Ob ein Mineralfutter zu Rindern, Schweinen oder Kälbern passt, hängt nicht vom höchsten Wert auf dem Sack ab. Wichtig ist, wie viel das Tier täglich bekommt und welche Nährstoffe Grundfutter und andere Futtermittel schon liefern. Das Mineralfutter ergänzt die Ration um Mineralstoffe und häufig auch Vitamine.
Auf dem Etikett stehen meist Zutaten, Nährstoffgehalte und Angaben zu zugesetzten Stoffen. Achten Sie beim Vergleich darauf, in welchen Einheiten die Werte angegeben sind und worauf sie sich beziehen. Gehalte je Kilogramm Futter lassen sich erst bewerten, wenn die vorgesehene Tagesmenge bekannt ist.
Zutaten und Nährstoffgehalte unterscheiden
Auf dem Etikett finden sich Angaben mit unterschiedlichen Aufgaben. Die Zusammensetzung nennt die verwendeten Einzelfuttermittel, also etwa Kalkstein oder Getreidebestandteile. Bei Mischfuttermitteln müssen diese Zutaten grundsätzlich in absteigender Reihenfolge ihres Gewichts aufgeführt werden. Der gesetzliche Rahmen für Futtermittelkennzeichnungen steht in der EU-Verordnung über das Inverkehrbringen und die Verwendung von Futtermitteln. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit erläutert die Kennzeichnung von Einzel- und Mischfuttermitteln.
Die Angaben zu den analytischen Bestandteilen zeigen, wie viel Nährstoffe das Futter enthält. Kalzium, Phosphor, Magnesium und Natrium sind Mengenelemente, die Tiere in größeren Mengen brauchen. Spurenelemente wie Zink, Kupfer, Mangan und Selen benötigen sie in kleineren Mengen. Vitamine sind meist getrennt aufgeführt. Diese Angaben zeigen, welche Nährstoffe das Produkt liefert. Die Zutatenliste allein reicht dafür nicht aus.
Das Etikett nennt auch Zusatzstoffe, zum Beispiel zugesetzte Spurenelemente. Prüfen Sie genau, worauf sich die Mengenangabe bezieht: Sie kann nur den zugesetzten Anteil nennen. Eine Laboranalyse erfasst dagegen auch Mengen, die von Natur aus in den Rohstoffen vorkommen. Eine Untersuchung von Pferde-Mineralfuttern erläuterte diesen Unterschied. Die Untersuchung war klein und nicht repräsentativ. Ihre Ergebnisse lassen sich nicht auf Mineralfutter für Rinder oder Schweine übertragen. Sie zeigen aber, warum Deklarations- und Messwerte nicht ohne Prüfung ihrer Bezugsgrundlage gleichgesetzt werden sollten. CAVALLO berichtet über die Untersuchung und ihre Einordnung.
Einheiten auf dieselbe Grundlage bringen
Bei Gehaltsangaben ist die Einheit entscheidend. Prozentwerte, Gramm und Milligramm lassen sich ineinander umrechnen, dürfen aber nicht ungeprüft nebeneinandergestellt werden.
Auch die Bezugsgröße muss stimmen. Ein Wert je Kilogramm Futter beschreibt zunächst den Gehalt des Produkts, nicht die Menge, die das Tier täglich aufnimmt. Manche Rationsberechnungen geben Nährstoffe dagegen je Kilogramm Trockenmasse an. Trockenmasse bezeichnet den Futteranteil ohne Wasser. Solche Werte sind erst vergleichbar, wenn beide Angaben auf dieselbe Basis umgerechnet wurden. Steht auf dem Etikett keine abweichende Bezugsgröße, sollte der Betrieb beim Hersteller klären, worauf sich die Angabe bezieht, bevor er sie mit Rationsdaten vergleicht.
