Ob Heu oder Heulage besser passt, hängt vor allem davon ab, wie viel Wasser das Futter enthält und wie es gelagert wird. Das bestimmt, wie es haltbar gemacht wird und welche Behandlung es nach der Ernte braucht. Heu trocknet an der Luft. Heulage wird feuchter gepresst und luftdicht in Folie verpackt, damit eine Gärung das Futter haltbar macht.
Für den Vergleich ist die Trockenmasse (TM) wichtig. Sie gibt an, wie viel vom Futter übrig bleibt, wenn man das Wasser abzieht. Laut DLG-Merkblatt zur Futterhygiene enthält Heulage mehr Wasser als Heu. Je nach Quelle und Fütterungspraxis hat der Begriff „Heulage“ unterschiedliche Bedeutungen.
Feuchte entscheidet über die Konservierung
Heu muss so weit trocknen, dass Schimmel und unerwünschte Gärung während der Lagerung möglichst wenig Chancen haben. Dafür braucht es trockenes Wetter und wiederholtes Wenden. Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein nennt für die Heuernte eine Schönwetterperiode von mindestens fünf Tagen und mehrmaliges Kehren als Voraussetzung, um den erforderlichen Trocknungsgrad zu erreichen.
Heulage wird gepresst, wenn noch mehr Wasser im Futter ist. In der geschlossenen Folie wird der vorhandene Sauerstoff aufgebraucht. Danach beginnt die Gärung, bei der das Futter haltbar wird. Bei trockenem Erntegut bildet sich weniger Säure. Das senkt den Schutz vor Verderb, wenn Luft an das Futter gelangt. Zudem ist die Einordnung bei sehr trockener Heulage nicht immer eindeutig: Laut DLG findet bei hohen TM-Gehalten keine ausreichende Ansäuerung mehr statt. Dann muss im Einzelfall beurteilt werden, ob das Futter noch als Silage oder als unter Kohlendioxideinfluss konserviertes Feuchtheu gilt.
Lagerung: Heu braucht Luft, Heulage eine intakte Folie
Frisch gepresstes Heu erwärmt sich zunächst durch Umsetzungsprozesse im Ballen und trocknet weiter nach. Deshalb müssen Ballen so gelagert werden, dass Luft zirkulieren und Feuchtigkeit entweichen kann. War das Erntegut beim Pressen noch zu feucht, kann es sich stark erhitzen und im Extremfall selbst entzünden. Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein empfiehlt deshalb Temperaturkontrollen im Heu.
Die Folie um Heulageballen muss unbeschädigt und luftdicht sein. Lagern Sie die Ballen auf befestigtem Untergrund. Schützen Sie die Folie vor Beschädigungen, zum Beispiel durch Vögel oder Geräte. Wird ein Ballen geöffnet oder die Folie verletzt, dringt Sauerstoff ein. Dann steigt das Risiko für aeroben Verderb, also für Erwärmung und Qualitätsverlust durch Luftkontakt. Ein geöffneter Ballen sollte daher zügig verfüttert werden; wie schnell, hängt unter anderem von Witterung und Futterzustand ab.
Fütterung: Futterart und Tier müssen zusammenpassen
Für Rinder können Heu und Heulage als Raufutter eingesetzt werden. Welche Variante in eine Ration passt, hängt unter anderem von Tiergruppe, Leistung und übrigen Futtermitteln ab. Weil Heulage mehr Wasser enthält, liefert ein Kilogramm davon weniger Trockenmasse als ein Kilogramm Heu. Vergleichen Sie Rationen deshalb anhand der Trockenmasse und der Nährstoffanalyse. Das Gewicht der vorgelegten Futtermenge allein reicht nicht.
Bei Kälbern kommt es zusätzlich auf Alter und Fütterungsziel an. Eine pauschale Menge lässt sich aus der Bezeichnung Heu oder Heulage nicht ableiten. Für Schweine gilt ebenfalls: Die Futterbezeichnung allein sagt nicht, ob und in welchem Umfang das Raufutter zur geplanten Ration passt. Menge und Einsatz müssen auf Tiergruppe und Gesamtration abgestimmt werden.
Bei Pferden ist die Zuordnung zwischen Heu und Heulage besonders uneinheitlich. Die DLG weist darauf hin, dass sich Heu und Heulage in der Pferdefütterung häufig nicht klar voneinander abzugrenzen sind. Auch gesundheitliche Aussagen sollten nicht allein am Futterwort festgemacht werden: Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein verweist darauf, dass Heulage in einer ausgewerteten Untersuchung nicht als Risikofaktor für Kotwasser identifiziert wurde; mögliche Ursachen gelten als vielfältig. Entscheidend bleiben hygienische Qualität, passende Rationsgestaltung und die individuelle Verträglichkeit.
Qualität prüfen, bevor das Futter in den Trog kommt
Prüfen Sie jede neue Futterpartie mit Augen und Nase. Farbe, Geruch und Struktur können auf Schimmel, Fehlgärung oder Erwärmung hinweisen. Prüfen Sie Heu außerdem auf ungewöhnliche Wärme im Ballen. Bei Heulage gehören Folienlöcher und aufgeblähte oder auffällige Ballen zu den Warnzeichen. Sichtbar verdorbenes Futter gehört nicht in den Trog.
Bei Zweifeln hilft eine Laboranalyse. Bei Heulage misst das Labor für die Gärqualität unter anderem Milch-, Essig- und Buttersäure sowie den pH-Wert. Diese Werte beschreiben die Gärung, erlauben aber laut LUFA Nord-West nur begrenzte Rückschlüsse auf die Stabilität nach dem Öffnen. Die DLG empfiehlt zusätzlich, Keimzahlen anhand von Orientierungswerten zu bewerten. Bei Rindern gelten Silagen ab der Qualitätsstufe KZS III als bedenklich; für Pferde sollen die strengeren Orientierungswerte der Stufe KZS I eingehalten werden.
