Eine Ration für Milchkühe muss zur Milchleistung, zur Laktationsphase und zur tatsächlichen Futteraufnahme passen. Die Laktationsphase beschreibt, wo eine Kuh im Milchzyklus steht: am Anfang nach dem Abkalben, in der Mitte oder gegen Ende der Milchzeit. Die Leistungsklasse ordnet Kühe nach ihrer Milchleistung ein. Feste Grenzen dafür gibt es nicht für alle Betriebe; entscheidend sind die Herdenstruktur und die verfügbaren Futtergruppen.
Für die Ration sind vor allem die Milchmenge und ihre Inhaltsstoffe, die aufgenommene Trockenmasse und der Körperzustand wichtig. Trockenmasse ist das Futter ohne Wasser. Mit diesen Kennzahlen lässt sich die Ration an den Bedarf anpassen. Eine einzelne Zahl reicht jedoch nicht für eine pauschale Fütterungsempfehlung. Die in Deutschland überarbeiteten Versorgungsempfehlungen verwenden zudem andere Bezugsgrößen für Energie und Protein als das ältere System. Die Zusammenfassung der GfE-Empfehlungen ordnet diese Änderungen ein.
Die Laktationsphase bestimmt den Fütterungsschwerpunkt
Zu Beginn der Laktation steigt die Milchleistung schneller als die Futteraufnahme. Die Kuh kann deshalb zeitweise mehr Energie für die Milchbildung benötigen, als sie mit dem Futter aufnimmt. Bei der Rationsplanung kommt es darauf an, die Futteraufnahme zu fördern und die Versorgung an die Milchleistung anzupassen. Eine hohe Milchmenge allein zeigt noch nicht, ob die Ration passt: Auch Körperzustand und Entwicklung der Futteraufnahme gehören dazu.
In der mittleren Laktation richtet sich die Ration nach der erreichten und erwarteten Milchleistung sowie der tatsächlichen Aufnahme. Hier sollte der Betrieb prüfen, ob die Futtermenge und die Nährstoffversorgung zur Leistung der Gruppe passen. Sinkt die Milchmenge, während die Aufnahme gleich bleibt, kann eine unverändert hohe Versorgung zu einem Energieüberschuss führen.
Gegen Ende der Laktation nimmt die Milchleistung typischerweise ab. Die Ration muss dieser veränderten Leistung folgen, damit die Kuh nicht übermäßig Körperreserven ansetzt. Beim Trockenstellen endet die Milchabgabe; die Ration muss deshalb auf die Zeit ohne Milchleistung und den Übergang zur nächsten Laktation abgestimmt werden. Für trockenstehende Kühe nennt die neue Energiebewertung einen Erhaltungsbedarf von 0,50 MJ umsetzbarer Energie je kg metabolischem Körpergewicht. „Metabolisches Körpergewicht“ ist eine Rechengröße, die das Körpergewicht mit dem Energiebedarf in Beziehung setzt. Der Wert ist eine Bedarfsangabe und keine vollständige Rationsempfehlung.
Leistungsklassen nach Milchleistung und Aufnahme bilden
Eine Leistungsklasse sollte sich an der energiekorrigierten Milch orientieren. Diese Kennzahl heißt kurz ECM. Sie rechnet die Milchmenge anhand des Fett-, Eiweiß- und Laktosegehalts auf eine einheitliche Zusammensetzung um. So lassen sich Kühe mit unterschiedlicher Milchzusammensetzung besser vergleichen. Zusätzlich braucht der Betrieb das Körpergewicht und eine möglichst verlässliche Schätzung, wie viel Trockenmasse die Kühe täglich aufnehmen.
Kühe mit hoher Leistung brauchen insgesamt mehr Nährstoffe für die Milchbildung. Ob sie diese Versorgung erreichen, hängt aber auch davon ab, wie viel sie tatsächlich fressen. Bei einer moderaten Leistung kann dieselbe energiereiche Ration, die für eine Hochleistungsgruppe vorgesehen ist, einen Überschuss erzeugen. Deshalb sollte der Betrieb die Gruppen nicht allein nach der Milchmenge einteilen. Auch die Laktationsphase, die Futteraufnahme und der Körperzustand bestimmen, welche Versorgung passt.
