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Warum Kälber trotz Milchtränke Wasser brauchen

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Ein Kalb nimmt mit der Milch Flüssigkeit auf. Trotzdem braucht es jederzeit zusätzlich Trinkwasser. Milch liefert vor allem Nährstoffe. Wasser stillt den Durst zwischen den Mahlzeiten und hilft dem Kalb, Heu und Kälberstarter aufzunehmen. Eine Milchtränke ist dabei die Milchversorgung, zum Beispiel aus einem Eimer mit Sauger.

Bieten Sie Wasser am besten in einem offenen Eimer oder einer Tränkeschale an. So kann das Kalb selbst trinken, wenn es Durst hat. Die Wasseraufnahme hängt unter anderem vom Alter und der Futteraufnahme ab. Auch Temperatur und Gesundheit spielen eine Rolle.

Wasser versorgt den Körper und unterstützt die Pansenentwicklung

Wasser löst Nährstoffe und transportiert sie im Körper. Es trägt außerdem zum Zelldruck und zur Wärmeregulation bei. Das hilft den Zellen, ihre Form zu behalten, und dem Körper, seine Temperatur zu regeln. Bei Hitze ist Wasser besonders wichtig. Bei Durchfall verliert das Kalb über den Kot Flüssigkeit, die es ersetzen muss. Das LKV Bayern beschreibt den Wasseranteil im Körper neugeborener Kälber mit etwa 80 Prozent.

Milch und Wasser gelangen auf unterschiedlichen Wegen in den Magen. Beim Saugen löst Milch den Schlundrinnenreflex aus: Dabei schließt sich eine Rinne, durch die die Milch am Pansen vorbei in den Labmagen gelangt. Wasser aus einem offenen Gefäß gelangt dagegen in den Pansen, einen Vormagen des Kalbes. Dort unterstützt es die Entwicklung der Pansenflora, also der Mikroorganismen, die später bei der Verdauung von Pflanzenfasern helfen. Wasser fördert außerdem die Aufnahme von Festfutter wie Kälberstarter und Heu, wie das Staatsgut Grub erklärt.

Deshalb sollte Wasser nicht über einen Sauger angeboten werden. Ein Kalb soll Milch über den Sauger und Wasser aus einem offenen Gefäß aufnehmen. Das hält die beiden Trinkwege auseinander.

Freier Zugang hilft auch bei reduzierter Milchmenge

Sobald die Milchmenge sinkt und das Kalb mehr Festfutter frisst, reicht die Flüssigkeit aus der Milch immer weniger aus. Dann hängt die Versorgung stärker davon ab, ob Wasser jederzeit verfügbar ist. Das gilt besonders bei warmem Wetter und bei Durchfall. Das Staatsgut Grub berichtet außerdem von seltenerem Durchfall bei Kälbern mit ständigem Wasserzugang. Wasser ersetzt bei Durchfall allerdings keine tierärztliche Beurteilung oder gegebenenfalls notwendige Behandlung.

Die Empfehlungen zum Startzeitpunkt unterscheiden sich: Das DLR Rheinland-Pfalz und das LKV Bayern sprechen sich für Wasser ab dem ersten Lebenstag aus. Das DLG-Merkblatt 404 nennt freien Zugang ab der zweiten Lebenswoche. Das DLR verweist außerdem auf eine Cross-Compliance-Vorgabe, also eine Vorgabe für landwirtschaftliche Betriebe. Danach müssen über zwei Wochen alte Kälber jederzeit Zugang zu Wasser in ausreichender Menge und Qualität haben. Welche Vorgaben für den eigenen Betrieb gelten, hängt vom Standort ab. Prüfen Sie deshalb die aktuelle Regelung für Ihren Standort.

Als Orientierung nennt das LKV Bayern für die ersten 16 Lebenstage eine durchschnittliche Wasseraufnahme von etwa 0,75 Litern täglich; die Mengen unterscheiden sich zwischen einzelnen Kälbern. Ein niedriger Verbrauch in den ersten Tagen ist daher kein Grund, Wasser wegzulassen. Entscheidend ist, dass es verfügbar bleibt.

So prüfen Sie Wasser, Gefäß und Aufnahme

Prüfen Sie täglich, ob im Eimer oder in der Tränkeschale genug sauberes Wasser ist und die Tränke funktioniert. Wechseln Sie das Wasser und reinigen Sie das Gefäß regelmäßig. Stellen Sie Wasser getrennt vom Futter auf, damit Futterreste es nicht verunreinigen. Prüfen Sie bei Selbsttränkebecken auch, ob Wasser nachläuft. Das LKV Bayern empfiehlt eine jährliche Wasseranalyse und bei Auffälligkeiten eine häufigere Prüfung. Bei Brunnenwasser ist eine Laboranalyse besonders wichtig.

Achten Sie außerdem darauf, ob das Kalb die Tränke findet und daraus trinkt. Wenn Sie ein Kalb von einem Eimer auf eine Schalentränke umstellen, braucht es mitunter Zeit, um die neue Tränke kennenzulernen. Bieten Sie während dieser Eingewöhnung zusätzlich Wasser im Eimer oder Trog an. Das schützt davor, dass das Kalb aus Unkenntnis zu wenig trinkt und zugleich schlechter frisst.

Der Hautfaltentest und die Urinfarbe geben Hinweise darauf, ob das Kalb genug Flüssigkeit hat, ersetzen aber keine Untersuchung. Beim Hautfaltentest wird geprüft, wie schnell eine angehobene Hautfalte wieder glatt wird. Wenn ein Kalb auffällig wenig trinkt, die Tränke meidet oder Durchfall hat, prüfen Sie die Versorgung und ziehen Sie bei Krankheitsverdacht eine Tierärztin oder einen Tierarzt hinzu. Laut DLR kann eine ungewöhnlich hohe Wasseraufnahme auch darauf hinweisen, dass das Kalb zu wenig Milch oder Festfutter aufnimmt. Prüfen Sie dann die gesamte Fütterung, statt den Zugang zu Wasser zu begrenzen.

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