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Luzerne in der Milchviehration richtig einsetzen

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Inhalt4 Abschnitte
  1. Luzerne ergänzt Eiweiß und Struktur
  2. Was Luzerne von Gras, Mais und Stroh unterscheidet
  3. Einsatzmenge nach Analyse statt nach Faustzahl festlegen
  4. Luzernesilage schonend ernten und gut anwelken

Luzerne liefert Eiweiß und strukturwirksame Faser als Grobfutter für Milchkühe. Grobfutter ist der faserreiche Futteranteil einer Ration, etwa Gras- oder Maissilage, Heu und Stroh. So kann Luzerne Eiweiß aus dem eigenen Betrieb liefern und die Strukturversorgung ergänzen. Welche Futtermittel und Mengen sie ersetzen kann, hängt von ihrer Qualität und dem übrigen Futter ab.

Für die Rationsplanung ist deshalb eine Futteranalyse wichtig. Luzerne hat weniger Energie als Gras- und Maissilage, und ihre Nährstoffwerte schwanken. Fütterungsversuche liefern Richtwerte, aber keine Einsatzmenge, die für alle Rationen gilt. Bei Luzernesilage hängen die Verluste auch davon ab, wie schonend geerntet und sorgfältig konserviert wird.

Luzerne ergänzt Eiweiß und Struktur

In den untersuchten Bayerischen Staatsgütern stammten bei Milchleistungen um 9.000 Kilogramm je Kuh und Jahr 40 bis 60 Prozent des Rohproteins aus Grobfutter. Rohprotein bezeichnet den Gesamtgehalt an stickstoffhaltigen Verbindungen im Futter. Der Maissilageanteil beeinflusste besonders stark, wie viel Eiweiß das Grobfutter lieferte. Bei hohen Maisanteilen können eiweißreiches Gras, Kleegras oder Luzerne die Ration ergänzen und den Bedarf an zugekauftem Eiweißkonzentrat senken. Die Ergebnisse gelten für die untersuchten Betriebe und die Jahre 2009 bis 2012. Sie lassen sich nicht auf jede Milchviehration übertragen. Die Auswertung der Bayerischen Staatsgüter beschreibt diesen Zusammenhang.

Luzerne trägt außerdem zur Strukturversorgung bei. Strukturwirksame Faser regt das Wiederkauen an und unterstützt die Funktion des Pansens. In Fütterungsversuchen am Staatsgut Grub zeigte Luzerne positive Effekte auf Futteraufnahme und Strukturwirkung. Der Versuch zeigt diesen Nutzen unter den dortigen Bedingungen. Für andere Rationen ist die Wirkung damit nicht festgelegt.

Was Luzerne von Gras, Mais und Stroh unterscheidet

Luzerne enthält mehr Rohprotein als Stroh und wirkt strukturwirksam. Damit kann sie Stroh teilweise ersetzen und zugleich Eiweiß in die Ration bringen. Gras- und Maissilage liefern laut Landwirtschaftskammer NRW dagegen mehr Energie. Ein hoher Luzerneanteil liefert deshalb nicht automatisch ebenso viel Energie.

Ein Versuch im Haus Riswick verdeutlicht, warum sich Ergebnisse nicht pauschal übertragen lassen. Von Oktober 2012 bis Januar 2013 erhielten vier Gruppen mit jeweils 25 hochleistenden Holsteinkühen in einer Mischration entweder 1 Kilogramm Stroh oder 1, 2 beziehungsweise 4 Kilogramm Luzerneheu. Trockenmasse bezeichnet den Futteranteil, der übrig bleibt, wenn man das Wasser abzieht. In der Gruppe mit 1 Kilogramm Luzerneheu betrug die energiekorrigierte Milchmenge (ECM) 36,2 Kilogramm pro Tag, gegenüber 33,0 Kilogramm in der Strohgruppe; der Unterschied war im Versuch signifikant. Auch mit diesem Versuchsergebnis gilt: Luzerne hat weniger Energie als Gras- und Maissilage. Die Versuchsergebnisse aus Haus Riswick gelten für dieses Futter und diese Rationsgestaltung.

