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Proteinversorgung der Milchkuh: Kennzahlen richtig kombinieren

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Inhalt4 Abschnitte
  1. Was Rohprotein, nXP und RNB jeweils aussagen
  2. Was der Milchharnstoff ergänzt
  3. Kennzahlen gemeinsam lesen
  4. GfE 2023: Neue Werte nicht mit alten gleichsetzen

Bei Milchkühen zeigt ein einzelner Kennwert selten, ob die Eiweißversorgung stimmt. Rohprotein (XP) gibt an, wie viel Stickstoff das Futter enthält. Im älteren Bewertungssystem schätzt nXP, wie viel Protein am Anfang des Dünndarms verfügbar ist. Die ruminale Stickstoffbilanz (RNB) vergleicht rechnerisch, wie viel Stickstoff den Mikroben im Pansen zur Verfügung steht und wie viel sie für den Aufbau ihres eigenen Proteins brauchen. Der Milchharnstoff ergänzt diese berechneten Rationswerte um einen Messwert aus der Milch.

Zusammen zeigen die Kennzahlen, ob die Ration genug Protein liefert und ob die Pansenmikroben den verfügbaren Stickstoff nutzen können. Betriebe müssen dabei wissen, nach welchem Bewertungssystem die Werte berechnet wurden. Die Empfehlungen der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE) von 2023 führen neue Kennzahlen ein, die sich nicht direkt in nXP oder RNB umrechnen lassen.

Was Rohprotein, nXP und RNB jeweils aussagen

Rohprotein (XP) gibt den Proteingehalt eines Futtermittels anhand seines Stickstoffgehalts an. Der Wert zeigt die Menge, aber nicht, wie viel davon die Kuh verdaut oder für die Milchbildung und ihren Erhaltungsbedarf nutzen kann. Ein hoher XP-Wert allein belegt deshalb keine bedarfsgerechte Versorgung.

Im Bewertungssystem der GfE von 2001 ergänzt nXP die Rohproteinangabe. Die Abkürzung steht für das am Anfang des Dünndarms verfügbare Rohprotein. Es umfasst Protein aus dem Futter, das den Pansen passiert, und Protein, das Pansenmikroben gebildet haben. nXP beschreibt damit besser als XP, was dem Tier für die weitere Verdauung angeboten wird. Die LfL Bayern erklärt die Unterschiede zwischen XP, nXP und dem neuen sidP.

Die ruminale Stickstoffbilanz (RNB) bezieht sich auf den Pansen. Dort bauen Mikroorganismen Futterbestandteile ab und benötigen Stickstoff, um eigenes Protein zu bilden. Die RNB vergleicht, wie viel Stickstoff den Mikroben zur Verfügung steht und wie viel sie brauchen. Ein positiver Wert zeigt im alten System einen rechnerischen Stickstoffüberschuss im Pansen an; ein negativer Wert weist auf eine rechnerisch knappe Versorgung hin. Das ist eine Rationskennzahl und keine direkte Messung der Stickstoffverwertung durch die Kuh.

Was der Milchharnstoff ergänzt

Milchharnstoff entsteht, wenn die Kuh überschüssigen Ammoniak aus dem Pansen über die Leber zu Harnstoff umwandelt. Harnstoff gelangt ins Blut und von dort auch in die Milch. Der Milchharnstoff gibt daher einen Hinweis darauf, wie viel Stickstoff im Stoffwechsel anfällt, den die Kuh nicht für die Bildung von Mikrobenprotein oder körpereigenem Protein nutzt.

Der Milchharnstoff ersetzt weder XP noch nXP oder RNB. Er zeigt auch nicht allein, warum eine Ration auffällig ist. Eine erhöhte Milchharnstoffkonzentration passt zum Beispiel zu einem Stickstoffüberschuss im Pansen. Sie zeigt für sich genommen aber nicht, ob die Proteinmenge zu hoch ist, ob die Pansenmikroben zur richtigen Zeit genug vergärbare Energie erhalten oder ob andere Fütterungsbedingungen eine Rolle spielen. Auch ein niedriger Wert beweist keinen Proteinmangel.