Der Betrieb sollte regelmäßig prüfen, ob die geplanten Werte zur Gruppe und zu den tatsächlichen Ergebnissen passen. Liegt die ECM-Leistung unter der Erwartung, prüft der Betrieb zuerst die Futteraufnahme und die Analyse der Grundfuttermittel. Eine pauschale Erhöhung des Kraftfutters folgt daraus nicht automatisch; sie setzt voraus, dass die Ursache und die übrige Nährstoffversorgung geklärt sind.
Diese Kennzahlen zeigen, ob eine Anpassung passt
Für die laufende Kontrolle sind vor allem folgende Werte hilfreich:
- ECM je Kuh und Tag: zeigt die Milchleistung unter Berücksichtigung der Inhaltsstoffe.
- Trockenmasseaufnahme: zeigt, wie viel Futter die Kuh tatsächlich aufnimmt.
- Körperkondition: beschreibt, wie gut die Kuh mit Körperfettreserven ausgestattet ist und ob sie im Verlauf der Laktation stark zu- oder abnimmt.
- Milchfett und Milcheiweiß: ergänzen die reine Milchmenge und helfen, Veränderungen der Leistung einzuordnen.
- Milchharnstoff: gibt Hinweise auf das Verhältnis von verfügbarem Stickstoff und Energie in der Ration, muss aber zusammen mit weiteren Befunden bewertet werden.
Entscheidend ist der Verlauf: Ein einzelner Wert löst keine sichere Diagnose aus. Wenn die ECM-Leistung fällt, die Trockenmasseaufnahme aber stabil bleibt, sollte der Betrieb Futterqualität, Gruppenzusammensetzung und Milchbestandteile gemeinsam prüfen. Sinkt die Aufnahme, während die Milchleistung zunächst hoch bleibt, passt die Ration möglicherweise nicht mehr zur aktuellen Belastung der Kuh. Für Milchharnstoff und Milchbestandteile sollten betriebliche Beratungswerte oder Laborbefunde herangezogen werden; aus den hier genannten Kennzahlen allein lässt sich kein allgemeingültiger Grenzwert ableiten.
Energie- und Proteinwerte richtig lesen
Die überarbeiteten deutschen Empfehlungen wechseln bei der Energie von Nettoenergie Laktation (NEL) zu umsetzbarer Energie (ME). ME ist die Futterenergie, die dem Tier nach den Energieverlusten über Kot sowie Urin und Gase bleibt. Für die Milchbildung nennt die Zusammenfassung rund 4,8 MJ ME je kg ECM. Das ist ein Rechenwert für die Versorgungskalkulation, kein pauschaler Zusatz zur Ration.
Als Größenordnung führt die Zusammenfassung für eine 700-kg-Kuh einen Erhaltungsbedarf von 87 MJ ME an. Dieser Wert beruht auf der neuen Bewertung für Milchkühe und darf nicht unabhängig von Körpergewicht, Rasse und Leistungsniveau als Rationsvorgabe verwendet werden. Auch die Futteraufnahme verändert die Bewertung: Futtertabellen beziehen ihre Energieangaben auf eine definierte Aufnahmehöhe. Als Bezugswert für die Berechnung verwendet die Empfehlung FAN1: 50 g Trockenmasse je kg metabolisches Körpergewicht. Für eine 700-kg-Kuh entspricht das rund 6,8 kg Trockenmasse. Das ist ein Bezugswert für die Berechnung, kein Zielwert für eine laktierende Kuh.
Auch die Proteinbewertung wird umgestellt: Statt nutzbarem Rohprotein am Dünndarm (nXP) stehen verdauliches Protein und verdauliche Aminosäuren im Dünndarm im Mittelpunkt. Aminosäuren sind Bausteine von Eiweiß. Für eine konkrete Ration reicht es daher nicht, allein den Rohproteingehalt zu betrachten. Die Futteranalyse und die aktuelle Berechnungsgrundlage müssen zusammenpassen. Die Darstellung der neuen Empfehlungen erläutert außerdem, dass die Faserbewertung stärker auf NDF und ADF beruht, also auf Laborgrößen für unterschiedliche Faseranteile im Futter.
