Bei der Rationsberechnung für Rinder, Schweine oder Kälber sind verlässliche Angaben nötig: Wie viele Nährstoffe enthält das Futtermittel, und wie gut kann das Tier sie nutzen? Diese Kombination aus Nährstoffgehalt, Verdaulichkeit und Energieversorgung beschreibt den Futterwert. Eine Analyse hilft nur dann bei der Rationsplanung, wenn die Probe das Futter tatsächlich abbildet und die Werte zur Tierart und zum verwendeten Bewertungssystem passen.
Besonders wichtig sind die Trockenmasse und die Bezugsgröße der Analyse. Trockenmasse ist der Futteranteil, der nach Abzug des Wassers übrig bleibt. Werte je Kilogramm Trockenmasse lassen sich besser vergleichen als Werte je Kilogramm Frischfutter, weil Wasser den Nährstoffgehalt des Frischfutters verdünnt. Proben sauber nehmen und Ergebnisse auf derselben Grundlage vergleichen. Bei Änderungen der Futterpartie die Ration prüfen.
Was Futterwert und Verdaulichkeit aussagen
Die Futteranalyse erfasst Nährstoffgehalt und Verdaulichkeit, die bei der Rationsplanung gemeinsam betrachtet werden. Während der Nährstoffgehalt angibt, welche Bestandteile im Futter enthalten sind, beschreibt die Verdaulichkeit, welcher Anteil davon im Verdauungstrakt aufgeschlossen und vom Tier genutzt werden kann. Zwei Futtermittel mit ähnlichem Rohfaser- oder Rohproteingehalt können deshalb unterschiedlich viel verwertbare Energie und Nährstoffe liefern.
Bei Raufutter lässt sich zusätzlich die Verdaulichkeit der Faser untersuchen. Dabei wird gemessen, welcher Anteil der neutral detergent fibre (NDF), einer Messgröße für den Faseranteil im Futter, von Mikroorganismen im Pansen abgebaut wird. Da die Ergebnisse unter anderem vom Messzeitraum abhängen, sollten beim Vergleich von Faserwerten auch Messmethode und Zeitraum berücksichtigt werden. Eine Übersicht zur Bewertung von Raufutter beschreibt solche Messungen über unterschiedliche Zeiträume.
Der Energiegehalt gibt an, wie viel Energie das Tier aus dem Futter gewinnen kann. Die Bruttoenergie ist die Wärme, die bei vollständiger Verbrennung des Futters entsteht. Das Tier kann davon nur einen Teil nutzen: Energie geht unter anderem über Kot, Harn und Gärgase verloren. Bei Wiederkäuern dient die umsetzbare Energie (ME) als wichtige Bewertungsgröße. ME berücksichtigt diese Verluste und ist nicht mit der Bruttoenergie gleichzusetzen.
Auch das Bewertungssystem zählt. Rationswerte wie ME oder Nettoenergie für Laktation (NEL) gehören zu bestimmten Berechnungsmodellen. Sie sind nicht beliebig mit Kennzahlen aus anderen Systemen oder mit Werten für andere Tierarten vergleichbar. Bei Rindern, Schweinen und Kälbern muss die Analyse daher zu den Anforderungen der jeweiligen Tiergruppe und zur verwendeten Rationsberechnung passen.
Energie bei Milchkühen hängt auch von der Futteraufnahme ab
Die baden-württembergische Fachinformation beschreibt seit 2026 ein neues System zur Energiebewertung von Milchkühen. Es bezieht die Futteraufnahme stärker ein als das ältere NEL-System. Eine höhere Futteraufnahme beschleunigt die Passage des Futters durch den Pansen. Die Mikroorganismen haben dadurch weniger Zeit, das Futter abzubauen. Das beeinflusst die Verdaulichkeit und damit die bereitgestellte Energie.
Das System verwendet dafür die Futteraufnahmeniveaustufe (FAN). Sie zeigt, wie sich die tatsächliche Futteraufnahme einer Kuh zur Futtermenge verhält, die sie bei Erhaltungsbedarf aufnimmt, und gibt so ihr Leistungsniveau an. Laut Landinfo 3/2026 gleichen sich bei Milchkühen die Effekte auf die Energiebewertung bis zu einer FAN von ungefähr 3 weitgehend aus. Oberhalb davon sinkt die ME-Konzentration der Ration merklich. Diese Orientierungswerte gelten für Milchkühe im beschriebenen System, nicht pauschal für andere Tierarten oder ältere Berechnungsverfahren.
Der Energiegehalt der Ration hängt in diesem System auch von der erwarteten Futteraufnahme ab. Die genannten FAN-Effekte werden auf Ebene der Gesamtration berücksichtigt, nicht für jedes einzelne Futtermittel separat. Das neue Eiweißsystem der Fachinformation bewertet außerdem verdauliches Protein im Dünndarm (sidP), also die tatsächlich verdaulichen Aminosäuren aus Mikrobenprotein und dem im Pansen nicht abgebauten Futterprotein. Diese Begriffe gehören zu diesem Bewertungssystem und sollten nicht ungeprüft mit älteren Kennzahlen wie nXP gleichgesetzt werden.