Betriebe sollten den Milchharnstoff anhand der Rationsberechnung beurteilen und dabei auch Futteranalysen sowie Leistungsdaten heranziehen. Die Proben müssen vergleichbar sein, zum Beispiel hinsichtlich Probenart und Zeitpunkt. Die hier herangezogenen Fütterungsempfehlungen nennen weder einen allgemein gültigen Zielwert noch eine sichere Diagnose anhand eines einzelnen Milchharnstoffwerts. Für Grenzbereiche gelten deshalb die Vorgaben des untersuchenden Labors und die Beratung für den jeweiligen Betrieb.

Kennzahlen gemeinsam lesen

Mit der Kombination der Werte lassen sich mögliche Ursachen eingrenzen; eine automatische Fütterungsempfehlung ergibt sich daraus nicht:

Befund im älteren System Was er nahelegt Was als Nächstes zu prüfen ist
XP hoch, nXP passend, RNB deutlich positiv, Milchharnstoff erhöht Viel Stickstoff gelangt in den Pansen; ein Teil davon wird möglicherweise nicht für mikrobielles Protein genutzt. Rationsanteile und Futteraufnahme prüfen und untersuchen, ob die Pansenmikroben ausreichend nutzbare Energie erhalten.
XP ausreichend, nXP niedrig, RNB positiv Viel Rohprotein bedeutet nicht zwingend, dass genügend nutzbares Protein am Dünndarm ankommt. Proteinabbau im Pansen und Anteil des den Pansen passierenden Futterproteins prüfen.
RNB negativ und Milchharnstoff niedrig Die rechnerische Stickstoffversorgung der Pansenmikroben ist knapp; der Milchwert liefert dazu einen passenden Hinweis. Futteranalyse und Rationsberechnung kontrollieren. Erst danach über eine Änderung entscheiden.
RNB und Milchharnstoff zeigen in verschiedene Richtungen Die Kennzahlen bilden unterschiedliche Aspekte ab oder die Vergleichbarkeit der Daten ist unklar. Probenzeitpunkt, Futteraufnahme, Rationsberechnung und verwendetes Bewertungssystem prüfen.

Betriebe sollten zuerst die Grundration prüfen. Bei hohem XP und knappem nXP reicht eine bloße Erhöhung des Rohproteins nicht aus. Zu prüfen ist, ob die Ration genug Protein liefert, das am Dünndarm verfügbar ist, und ob die Pansenmikroben den abbaubaren Stickstoff nutzen können. Änderungen müssen in eine vollständige Rationsberechnung einfließen. Einzelne Kennzahlen sagen nicht sicher, welche Futtermenge passt.

Auch eine passende Milchleistung beweist für sich genommen keine optimale Stickstoffversorgung. Umgekehrt ist ein einzelner auffälliger Milchharnstoffwert kein Grund, die Ration sofort umzustellen. Aussagekräftiger ist ein wiederkehrendes Muster aus Futteranalyse, Rationswerten und vergleichbaren Milchproben.

GfE 2023: Neue Werte nicht mit alten gleichsetzen

Die GfE hat 2023 neue Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung veröffentlicht. Im neuen Proteinsystem stehen sidP, also Protein, das die Kuh im Dünndarm verdauen kann, und sidAA, also Aminosäuren, die sie dort verdauen kann, im Mittelpunkt. Für den Pansen ersetzt die ruminale mikrobielle Differenz (RMD) die RNB. Sie beschreibt die Differenz zwischen dem im Pansen abgebauten Rohprotein und dem dort gebildeten mikrobiellen Rohprotein. Die RMD ist laut LAZBW nicht direkt mit der bisherigen RNB vergleichbar.

Auch nXP und sidP messen nicht dasselbe: nXP bezieht sich auf das verfügbare Rohprotein am Anfang des Dünndarms, sidP auf den verdaulichen Anteil am Ende des Dünndarms. Eine Zahl aus einer alten Rationsberechnung lässt sich deshalb nicht unverändert als neuer Kennwert verwenden. Die GfE-Neuerungen und der vorgesehene Übergang in die Praxis erläutert das DLR Rheinland-Pfalz.

Bei den neuen Futterwerten spielt auch die Futteraufnahme eine Rolle: sidP und die Energieangabe werden unter Bezug auf das Futteraufnahmeniveau bewertet. Deshalb lässt sich ein Futtermittelwert nur sinnvoll einordnen, wenn Körpergewicht und Futteraufnahme der betreffenden Kühe bekannt sind. Beim Vergleich von Analysen und Rationsberechnungen sollten Betriebe prüfen, ob alle Werte nach demselben Bewertungssystem und auf derselben Bezugsbasis berechnet wurden.

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