Betriebe füttern Milchkühen Raps- oder Sojaextraktionsschrot, wenn die Grundration zusätzliches Eiweiß braucht. Die Wahl hängt davon ab, wie viel zusätzliches, im Dünndarm nutzbares Eiweiß die Ration braucht und wie viel die jeweilige Mischung kostet. Rapsextraktionsschrot stammt aus der Verarbeitung von Raps, Sojaextraktionsschrot aus der Verarbeitung von Sojabohnen.
Ein wichtiger Vergleichswert ist nXP: Das Kürzel steht für nutzbares Protein am Dünndarm, also Eiweiß, das dem Rind dort zur Verfügung steht. UDP bezeichnet den Anteil des Futterproteins, der im Pansen nicht abgebaut wird und weiter in den Dünndarm gelangt. Raps- und Sojaschrot lassen sich in der Milchkuhfütterung austauschen. Die Mengen müssen dabei nicht genau gleich sein. Entscheidend ist, wie viel Eiweiß die gesamte Ration laut Berechnung liefert.
Was Raps- und Sojaschrot unterscheidet
Rapsextraktionsschrot ist ein heimisches Futtermittel und gilt als gentechnikfrei. Im Vergleich zu Sojaextraktionsschrot enthält es mehr Methionin und Zucker. Methionin ist eine Aminosäure, also ein Baustein von Eiweiß. Diese Unterschiede beschreiben die Zusammensetzung der Futtermittel; für sich allein sagen sie nicht voraus, wie sich die Milchleistung einer konkreten Herde verändert.
In den Berechnungsannahmen des LfL-Versuchs zur Milchviehfütterung lag der UDP-Anteil bei Rapsextraktionsschrot bei 35 Prozent, bei Sojaextraktionsschrot bei 30 Prozent. Der UDP-Anteil beschreibt jedoch nicht allein, wie viel nXP ein Kilogramm Futtermittel liefert. Für den Rationsvergleich zählt die berechnete nXP-Versorgung der Ration. In der LfL-Auswertung war für eine vergleichbare nXP-Versorgung mit Rapsextraktionsschrot eine größere Einsatzmenge erforderlich.
| Merkmal | Rapsextraktionsschrot | Sojaextraktionsschrot |
|---|---|---|
| Herkunft | Raps, heimisches Futtermittel | Sojabohnen |
| UDP-Anteil in den LfL-Berechnungsannahmen | 35 Prozent | 30 Prozent |
| Weitere genannte Inhaltsstoffunterschiede | Mehr Methionin und Zucker | Vergleichsweise weniger Methionin und Zucker |
| Einsatz in der Ration | Für dieselbe nXP-Versorgung kann eine größere Menge nötig sein | Kann je nach Rationsberechnung mit geringerer Menge ausreichen |
Diese Orientierungswerte sind keine pauschale Fütterungsempfehlung. Tatsächliche Werte hängen von Futtermittel und Berechnungsgrundlage ab. Für die Rationsplanung sollten deshalb die passenden Futterwerte und die Versorgung der gesamten Mischung herangezogen werden.
Was der Fütterungsversuch über den Austausch zeigt
In einem zwölfwöchigen LfL-Versuch erhielten 48 Milchkühe Rationen mit Soja- oder Rapsschrot. Die Rationen sollten gleich viel Energie und Nährstoffe liefern. Untersucht wurden Fleckvieh- und Braunviehkühe an einem Standort. Bei Futteraufnahme und Milchmenge gab es keine Unterschiede zwischen den Gruppen. Das galt auch für Milchfett- und Milcheiweißgehalt.
Der Milchharnstoffgehalt, also der Harnstoffgehalt der Milch, lag in der Rapsschrotgruppe bei 160 mg je 100 ml und in der Sojaschrotgruppe bei 236 mg je 100 ml. Der Unterschied zeigt das Ergebnis bei diesen Rationen. Er belegt nicht, dass allein die Eiweißquelle den Milchharnstoffwert bestimmt. Auch die Stickstoffversorgung im Pansen beeinflusst den Wert.
Der Versuch spricht dafür, dass Sojaschrot unter den geprüften Bedingungen durch Rapsschrot ersetzt werden kann, ohne dass die gemessenen Leistungsmerkmale zurückgingen. Die Ergebnisse gelten jedoch für die untersuchten Kühe und Rationen. Sie zeigen nicht, wie sich der Austausch in der frühen Laktation, also in der ersten Zeit nach dem Kalben, oder bei langfristiger Fütterung auswirkt.
Wann Rapsschrot oder Sojaschrot passt
Rapsschrot passt, wenn die Rationsberechnung damit den Eiweißbedarf deckt und die nötige Einsatzmenge in die Mischung passt. Es bietet sich außerdem an, wenn der Betrieb ein heimisches, gentechnikfreies Futtermittel einsetzen will. Bei der Planung muss die Menge so angepasst werden, dass die nXP-Versorgung der Ration stimmt.
Sojaschrot passt, wenn seine Futterwerte die gewünschte Eiweißversorgung mit einer für den Betrieb passenden Mischung ermöglichen. Ob es wirtschaftlicher ist, lässt sich nicht allein aus dem Preis je Tonne ableiten: Verglichen werden sollten die Kosten für die tatsächlich benötigte nXP-Versorgung. Ohne aktuelle Preise und konkrete Rationswerte lässt sich kein allgemeiner Kostensieger nennen.
Berechnen Sie die Ration anhand der jeweiligen Futterwerte neu, statt pauschal eins zu eins auszutauschen. Dabei zählen neben dem Eiweißergänzer auch die übrigen Komponenten und deren Beitrag zur Nährstoffversorgung.
Glucosinolate und geschützte Rapsschrote
Moderne Rapssorten der sogenannten 00-Klasse sind arm an Glucosinolaten, pflanzlichen Inhaltsstoffen, die in höheren Gehalten die Futteraufnahme beeinträchtigen können. Der LfL-Versuch nennt für das untersuchte Rapsschrot einen Gehalt von 10 µmol/g und bewertet diesen für Wiederkäuer als unkritisch. Diese Einschätzung bezieht sich auf moderne 00-Sorten; sie lässt sich nicht ohne Weiteres auf ältere oder anders beschaffene Ware übertragen.
Bei geschützten Rapsschroten wird das Eiweiß physikalisch, mit Wärme oder chemisch behandelt. Dadurch soll sich verändern, wie viel Eiweiß im Pansen abgebaut wird. Ihre praktische Wirkung auf Futteraufnahme, Eiweißverdaulichkeit und Milchleistung wird noch untersucht. Die Versuche zu geschützten Rapsextraktionsschroten liefern daher noch keine Grundlage für eine allgemeine Empfehlung, solche Produkte regulär einzusetzen.