Partien nur mit passenden Vergleichswerten beurteilen
Eine Futterpartie kann sich in ihrem Wasser- und Nährstoffgehalt von einer anderen unterscheiden. Außerdem kann eine schlecht entnommene Probe die Unterschiede überzeichnen oder sogar ein falsches Bild liefern. Wenn inzwischen eine andere Partie verfüttert wird, sollte die Rationsberechnung den Vorjahres- oder Tabellenwert nicht einfach übernehmen.
Werte je Kilogramm Trockenmasse erleichtern den Vergleich zwischen feuchterem und trockenerem Futter. Belastbare Vergleiche setzen voraus, dass Futtermittelart und Analyseverfahren zusammenpassen. Auch das Bewertungssystem muss übereinstimmen. Bei der Nahinfrarotspektroskopie (NIRS) misst das Labor Licht und schätzt damit die Inhaltsstoffe. Dafür nutzt es eine passende Kalibrierung, also Vergleichswerte für die jeweilige Futtermittelart. Laut der bayerischen LfL-Anleitung zur Silagebeprobung beeinflusst die genaue Futtermittelbezeichnung bei der Anmeldung, welche Kalibrierung das Labor verwendet. Gras- und Maissilage sollten daher getrennt analysiert werden. Mineralstoffe lassen sich mit NIRS nicht bestimmen; dafür ist eine gesonderte Laboranalyse nötig.
Wie stark eine fehlerhafte Probe die Rationsrechnung verzerrt, zeigt ein LfL-Beispiel mit Maissilage von einer beregneten Anschnittfläche: Die Probe ergab 25,2 Prozent Trockenmasse, der tatsächliche Wert lag bei 32,5 Prozent. Bei 20 Kilogramm Frischmasse je Tier und Tag hätte die Berechnung so 5,0 statt 6,5 Kilogramm Trockenmasse ergeben. Auch die gemessenen Mineralstoffwerte lagen deutlich niedriger. Das ist ein Einzelfall, zeigt aber, warum eine einzelne unpassende Probe den errechneten Futtereinsatz und die Ergänzung mit Mineralfutter beeinflussen kann.
Silage so beproben, dass das Labor die Partie trifft
Silage sollte erst beprobt werden, wenn die Gärung weit genug abgeschlossen ist. Die LfL nennt sechs Wochen nach dem Einsilieren als frühesten Zeitpunkt; eine Probe nach etwa zwei Wochen kann sich deutlich vom später verfütterten Material unterscheiden. Die offene Schnittfläche des Silos kann trocken oder beregnet sein und bildet den übrigen Silagevorrat dann nicht zuverlässig ab.
Die LfL empfiehlt für eine repräsentative Probe, Material aus mehreren Stellen des Silos zu erfassen. Bei der Probenahme mit einem Bohrstock sollen mindestens drei Bohrungen im relevanten Bereich bis zum Siloboden reichen. Für Einzelproben nennt die LfL mindestens 2 Kilogramm; an das Labor gehen davon 500 bis 1.000 Gramm. Bis zum Versand bleibt die Probe höchstens ein bis zwei Tage gekühlt. Dauert es länger, sollte sie eingefroren werden. Abweichende Vorgaben des beauftragten Labors sind zu beachten.
Bei der Anmeldung sollten Futtermittelart und Ernteschnitt genau angegeben werden. Für Gras- oder Kleegrassilagen mit mindestens 50 Prozent Leguminosen gelten laut LfL je nach erstem oder späterem Schnitt unterschiedliche Energiegleichungen. Eine sorgfältige Beschriftung hilft dem Labor, die passende Auswertung zu wählen.
Analyseergebnisse in eine Rationsentscheidung übersetzen
Die Analyse beschreibt das untersuchte Futter; für eine fertige Ration müssen die Ergebnisse mit dem Bedarf der Tiere abgeglichen werden. Zuerst sollte geprüft werden, ob die Werte zur gelieferten Partie und zur Einheit der Rationsberechnung passen. Danach wird geprüft, ob die verfügbare Energie sowie die Protein- und Mineralstoffversorgung zum Bedarf der betreffenden Tiergruppe passen. Eine Änderung der Silage kann dabei sowohl die Trockenmasseaufnahme als auch den Nährstoffbeitrag je Kilogramm Frischfutter verändern.
Bei Rationsberechnungen etwa im deutschen System mit nXP (nutzbarem Rohprotein), RNB (ruminaler Stickstoffbilanz), MJ ME oder NEL muss das Labor laut LfL mit diesem System arbeiten. Eine Analyse aus einem anderen Bewertungssystem lässt sich nicht ohne Weiteres übertragen. Auch ein einzelner Kennwert wie Rohfaser oder Energie reicht nicht aus, um eine Ration zu beurteilen: Die Werte müssen gemeinsam und passend zur Tiergruppe betrachtet werden.
