Bei Milchkühen zeigen Futterreste, wie viel Futter eine Gruppe tatsächlich aufgenommen hat und was am Futtertisch liegen bleibt. Wer die Reste regelmäßig wiegt und ihre Zusammensetzung prüft, erkennt Veränderungen beim Futterverzehr. Die Reste geben auch Hinweise darauf, ob Kühe einzelne Futterbestandteile bevorzugen oder das Futter schlecht schmeckt. Ihre Menge allein zeigt jedoch nicht, ob die Ration ausgewogen ist.
Die aufgenommene Futtermenge berechnen Sie, indem Sie die Reste von der angebotenen Futtermenge abziehen. Für eine aussagekräftige Kontrolle müssen Sie beides für dieselbe Gruppe erfassen und die Reste täglich zum gleichen Zeitpunkt wiegen, möglichst vor der nächsten Fütterung. Die folgenden Abschnitte zeigen, wie Sie die Werte berechnen und die Reste beurteilen.
Futteraufnahme aus Angebot und Resten berechnen
Wiegen Sie das vorgelegte Futter und die Reste einer Gruppe. Ziehen Sie das Restgewicht vom angebotenen Gewicht ab und teilen Sie das Ergebnis durch die Zahl der Kühe:
Futteraufnahme je Kuh = (angebotene Futtermenge − Futterreste) ÷ Zahl der Kühe
So erhalten Sie die durchschnittliche Aufnahme je Kuh für den erfassten Zeitraum. Der LKV Sachsen empfiehlt, die Futterreste zu wiegen und sie täglich nach demselben Schema zu kontrollieren. Wenn die Reste vor dem Wiegen bereits entfernt wurden, lässt sich die Aufnahme für diesen Zeitraum nicht mehr zuverlässig berechnen.
Die Rechnung mit dem Frischgewicht zeigt noch nicht, wie viel Trockenmasse die Kühe aufgenommen haben. Frischgewicht umfasst das Wasser im Futter; Trockenmasse ist der Futteranteil ohne Wasser. Für die Berechnung der Trockenmasseaufnahme brauchen Sie deshalb den Trockenmassegehalt des Futters. Haben das angebotene Futter und die Reste unterschiedliche Trockenmassegehalte, berechnen Sie beide getrennt. Der LKV Sachsen nennt neben dem Wiegen auch die Möglichkeit, den Trockenmasse-, Faser- und Stärkegehalt der Reste zu bestimmen.
Prozentwerte nur als Orientierung nutzen
Sie können das Gewicht der Futterreste mit dem Gewicht des angebotenen Futters vergleichen. Der Prozentwert bezieht sich dabei auf das Frischgewicht des angebotenen Futters, nicht auf die Trockenmasseaufnahme.
Eine Fachquelle nennt etwa 3,5 Prozent als Orientierungswert. Sie beschreibt weniger als 1 Prozent als mögliches Zeichen für einen knappen Futtertisch und mehr als 10 Prozent als Hinweis auf hohe Futterverluste. Diese Werte sind keine einheitliche Empfehlung für alle Betriebe. Sie hängen unter anderem vom Fütterungsmanagement und von der Tiergruppe ab. Nutzen Sie sie daher nur als grobe Orientierung. Vergleichen Sie die Werte unter gleichbleibenden Bedingungen im eigenen Betrieb und untersuchen Sie Abweichungen.
Aussehen und Verteilung der Reste prüfen
Die Menge allein erklärt nicht, warum Futter liegen bleibt. Prüfen Sie, ob die Reste dem vorgelegten Futter ähneln oder ob bestimmte Bestandteile überwiegen. Sortieren bedeutet, dass Kühe bevorzugt einzelne Futterbestandteile aufnehmen und andere liegen lassen. Löcher im Futterhaufen oder deutlich sichtbare grobe Bestandteile in den Resten können darauf hindeuten. Der LKV Sachsen beschreibt Löcher im Futter als Hinweis auf selektives Fressen; auch die Ohio State University weist darauf hin, dass Kühe Futter sortieren können.
Vergleichen Sie die Reste außerdem mit dem frisch vorgelegten Futter. Bleiben auffällig viele grobe Teile übrig, prüfen Sie die Zusammensetzung und Struktur des Futters. Steigt die Restmenge, obwohl noch Futter am Trog liegt, prüfen Sie auch, ob das Futter gut schmeckt und wie es gemischt wurde. Diese Beobachtungen zeigen, was Sie prüfen sollten, klären die Ursache aber nicht. Bei wiederkehrenden Auffälligkeiten helfen eine Untersuchung der Reste und eine Beratung zur Ration, die Ursache einzugrenzen.
Futtertisch und Fütterung mitkontrollieren
Auch der Zugang zum Futter beeinflusst, wie viel die Kühe fressen und welche Reste Sie sehen. Schieben Sie das Futter regelmäßig näher an den Trog, damit die Tiere es erreichen. Häufigeres Nachschieben kann laut Ohio State University Futterreste und Verluste verringern und die Mischung am Futtertisch wieder verteilen. Prüfen Sie auch, ob alle Tiere ausreichend Zugang haben: Gedränge am Futtertisch kann das Fressverhalten beeinflussen.
Bei warmem Wetter prüfen Sie die Futterqualität und die Temperatur am Trog. Die Universität Wisconsin empfiehlt, die Temperatur des Futters am Futtertisch zu beobachten und eine Fütterung zweimal täglich in Betracht zu ziehen, um Verderb vorzubeugen. Ob das zum Betrieb passt, hängt von den örtlichen Bedingungen und dem Fütterungsablauf ab.
