Bullenmast

Wissenschaftliche Fütterungserkenntnisse in die Praxis übertragen

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Inhalt4 Abschnitte
  1. Von der Empfehlung zur berechneten Ration
  2. Woran belastbare Fütterungsergebnisse zu erkennen sind
  3. Warum der Transfer im Betrieb stockt
  4. Ergebnisse im Stall überprüfen

Forschung zur Tierernährung hilft Landwirten, Futter gezielter einzusetzen und Rationen an Tierleistung und Gesundheit anzupassen. Ein Forschungsergebnis hilft einem Betrieb erst, wenn es zu den eigenen Tieren passt, in Futteranalysen und Berechnungsprogramme einfließt und sich im Stall überprüfen lässt. Eine Ration ist die Zusammenstellung aller Futtermittel, die ein Tier oder eine Tiergruppe erhält.

Wie dieser Weg aussieht, zeigen die neuen Empfehlungen für Milchkühe der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE). Sie verändern unter anderem die Bewertung von Energie und Eiweiß im Futter. Für die Praxis bedeutet das: Beratung, Laborwerte und Fütterungsprogramme müssen nach denselben Regeln arbeiten. Wer Ergebnisse beurteilt, sollte außerdem prüfen, unter welchen Bedingungen ein Versuch stattfand und ob er zur eigenen Herde passt.

Von der Empfehlung zur berechneten Ration

Die GfE veröffentlichte im November 2023 erstmals seit mehr als 20 Jahren eine umfassend überarbeitete Empfehlung zur Versorgung von Milchkühen. Die Energiebewertung zeigt, wie Forschung in die Praxis einfließt: Statt des bisherigen Standards NEL, der die Nettoenergie für die Laktation beschreibt, nutzt das neue System umsetzbare Energie, kurz ME. ME beschreibt, wie viel Futterenergie dem Tier bleibt, nachdem es Energie über Kot, Urin und Gase verloren hat. Die GfE erläutert die Änderungen.

Dabei trennt das System die Bewertung eines Futtermittels von der Berechnung des Bedarfs einer Kuh. Bei der Futterbewertung zählt unter anderem, wie gut das Tier die organische Masse verdaut. Damit ist der Teil des Futters ohne Mineralstoffe gemeint. Grobfutter mit hoher Verdaulichkeit wird dadurch beim Energiegehalt relativ besser eingestuft. Das bedeutet für den Betrieb: Das Labor muss den Analysewert der Grassilage nach dem neuen Verfahren berechnen, damit er sinnvoll in die Ration einfließt.

Auch die Bedarfsseite ändert sich. Die GfE setzt den Energiebedarf für die Erhaltung, also die grundlegenden Körperfunktionen, höher an als zuvor. Zugleich nimmt sie an, dass Kühe Energie effizienter in Milch umsetzen, wodurch der berechnete Bedarf für die Milchbildung sinkt. Die Änderungen betreffen verschiedene Teile der Rechnung. Deshalb gibt es keine pauschale Korrektur, die für jede Ration passt.

Bei Eiweiß ersetzt dünndarmverdauliches Protein, kurz sidP, den bisherigen Wert nXP. sidP berücksichtigt, wie viel Protein im Dünndarm tatsächlich verdaut wird. Zusätzlich wird betrachtet, wie gut einzelne Aminosäuren, die Bausteine von Eiweiß, dort verfügbar sind. Das soll eine gezieltere Ergänzung bestimmter Aminosäuren ermöglichen und Stickstoffverluste verringern. Daraus folgt jedoch keine allgemeine Vorgabe für ein bestimmtes Ergänzungsfutter: Die passende Ration hängt von den untersuchten Futtermitteln und den Tieren ab.

Woran belastbare Fütterungsergebnisse zu erkennen sind

Ein Versuch hilft einem Betrieb besonders dann, wenn der Bericht nennt, welche Tiere untersucht wurden, womit die Fütterung verglichen wurde und welche Ergebnisse die Forschenden gemessen haben. Bei Milchkühen kann eine Studie beispielsweise Milchleistung, Futteraufnahme und Gesundheitsmerkmale erfassen. Ein einzelner Messwert reicht nicht, um die Wirkung einer Fütterungsänderung vollständig zu beurteilen.

Wichtig ist auch, wie die Versuchsgruppen zustande kamen. Wenn sich die Gruppen außer beim geprüften Futter stark unterscheiden, lässt sich ein beobachteter Effekt schwer eindeutig der Fütterung zuschreiben. Eine passende Vergleichsgruppe, eine nachvollziehbare Zuteilung der Tiere und eine statistische Auswertung helfen, solche Einflüsse zu begrenzen. Bei der statistischen Auswertung prüfen die Forschenden, ob ein Unterschied größer ist als zufällige Schwankungen. Für die Übertragung auf den Betrieb zählt außerdem, ob andere Versuche zu ähnlichen Ergebnissen kommen und ob die Bedingungen vergleichbar sind.

