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Roggen, Weizen oder Gerste im Schweinefutter?

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Bei der Getreidewahl im Schweinefutter kommt es vor allem auf Energie, Faser und Aminosäuren an, die das Schwein für sein Wachstum nutzen kann. Weizen liefert viel Energie, Gerste bringt mehr Faser in die Ration. Roggen kommt infrage, wenn die Kornqualität bekannt ist und die Ration passend berechnet wird. Welche Getreideart passt, hängt auch davon ab, ob Ferkel, Mastschweine oder Sauen gefüttert werden.

Für die Eiweißversorgung zählt nicht nur, wie viele Aminosäuren das Korn enthält. Entscheidend ist auch, wie viele davon das Schwein im Dünndarm aufnimmt. Fachleute nennen diesen Anteil präcaecale Verdaulichkeit. Er beschreibt die Aufnahme, bevor der Futterbrei in den Dickdarm gelangt. Deshalb sollte man die ganze geplante Ration betrachten und nicht nur eine Getreidesorte.

So unterscheiden sich die drei Getreidearten

Getreide Typische Stärke im Schweinefutter Worauf es bei der Ration ankommt
Weizen Energiereiches, gut verdauliches Getreide mit viel Stärke Der geringe Fasergehalt muss bei Bedarf durch andere Komponenten ausgeglichen werden.
Gerste Weniger Energie und Stärke, dafür mehr Rohfaser Sie bringt Faser in die Ration, kann aber die Verdaulichkeit senken.
Roggen Eine mögliche Getreidekomponente, deren Einsatz stärker von Kornqualität und Rationsberechnung abhängt Mutterkorn und die geringere Verdaulichkeit einiger Aminosäuren verdienen besondere Beachtung.

Weizen enthält viel Stärke und ist gut verdaulich. Sein Eiweißgehalt ist unter den Getreidearten hoch, doch der Lysingehalt ist vergleichsweise niedrig. Lysin ist eine Aminosäure, die Schweine für den Aufbau von Körperprotein benötigen. Weizen enthält außerdem pflanzeneigene Phytase. Dieses Enzym kann gebundenen Phosphor verfügbar machen, sodass Weizen mehr verdaulichen Phosphor beitragen kann. Die Fütterungshinweise zu Getreidearten ordnen Weizen deshalb unter anderem für Ferkel, säugende Sauen und Mastschweine als geeignet ein.

Gerste enthält weniger Stärke und mehr Rohfaser als Weizen. Rohfaser sind schwer verdauliche Bestandteile von Pflanzen. Sie beeinflussen unter anderem die Verdauung. Gerste gilt wegen ihres Fasergehalts als verdauungsfördernd; sie enthält zudem Beta-Glucane, eine Gruppe löslicher Faserstoffe. Durch den höheren Faseranteil liefert Gerste weniger Energie. Im Vergleich der Landwirtschaftskammer Niedersachsen lag der Unterschied zwischen Gerste und Weizen im Jahr vor der Veröffentlichung bei etwa 1 MJ je Kilogramm. Dieser Wert gilt für den genannten Vergleich, nicht für jede Ernte.

Roggen wurde lange zurückhaltend verfüttert, auch wegen der Sorge vor Mutterkorn. Mutterkorn ist ein Pilz, der Getreidekörner ersetzt und unerwünschte Stoffe enthält. Die Einordnung von Roggen als Schweinefutter beschreibt diese frühere Zurückhaltung. Bei Roggen ist außerdem die präcaecale Verdaulichkeit mehrerer Aminosäuren geringer als bei Weizen und Gerste. Ein pauschaler Einsatzanteil lässt sich daraus nicht ableiten; die Ration sollte auf die analysierte Kornqualität abgestimmt werden.

Wann Weizen, Gerste oder Roggen passt

Weizen bietet sich an, wenn die Ration eine energiereiche Getreidekomponente braucht, etwa in der Mast oder für säugende Sauen. Für tragende Sauen muss der hohe Energie- und Eiweißgehalt in die Rationsplanung einfließen. Weizen enthält wenig Rohfaser; fehlt diese in der Gesamtration, braucht es eine passende Faserkomponente.

Gerste passt, wenn mehr Faser erwünscht ist und die Ration den niedrigeren Energiegehalt ausgleichen kann. Für Mastschweine nennt deuka als Orientierungsbereich einen Anteil von 30 bis 45 Prozent der Ration; für tragende Sauen wird ein Anteil von bis zu 60 Prozent genannt. Das sind Angaben aus dieser Fütterungseinordnung, keine allgemeingültigen Grenzwerte. Die passende Menge richtet sich nach der Tiergruppe und den übrigen Futterbestandteilen samt Nährstoffgehalten. Bei Ferkeln ist wegen der schwereren Verdaulichkeit und möglicher Verletzungen durch scharfkantige Spelzen besondere Vorsicht geboten.

Roggen kann in die Ration passen, wenn die Kornqualität bekannt ist und die Berechnung die geringere Aminosäurenverdaulichkeit berücksichtigt. Kontrolliere dabei besonders, ob Mutterkorn vorhanden ist. Für konkrete Einsatzanteile sind die Ration und die analysierten Nährstoffgehalte maßgeblich; ein allgemeiner Vergleich der Getreidearten legt sie nicht fest.

Vor dem Verfüttern Ernte und Qualität prüfen

Frisch geerntetes Getreide sollte nicht direkt in die Schweineration gelangen. Der Landeskontrollverband Sachsen empfiehlt, Getreide mindestens vier Wochen zu lagern, bevor es verfüttert wird; der Hinweis nennt auch Schweine als betroffene Tiere. Bei auffälligem Korn, etwa Verunreinigungen oder Mutterkorn, sollte die Eignung vor dem Einsatz geklärt werden.

Der Futterwert hängt von der jeweiligen Partie ab und lässt sich aus der Getreideart allein nicht ableiten. Bei größeren Änderungen an der Ration sollte man die Nährstoffgehalte untersuchen lassen und die Ration danach berechnen. So lässt sich zum Beispiel prüfen, ob eine größere Gerstenmenge durch zusätzliche Energie ausgeglichen werden muss. Auch die Aminosäurenversorgung lässt sich prüfen, selbst wenn der Rohproteingehalt ausreicht.

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