Am Futtertisch fressen Kühe direkt von der vorgelegten Ration. Bleiben alte Futterreste liegen, mischen sie sich mit frischem Futter und verändern dessen Geruch und Geschmack. Das kann die Futteraufnahme senken. Zugleich erwärmt sich feuchtes Futter, wenn es offen an der Luft liegt und sich Mikroorganismen darin vermehren. Saubere Flächen, tägliches Entfernen alter Reste und eine passende Futtermenge helfen, beides zu begrenzen.
Eine häufig vorgelegte Ration ist die TMR, die „totale Mischration“: Grobfutter und Kraftfutter werden gemeinsam gemischt. Nacherwärmung bedeutet, dass sich diese Ration nach dem Mischen oder Vorlegen durch mikrobielle Aktivität aufheizt. Die Hinweise gelten vor allem für Milchkühe. Wie schnell sich Futter erwärmt, hängt unter anderem von seiner Feuchtigkeit und der Umgebungstemperatur ab. Auch die Zeit, die es der Luft ausgesetzt ist, spielt eine Rolle.
Alte Reste stören die Futteraufnahme
Frisches Futter sollte möglichst auf einen sauberen Futtertisch kommen. Alte, angetrocknete oder schmierige Reste überdecken den Geruch und Geschmack des frischen Futters. Die Milchviehberatung beschreibt, dass solche Rückstände den Geruchs- und Geschmackssinn der Kühe beeinträchtigen und die Futteraufnahme deutlich senken können. Alte Reste sind zudem ein hygienisches Risiko.
Eine geringere Aufnahme bedeutet, dass die Kuh weniger Nährstoffe aus der Ration bekommt. Wie stark Rückstände die Futteraufnahme oder Milchleistung beeinflussen, lässt sich jedoch nicht allgemein beziffern. Beobachten Sie deshalb, ob Kühe das frische Futter zögerlich aufnehmen. Prüfen Sie außerdem, ob Reste auffällig riechen oder aussehen und ob sich die gefressene Menge verändert.
Entfernen Sie Futterreste täglich, statt sie mit frischem Futter zu überdecken. Auf einer glatten, gut zu reinigenden Tischfläche setzen sich alte, fettige Beläge weniger leicht fest. Die Fütterungsempfehlungen zur Fressplatzgestaltung nennen eine hygienische, gut zu reinigende Oberfläche als Merkmal eines geeigneten Futtertischs.
Nacherwärmung beginnt mit Luftkontakt
Wenn Sauerstoff aus der Luft an eine gemischte Ration gelangt, nutzen Hefen und andere Mikroorganismen die verfügbaren Nährstoffe. Dabei geben sie Wärme ab. Mit steigender Temperatur läuft dieser Verderb schneller ab. Untersuchungen zur Lagerung von TMR zeigen, dass sich Temperatur und Zusammensetzung mit der Zeit verändern; Laborergebnisse lassen sich jedoch nicht als feste Zeit- oder Temperaturschwelle für jeden Futtertisch verwenden. Eine Studie zur aeroben Zersetzung von TMR stellte unter ihren Versuchsbedingungen kurz nach dem Luftkontakt erste Veränderungen durch Mikroorganismen fest. Stallklima, Rationsfeuchte und Futtermanagement unterscheiden sich davon.
Prüfen Sie die Ration deshalb nicht nur unmittelbar nach dem Mischen. Achten Sie auch im Trog auf warme Stellen, ungewöhnlichen Geruch, sichtbaren Schimmel oder Veränderungen der Futterstruktur. Solche Beobachtungen sind Warnzeichen. Wenn Sie vermuten, dass das Futter stark verdorben ist, lassen Sie es untersuchen. Erwärmtes oder sichtbar verschimmeltes Futter sollten Sie nicht mit frischem Futter vermengen.
Feuchtes Futter ist nicht automatisch verdorben. Wasser wird in manchen Rationen eingesetzt, um das Sortieren von Futterbestandteilen zu verringern. Zugleich verändern Feuchtigkeit und Lagerzeit die Bedingungen für Mikroorganismen. Eine Untersuchung zur Temperaturstabilität von TMR zeigte in Laborversuchen, dass Feuchtigkeit und Lagerzeit mehrere Futtermerkmale beeinflussten. Daraus folgt keine pauschale Vorgabe zur Wasserzugabe: Entscheidend sind Ration, Futtervorlage und die Zeit, in der das Futter offen liegt.
Reste erfassen und Fütterung anpassen
Eine kleine Restmenge zeigt, dass die Kühe bis zur nächsten Vorlage Futter finden. Die Milchviehberatung nennt 5 bis 10 Prozent Restfutter als Orientierungswert. Die Bezugsgröße wird dort nicht näher ausgewiesen; die Zahl ist daher keine starre Zielquote für jeden Betrieb. Entscheidend ist, ob die Reste frisch und hygienisch sind und ob die Kühe über den Tag ausreichend Futter erreichen.
Wiegen oder schätzen Sie regelmäßig die vorgelegte und die übrig gebliebene Menge. Der regelmäßige Mengenvergleich zeigt, wenn sich die Aufnahme verändert oder die Futtermenge nicht mehr zur Tierzahl passt. Passen Sie die Tagesmenge an, wenn Tiere zu- oder abgehen. Alte Reste werden vor der neuen Vorlage entfernt, auch wenn die Menge noch innerhalb einer betrieblichen Zielspanne liegt.
Schieben Sie das Futter zwischen den Futtergaben regelmäßig näher an die Kühe, damit sie es erreichen. Die Milchviehberatung empfiehlt als Praxisorientierung drei bis sechs Schübe pro Tag zusätzlich zur frischen Vorlage. Entfernen Sie verdorbene Reste zusätzlich. Wenn Kühe Futterbestandteile auffällig aussortieren, können Sie Frischfutter und Reste vergleichen: Wenn die Reste deutlich mehr lange Futterbestandteile enthalten als das frische Futter, fressen die Kühe die verschiedenen Bestandteile der Ration nicht gleichmäßig. Eine Schüttelbox, also ein Siebkasten zur Prüfung der Partikelverteilung, kann diesen Vergleich unterstützen.