Für den Vergleich ist auch die tatsächliche Tagesgabe wichtig. Um zu berechnen, wie viele Nährstoffe das Mineralfutter täglich liefert, multiplizieren Sie den Gehalt je Kilogramm mit der verfütterten Menge. Eine solche Rechnung ersetzt keine Fütterungsempfehlung. Für eine Ration müssen Grundfutter, weitere Ergänzungsfuttermittel und die Anforderungen der Tiergruppe berücksichtigt werden.
Tagesgabe und Gesamtration vergleichen
Vergleichen Sie Produkte für dieselbe Tierart und denselben Zweck. Ein Mineralfutter für Milchkühe ist nicht automatisch mit einem Produkt für Kälber oder Mastschweine vergleichbar. Auch bei Tieren derselben Gruppe hängt der Nährstoffbedarf unter anderem von Leistung, Alter und den übrigen Bestandteilen der Ration ab. Die auf dem Etikett angegebene Verwendung und Fütterungsempfehlung sind deshalb Teil des Vergleichs.
Berechnen Sie für jeden wichtigen Nährstoff, wie viel ein Tier pro Tag aus dem Mineralfutter erhält. Multiplizieren Sie dafür den Gehalt je Kilogramm Produkt mit der täglichen Futtermenge. So lassen sich auch Produkte vergleichen, von denen eines stärker konzentriert ist und deshalb in geringerer Menge gefüttert wird. Erst danach lässt sich etwa der Preis je Tagesgabe sinnvoll gegenüberstellen.
Beurteilen Sie Kalzium und Phosphor gemeinsam. Ihr Verhältnis in der Gesamtration ergibt sich aus den Mengen dieser Nährstoffe, die Grundfutter und Mineralfutter sowie weitere Komponenten liefern. Ein günstiges Verhältnis im Mineralfutter allein sagt daher wenig aus, wenn beispielsweise das Grundfutter bereits viel Kalzium oder Phosphor liefert. Orientierungswerte müssen zur Tierart und Ration passen; ein einzelner Sollwert ist keine allgemeine Empfehlung für alle Betriebe.
Prüfen Sie auch, ob Kraftfutter, Ergänzungsfutter oder Milchleistungsfutter bereits Vitamine und Spurenelemente enthält. Werden mehrere mineralisierte Futtermittel kombiniert, addieren sich ihre Beiträge. Bei Spurenelementen wie Selen ist das besonders relevant, weil auch eine Überversorgung problematisch sein kann. Ohne vollständige Rationsübersicht lässt sich die passende Ergänzung nicht allein anhand eines Etiketts bestimmen.
Etiketten systematisch vergleichen
Legen Sie beim Vergleich zunächst Tiergruppe und Einsatzbereich fest. Notieren Sie dann die vorgesehene Tagesmenge sowie die Gehalte der Nährstoffe, die für die Ration wichtig sind. Umrechnungen sollten Sie in einer einheitlichen Einheit und auf derselben Bezugsbasis durchführen.
Achten Sie außerdem auf die genaue Kennzeichnung: Sind Werte als Prozent angegeben, oder stehen sie als Gramm beziehungsweise Milligramm je Kilogramm auf dem Etikett? Beziehen sie sich auf das Produkt, wie es verfüttert wird, oder auf die Trockenmasse? Bei unklaren Angaben sollte der Hersteller die Bezugsbasis schriftlich bestätigen. Für die Zutaten- und Kennzeichnungsangaben gelten die Anforderungen für Futtermittel; die besonderen Angaben für Mischfuttermittel sind in Artikel 17 der Verordnung (EG) Nr. 767/2009 geregelt.
Ein Laborwert ist ebenfalls nur dann aussagekräftig, wenn Probenahme, Analysemethode und zulässige Toleranzen berücksichtigt werden. Die Futtermittelkennzeichnung sieht rechtliche Toleranzspielräume vor. Eine Abweichung zwischen Analyse und Etikett beweist daher für sich allein weder einen Kennzeichnungsfehler noch eine absichtliche Falschdeklaration. Wenn ein Wert für die Rationsberechnung entscheidend ist, sollte der Betrieb die Abweichung mit dem Hersteller oder einer fachkundigen Fütterungsberatung klären.
