In Rinder- und Schweineställen heißt nährstoffangepasste Fütterung: Die Zusammensetzung und Menge des Futters, die Ration, richtet sich nach dem Bedarf der jeweiligen Tiergruppe. Dabei geht es meist um Stickstoff und Phosphor. Nimmt ein Tier davon mehr auf, als es für Milch, Fleisch oder Wachstum braucht, scheidet es den Überschuss überwiegend mit Kot und Harn aus. Zu wenig davon kann Leistung und Gesundheit beeinträchtigen.
Die Nährstoffgehalte im Futter müssen zum Bedarf der Tiere passen. Bei Schweinen lässt sich das besonders gut mit unterschiedlichen Futtermischungen für die Mastphasen erreichen. Bei Rindern kommt es unter anderem auf die Tiergruppe, ihre Leistung und die Zusammensetzung des Grundfutters an. Die Vorgaben der TA Luft zur nährstoffangepassten Fütterung betreffen Schweine- und Geflügelhaltungen; sie gelten nicht pauschal für Rinderställe.
Warum weniger Nährstoffüberschüsse zählen
Stickstoff und Phosphor, die das Tier nicht für Erhaltung, Wachstum oder Leistung nutzt, werden ausgeschieden. Das erhöht die Nährstoffmenge im Wirtschaftsdünger. Bei Stickstoff kann ein Teil als Ammoniak aus dem Stall entweichen. Eine bedarfsgerechte Ration senkt solche Überschüsse und hilft, Nährstoffeinträge in Luft, Boden und Wasser zu begrenzen. Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen erläutert den Zusammenhang für Schweine.
Eiweiß oder Phosphor sollten dabei nicht einfach möglichst stark gekürzt werden. Rohprotein gibt an, wie viel Eiweiß das Futter enthält. Bei Schweinen müssen auch die essenziellen Aminosäuren stimmen. Das sind Eiweißbausteine, die das Tier für Wachstum und Körperfunktionen braucht. Außerdem muss genügend Phosphor verfügbar sein. Eine Unterversorgung gefährdet Leistung und Gesundheit.
Schweinerationen an Mastphasen anpassen
Der Nährstoffbedarf von Schweinen verändert sich während der Mast. Eine Futtermischung für jüngere Tiere enthält oft mehr Eiweiß, als ein Tier in der Endmast für weiteres Wachstum braucht. Deshalb bekommen Schweine bei der Phasenfütterung nacheinander verschiedene Mischungen, abgestimmt auf den jeweiligen Abschnitt der Mast. So entstehen weniger Überschüsse als bei einer einzigen Mischung für die gesamte Mast.
Ein bayerisches Praxisprojekt zeigt, dass eine Absenkung des Rohproteingehalts mit stabiler Leistung vereinbar war: In den Auswertungen organisierter Mastbetriebe sank der durchschnittliche Rohproteingehalt der mittleren Mastmischung von 167 Gramm je Kilogramm Futter im Juli 2015 auf 151,4 Gramm im Juli 2021. Die Schlacht- und Mastleistung verschlechterte sich in diesen Auswertungen nicht. Die Werte beschreiben die erfassten Betriebe und sind keine pauschale Rationsempfehlung. Die LfL-Auswertung zur Schweinemast empfiehlt unter anderem, Eiweißkomponenten mit klarem Konzept anzupassen und besonders die Endmast zu prüfen, in der viel Futter aufgenommen wird.
Für die Futterberechnung müssen Rohprotein und Aminosäuren gemeinsam berücksichtigt werden. Auch der Phosphorgehalt muss geprüft werden. Futteranalysen und verlässliche Angaben zu den verwendeten Futtermitteln helfen, unnötig hohe Sicherheitszuschläge zu vermeiden. Änderungen sollten so geplant werden, dass die Tiere ausreichend versorgt sind und Futteraufnahme und Leistung stimmen.
Für Schweine verlangt die TA Luft, die Ammoniakemissionen gegenüber einer einphasigen Fütterung ohne Nährstoffanpassung um 20 Prozent zu senken. Bestimmte genehmigungsbedürftige Anlagen müssen dies mit einer Massenbilanz nachweisen. Dafür werden die Nährstoffe im Futter mit den Nährstoffen verglichen, die über die erzeugte Leistung abgegeben werden. Welche Nachweise nötig sind, hängt von der Anlage und ihrer Genehmigung ab. Die Hinweise des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen beschreiben die Anforderungen für Hessen.
Rinderrationen nach Tiergruppe und Grundfutter berechnen
Bei Rindern richtet sich die Futterberechnung zuerst danach, welche Tiere das Futter bekommen. Eine Milchkuh, die Milch gibt, braucht etwas anderes als eine Kuh, die gerade keine Milch gibt, ein Kalb oder ein Masttier. Auch das Grundfutter beeinflusst die Berechnung: Grassilage und Maissilage unterscheiden sich im Energie- und Eiweißgehalt. Das gilt auch für Heu. Deshalb sollte der Betrieb die Futterwerte untersuchen lassen und die Ration für jede Tiergruppe berechnen.
Bei Milchkühen muss die Eiweißversorgung zur Energieversorgung und zur Milchleistung passen. Im Pansen, dem größten Vormagen des Rindes, bauen Mikroorganismen Futterbestandteile ab. Dabei bilden sie Eiweiß, das dem Tier zugutekommt. Wird nur der Rohproteingehalt gesenkt und die übrige Versorgung nicht berücksichtigt, gerät die Ration aus dem Gleichgewicht. Deshalb sollten Betriebe zuerst die Werte des Grundfutters erfassen. Anschließend berechnen sie die Menge der Ergänzungsfuttermittel so, dass die Versorgung zum Bedarf der Tiergruppe passt.
Phosphor sollte ebenfalls anhand der Futterwerte und des Bedarfs geprüft werden. Liefert das Grundfutter bereits einen relevanten Anteil, muss die Ergänzung entsprechend berechnet werden. Eine pauschale Kürzung oder Zugabe ist ungeeignet, weil sowohl Überschüsse als auch eine Unterversorgung problematisch sind. Nach einer Rationsänderung geben Milchleistung und Futteraufnahme zusammen mit der Körperkondition Hinweise darauf, ob die Versorgung weiterhin zur Tiergruppe passt.
Rationen kontrollieren und schrittweise nachstellen
Eine Berechnung bleibt nur so gut wie ihre Ausgangsdaten. Betriebe sollten deshalb Futteranalysen aktualisieren, wenn sich Silagen oder andere wesentliche Futterkomponenten ändern. Bei Schweinen gehört außerdem die tatsächlich gefressene Menge in die Bewertung; bei Rindern müssen Grundfutteraufnahme und Leistung der jeweiligen Gruppe berücksichtigt werden.
Betriebe sollten Änderungen dokumentieren und mit einer Fütterungsberatung oder Fachleuten für Tierernährung abstimmen. Das ist besonders wichtig, wenn sie mehrere Nährstoffgehalte gleichzeitig senken. So können sie prüfen, ob die Anpassung Überschüsse verringert, ohne die Versorgung oder Leistung zu beeinträchtigen. Für genehmigungspflichtige Schweineanlagen ist außerdem der vorgeschriebene Nachweis nötig.
