In der Rinderfütterung liefert Harnstoff den Mikroorganismen im Pansen Stickstoff. Im Pansen, dem größten Vormagen des Rinds, brauchen die Mikroorganismen außerdem gut vergärbare Energie, um Eiweiß aufzubauen. Dieses mikrobielle Eiweiß versorgt das Rind mit Nährstoffen.
Harnstoff ersetzt deshalb kein vollständiges Eiweißfuttermittel. Er liefert weder Energie noch Eiweiß, das den Pansen weitgehend unverdaut verlässt und erst später im Darm aufgenommen wird. Harnstoff gehört nur dann in die Ration, wenn genügend passende Energie vorhanden ist und Menge und Verteilung stimmen. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen beschreibt, worauf es bei der Fütterung ankommt.
So wird Harnstoff im Pansen genutzt
Harnstoff zählt zum Nicht-Protein-Stickstoff und enthält Stickstoff, aber kein Eiweiß. Im Pansen spaltet das Enzym Urease, das von Pansenbakterien gebildet wird, den Harnstoff zu Ammoniak. Zusammen mit vergärbarer Energie nutzen die Mikroorganismen diesen Stickstoff, um eigenes Eiweiß zu bilden.
Dieses mikrobielle Eiweiß wird später im Verdauungstrakt abgebaut und versorgt das Rind mit Aminosäuren. Fehlt den Pansenmikroben passende Energie, nutzen sie den freigesetzten Stickstoff schlechter, sodass mehr davon ausgeschieden wird, statt in mikrobiellem Eiweiß zu landen. Deshalb müssen Harnstoff und verfügbare Energie gleichzeitig vorhanden sein.
Ein Teil des im Körper gebildeten Harnstoffs gelangt über das Blut und die Pansenwand zurück in den Pansen. Dieser Kreislauf führt Stickstoff erneut den Mikroorganismen zu. Nach Angaben des LKV Sachsen können bis zu 25 Prozent des in der Leber gebildeten Harnstoffs in den Pansen zurückgeführt werden.
Wann der Einsatz in die Ration passt
Harnstoff kommt vor allem dann als Stickstoffquelle infrage, wenn die Ration den Pansenmikroben zu wenig verfügbaren Stickstoff, aber genügend leicht vergärbare Kohlenhydrate liefert. Eine maisreiche Ration kann ein Anlass sein, die Stickstoffversorgung prüfen zu lassen. Die Eignung von Harnstoff richtet sich nach der gesamten Ration. Maissilage allein liefert dafür keine ausreichende Entscheidungsgrundlage.
Harnstoff liefert weder Energie noch sogenanntes Durchflussprotein. Damit ist Eiweiß gemeint, das den Pansen weitgehend unverdaut passiert und erst später im Darm aufgenommen wird. Harnstoff kann daher eine Ration nicht vollständig mit Eiweiß versorgen. Bei hochleistenden Milchkühen ist die Zugabe über Leistungsfutter zudem weniger geeignet, weil die Tiere darüber zu viel Harnstoff aufnehmen könnten.
Zur Orientierung nennt die Landwirtschaftskammer Niedersachsen bis zu 5 g Harnstoff je kg Trockenmasse oder bis zu 15 g je 100 kg Körpergewicht. Trockenmasse bezeichnet das Futter ohne Wasser. Ein weiterer Beitrag nennt 0,5 bis 1 Prozent der Trockenmasse als Orientierungswert für die Ration. Diese Werte sind keine allgemeine Fütterungsempfehlung. Ohne Prüfung der jeweiligen Ration lassen sie sich nicht darauf übertragen. Die zulässige Höchstmenge ist außerdem keine Zielmenge. Die Rationsberechnung gehört in die Hände einer Fütterungsberatung oder einer entsprechend qualifizierten Fachperson.
Mengenbegrenzung und gleichmäßige Fütterung
Für Harnstoff gelten Höchstwerte: Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen nennt höchstens 8,8 g je kg Alleinfutter bei 88 Prozent Trockenmasse beziehungsweise 10 g je kg Trockenmasse. Außerdem darf höchstens 30 Prozent des Stickstoffs in der Tagesration aus Harnstoffstickstoff stammen. Diese rechtlichen Grenzen legen die Höchstmenge fest. Sie sind keine Empfehlung, bis zu diesem Wert zu füttern.
Die Tiere müssen schrittweise über ein bis zwei Wochen an Harnstoff gewöhnt werden. Danach muss der Harnstoff gleichmäßig im Futter verteilt sein. Wird eine größere Menge auf einmal aufgenommen oder schlecht eingemischt, kann rasch Ammoniak entstehen und eine Ammoniakvergiftung auslösen. Genügend passende Energie und gründliches Mischen helfen den Pansenmikroben, den Stickstoff zu nutzen.
Für die Fütterung kommt ausschließlich geeigneter Futterharnstoff infrage. Der LKV Sachsen nennt einen Biuretgehalt unter 1 Prozent als Anforderung. Biuret ist eine Verunreinigung, die bei der Harnstoffherstellung entstehen kann.
Harnstoff gehört nicht als Konservierungsmittel ins Silo
Harnstoff ist kein zugelassener Silierzusatz. Er verbessert die Stabilität der Silage nach den berichteten Versuchen nicht; bei seiner Verwendung im Silo kann Ammoniak entstehen. Die Zugabe zur fertigen Ration ist etwas anderes als die Behandlung des Futters im Silo. Auch die Landwirtschaftskammer Niedersachsen weist auf diese Abgrenzung hin.
Bei langsam freisetzendem Harnstoff verzögert eine Beschichtung, wann der Harnstoff freigesetzt wird. Eine Auswertung von Studien zu dieser Form berichtet unter anderem über eine bessere Stickstoffnutzung. Diese Ergebnisse lassen sich nicht automatisch auf gewöhnlichen Futterharnstoff übertragen.
Wer Harnstoff als Einzelfuttermittel einsetzt, muss außerdem die vorgeschriebenen betrieblichen Vorkehrungen beachten. Dazu gehört ein Konzept, mit dem Gefahren erkannt und wichtige Kontrollpunkte überwacht werden. Außerdem müssen Rationen und Mischanweisungen aufgezeichnet werden. Harnstoff muss trocken und außerhalb der Reichweite anderer Tiere gelagert werden. So sinkt das Risiko, dass Tiere versehentlich an den Harnstoff gelangen oder eine falsch gemischte Ration aufnehmen.