Auch die Menge hat wirtschaftliche und fütterungspraktische Folgen. Im Haus-Riswick-Versuch stiegen die täglichen Futterkosten mit zunehmender Luzerneheu-Menge. Die Gruppe mit 4 Kilogramm lag bei 17,3 Cent je Kilogramm ECM. Zudem zeigte diese Gruppe eine erhöhte Netto-Säure-Basen-Ausscheidung im Harn, ein Messwert für die Säure-Basen-Belastung. Die Versuchsauswertung stuft 1 bis 2 Kilogramm Luzerneheu als geeignet ein, um die Strukturversorgung abzusichern. Das ist ein Orientierungswert für die dortige Ration, keine allgemeine Dosierungsempfehlung. Die Landwirtschaftskammer weist zugleich darauf hin, dass die Qualität von Luzerneprodukten schwankt und eine Futteranalyse für die Rationsberechnung nötig ist.

Einsatzmenge nach Analyse statt nach Faustzahl festlegen

Luzerne passt besonders als Ergänzung, wenn die Ration viel Maissilage enthält oder wenn strukturwirksames Futter mit mehr Rohprotein als Stroh gefragt ist. Vor dem Einsatz sollte eine Analyse klären, wie viel Trockenmasse und Rohprotein das konkrete Heu oder die Silage tatsächlich liefert. Sie sollte auch den Energiegehalt erfassen. Dann lässt sich prüfen, welche Komponenten Luzerne sinnvoll ersetzt und ob die Ration weiterhin ausreichend Energie enthält.

Eine feste Höchstmenge für Luzerne in Milchviehrationen lässt sich aus den verfügbaren Versuchen nicht ableiten. Die Ergebnisse unterscheiden sich zudem nach Futterform: Der Haus-Riswick-Versuch prüfte Luzerneheu in einer Mischration, während die Versuche am Staatsgut Grub Luzerne ausschließlich als Silage einsetzten. Die Menge aus einem Heuversuch lässt sich daher nicht einfach auf Luzernesilage übertragen.

Luzernesilage schonend ernten und gut anwelken

Luzerne lässt sich zu Silage verarbeiten. Dabei kommt es auf eine sorgfältige Ernte und Konservierung an. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft nennt sauberes Laden und ausreichendes Anwelken als zentrale Schritte. Anwelken heißt, das gemähte Futter vor dem Einsilieren trocknen zu lassen. Als Ziel nennt die LfL etwa 35 Prozent Trockenmasse. In ihren Versuchen lagen die Trockenmasseverluste bei Luzernesilage im mittleren Bereich bei rund 12 Prozent, gegenüber etwa 10 Prozent bei Gras- und Maissilage. Die LfL-Informationen zu Anbau, Konservierung und Fütterung geben den fachlichen Rahmen für den Umgang mit Luzerne.

Schonende Erntetechnik schützt den Bestand und das Erntegut. Am Staatsgut Grub wurde das gemähte Material für die Silage sofort in Schwaden abgelegt, um mechanische Belastung zu begrenzen. Auch die Fläche beeinflusst den Ertrag: Im ersten Hauptnutzungsjahr nach einem Flächenwechsel wurden dort 2012 im Mittel 91 Dezitonnen Trockenmasse und 17 Dezitonnen Rohprotein je Hektar geerntet. Dezitonne bedeutet 100 Kilogramm. Im dritten Hauptnutzungsjahr sank der Ertrag 2011 wegen Unkrautbefalls. Diese Zahlen stammen von einem bestimmten Standort und garantieren keine entsprechenden Erträge an anderen Orten.

Auch die Silierbarkeit hängt von Bestand und Erntegut ab. Eine Kieler Untersuchung aus dem ökologischen Landbau bewertete Luzernebestände als schwieriger zu silieren als vergleichbare Rotklee-Bestände; der reine erste Luzerneschnitt galt als unzureichend silierfähig. Die LfL beschreibt dagegen Luzernesilage als praktikabel, wenn das Erntegut sauber geladen und ausreichend angewelkt wird. Die Untersuchungen unterscheiden sich. Ihre Ergebnisse erlauben keine allgemeine Aussage, die für jede Luzernesilage gilt. Die Kieler Untersuchung zu Luzerne- und Rotkleegras zeigt, dass Bestand und Begleitgrasanteil bei der Silierung berücksichtigt werden müssen.

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