Wer Grassilage verfüttert, muss wissen, wie viel Wasser sie enthält. Die Trockenmasse (TM) bezeichnet den Anteil des Futters, der nach dem Entfernen des Wassers übrig bleibt. Sie wird in Prozent angegeben. Der TM-Gehalt gibt an, welcher Anteil der Frischmasse als Trockenmasse verbleibt.
Der Wert hilft, die tatsächlich verfütterte Futtermenge einzuschätzen. Er verändert sich mit Erntebedingungen und Lagerung und kann auch bei der Entnahme schwanken. Für eine schnelle Schätzung wiegen Sie eine repräsentative Probe und trocknen sie vorsichtig. Für genaue Rationsberechnungen ist eine Laboranalyse verlässlicher.
Eine repräsentative Probe nehmen
Auch eine genaue Messung sagt wenig aus, wenn die Probe nicht typisch für die Silage insgesamt ist. Grassilage kann innerhalb eines Silos unterschiedlich feucht sein. Deshalb sollte die Probe aus frischem, gleichmäßig entnommenem Futter bestehen und nicht nur aus einer auffällig trockenen oder nassen Stelle.
Bei einer Probe aus dem geöffneten Flachsilo empfiehlt die LUFA NRW mindestens eine Einzelprobe je 4 m² Anschnittfläche. Verteilen Sie die Entnahmestellen über die Fläche und mischen Sie die Einzelproben. Beproben Sie nur den frischen Anschnitt nach der regulären Futterentnahme, nicht eine angetrocknete oder angeregnete Oberfläche. Die aktuelle LUFA-Anleitung empfiehlt die reguläre Beprobung nach sechs bis acht Wochen, wenn die Hauptgärphase abgeschlossen ist. Muss früher verfüttert werden, ist der frühe Befund eine Momentaufnahme; nach abgeschlossenem Silierprozess sollte erneut beprobt werden.
Für eine schnelle Kontrolle nehmen Sie mehrere Teilproben aus der frisch entnommenen Grassilage, bevor andere Futtermittel eingemischt werden. Eine Probe aus einer Mischration misst deren TM-Gehalt, nicht den der Grassilage. Mischen Sie die Teilproben vorsichtig und beziehen Sie alle tatsächlich verfütterten Grassilageschichten ein. Ausgesondertes, verdorbenes Material gehört nicht in diese Probe; verfütterte, weniger gute Schichten dürfen dagegen nicht aussortiert werden.
Für den Laborversand füllen Sie die vom Labor verlangte Menge aus der Mischprobe in einen sauberen Plastikbeutel, drücken die Luft heraus und verschließen ihn. Beschriften Sie ihn mit Futterart, Schnitt und Entnahmedatum. Nach LfL-Anleitung bleibt die Probe bis zum Versand höchstens ein bis zwei Tage gekühlt; bei späterem Versand wird sie eingefroren. Versenden Sie möglichst zu Wochenbeginn.
Trockenmasse mit Waage und Mikrowelle schätzen
Eine Mikrowelle liefert eine schnelle Näherung, wenn eine Waage und eine hitzefeste Schale vorhanden sind. Die Probe muss dabei so lange trocknen, bis sich ihr Gewicht kaum noch verändert. Die Methode eignet sich zur Orientierung; sie ersetzt keine standardisierte Laboranalyse.
Wiegen Sie zuerst die leere, mikrowellengeeignete Schale. Wiegen Sie anschließend 50–100 g gut durchmischte, frische Grassilage ein; die Landesforschungsanstalt Mecklenburg-Vorpommern nennt diesen Bereich und eine Waage mit etwa 1 g Ablesegenauigkeit. Notieren Sie die Nettomasse und verteilen Sie die Probe flach und gleichmäßig. Trocknen Sie auf der Auftaustufe unter durchgehender Aufsicht in kurzen Abschnitten. Stellen Sie besonders gegen Ende zusätzlich ein mikrowellengeeignetes Glas mit Wasser daneben und lassen Sie es nicht leerkochen. Mischen oder wenden Sie die Probe zwischen den Abschnitten und lassen Sie sie vor jeder Wägung abkühlen. Trocknen und wiegen Sie weiter, bis nach zusätzlicher Trocknung keine Gewichtsabnahme innerhalb der Waagenauflösung mehr feststellbar ist. Eine angebrannte Probe liefert keinen brauchbaren Messwert; wiederholen Sie die Messung mit frischem Material.
Die Rechnung lautet:
Trockenmasse in % = Anteil des Gewichts der trockenen Probe am Gewicht der frischen Probe, in Prozent ausgedrückt
Teilen Sie das Gewicht der getrockneten Probe durch das Gewicht der frischen Probe ohne Schale und rechnen Sie das Ergebnis in Prozent um. So erhalten Sie den TM-Gehalt. Wenn Sie die Schale mitwiegen, ziehen Sie ihr Leergewicht bei beiden Wägungen ab.
Überwachen Sie die Mikrowelle durchgehend. Zu hohe Leistung oder zu langes Erhitzen kann Rauch verursachen und die Probe entzünden. Stoppen Sie sofort, wenn Rauch entsteht oder die Probe verbrannt riecht. Je nach Probe und Mikrowelleneinstellung fällt die Schätzung unterschiedlich aus. Vergleichen Sie sie bei Bedarf mit einer Laboranalyse.
Laboranalyse und NIRS für genauere Werte
Ein Labor bestimmt die Trockenmasse mit einem standardisierten Verfahren. Bei Silage entweichen beim Trocknen neben Wasser auch flüchtige Bestandteile, etwa Gärsäuren und Alkohole. Deshalb ist die einfache Rückwaage nur eine Näherung; für die Futterbewertung wird die Labor-TM entsprechend korrigiert, wie das DLG-Merkblatt 503 erläutert. Übertragen Sie diese Laborkorrektur nicht ungeprüft auf eine eigene Mikrowellenmessung. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft erklärt außerdem, warum die Probe das Futter insgesamt gut abbilden muss. Für eine belastbare Rationsberechnung ist eine Laboruntersuchung geeigneter als eine einzelne Schnellmessung.
Eine weitere Möglichkeit ist die Nahinfrarotspektroskopie (NIRS). Dabei wird die Probe mit nahinfrarotem Licht untersucht. Das Verfahren nutzt das zurückgeworfene Licht, um unter anderem den Trockenmassegehalt zu schätzen. Die VDLUFA-Qualitätssicherung für Grasproben beschreibt NIRS als Möglichkeit zur schnellen Futteranalyse. Auch dabei kommt es auf eine repräsentative Probe an.
Den Messwert für die Fütterung einordnen
Die LfL nennt für Grassilage einen Orientierungsbereich für den Trockenmassegehalt. Das ist ein Richtwert, kein Ersatz für die Beurteilung der konkreten Silage und der gesamten Ration.
Ein niedrigerer Trockenmassegehalt wirkt sich direkt auf die benötigte Frischfuttermenge aus. Soll die Kuh bei unverändertem Trockenmassebedarf dieselbe Menge TM erhalten, braucht sie bei niedrigerem TM-Gehalt mehr Grassilage. Die tatsächliche Ration hängt auch von den übrigen Futtermitteln und dem Bedarf der Tiere ab.