Das zeigt ein Bericht über Ackerbohnen als Eiweißfutter für leistungsstarke Kühe. Die Versuchsbeschreibung nennt einen Versuch mit einzelnen Tieren, liefert in der verfügbaren Zusammenfassung aber keine Ergebnisse. Deshalb belegt der Bericht weder eine verlässliche Wirkung noch eine allgemeine Empfehlung für den Einsatz. Vor einer Entscheidung müsste der vollständige Versuchsbericht unter anderem Auskunft über Tierzahl, Vergleichsration und gemessene Ergebnisse geben.

Auch ein Versuch mit leichten Ferkeln aus großen Würfen ist nicht automatisch auf alle Schweinebetriebe übertragbar. Die verfügbare Zusammenfassung beschreibt große Unterschiede beim Absetzgewicht und nennt zwei Fütterungsversuche, aber keine Resultate. Ein belastbarer Schluss braucht die konkreten Versuchsdaten und die Bedingungen, unter denen die Ferkel gefüttert wurden. Bei Kälbern gilt derselbe Grundsatz: Ergebnisse zu einer bestimmten Alters- oder Gesundheitsgruppe beantworten nicht ohne Weiteres die Frage nach der Fütterung anderer Kälber.

Warum der Transfer im Betrieb stockt

Damit Betriebe Forschungsergebnisse nutzen können, müssen Fachleute sie in praktische Werkzeuge übertragen. Futtermittellabore brauchen passende Analyseverfahren, Futterwerttabellen müssen neue Werte enthalten, und Programme zur Rationsberechnung müssen nach den neuen Regeln rechnen. Wenn Beratende, Labore und Programme verschiedene Verfahren nutzen, ergeben sich für dieselben Futtermittel unterschiedliche Rationswerte.

Für die Eiweißbewertung nach GfE 2023 beschreibt das DLG-Merkblatt 504, wie Futteranalysen, Rationsberechnungen und Rationskontrollen durchgeführt werden sollen. Der Leitfaden soll einheitliche Ergebnisse fördern. Wenn eine erforderliche chemische Analyse nicht vorliegt, gibt er auch Hinweise zur Nutzung von Tabellenwerten. Solche Werte sind eine praktische Ersatzgrundlage, aber kein gemessener Wert des eigenen Futters. Bei der Bewertung sollte deshalb erkennbar bleiben, ob die Rechnung auf einer Analyse oder auf einem Tabellenwert beruht.

Auch die Unterschiede zwischen Versuch und Betrieb erschweren die Übertragung der Ergebnisse. Ein Versuch bildet bestimmte Tiere, Futtermittel und Haltungsbedingungen ab. Auf dem Betrieb unterscheiden sich etwa die Grundfutterqualität, die Leistung der Tiere und die Futteraufnahme. Betriebe müssen Empfehlungen deshalb anhand ihrer eigenen Analysewerte und Betriebsdaten prüfen, bevor sie diese als Rationsvorgabe übernehmen.

Auch Beratende und Lehrkräfte brauchen Zeit und Schulungen, um mit den neuen Werten zu arbeiten. Die GfE nennt die Weiterbildung von Beratung und Lehrkräften sowie praktische Erfahrungen mit den neuen Rationen als Voraussetzungen für die Einführung. Für Landwirte ist eine konkrete Prüffrage hilfreich: Rechnet das verwendete Programm bereits nach dem neuen Verfahren, und stammen die eingesetzten Futterwerte aus einer aktuellen Analyse oder aus einer älteren Tabelle?

Ergebnisse im Stall überprüfen

Eine neue Ration sollte sich an einer klaren betrieblichen Frage messen lassen. Soll sie die Versorgung einer bestimmten Tiergruppe verbessern, eine Futtergrundlage besser nutzen oder den Einsatz einzelner Eiweißfuttermittel gezielter machen? Vor der Umstellung sollten Betrieb und Beratung festlegen, welche Daten sie danach vergleichen. Dazu gehören zum Beispiel Futteraufnahme, Leistung und auffällige Gesundheitsverläufe. So können sie besser erkennen, ob die Ration mit einer Veränderung zusammenhängt oder ob gleichzeitig andere Faktoren eine Rolle spielen.

Bei der Umsetzung der GfE-Empfehlungen ändern sich mehrere Grundlagen zugleich: die Bewertung von Futtermitteln, die Berechnung des Bedarfs und die technischen Hilfsmittel. Deshalb sollten Betriebe die verwendete Version ihrer Futterwerttabellen und Rationsprogramme prüfen und mit der Beratung klären, ob Laborwerte nach derselben Methode berechnet wurden. Die GfE nannte Oktober 2025 als diskutierten Zeitpunkt für die praktische Einführung; die DLG veröffentlichte im November 2025 den genannten Leitfaden zur Eiweißbewertung. Der tatsächliche Stand einzelner Programme und Beratungsangebote lässt sich daraus nicht für jeden Betrieb ableiten.

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