnahme, gehört die Fettversorgung zusammen mit der übrigen Ration überprüft.

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