Lupinensaat kann die Futtermischung für Rinder mit Eiweiß und Energie ergänzen. Für Milchkühe, Mastbullen und Jungrinder zählt nicht nur der Rohproteingehalt, also der Anteil an Rohprotein als Maß für Eiweiß. Auch wie gut das Tier das Eiweiß verdauen kann, der Gehalt an Alkaloiden (bitter schmeckenden Pflanzenstoffen) und die Nährwerte der Saat bestimmen, wie gut Lupinen in die Futtermischung passen.
In Deutschland bauen Landwirte vor allem Blaue, auch schmalblättrige Lupinen genannt, und Weiße Lupinen an. Ihre Samen liefern Eiweiß und Energie. Die Menge sollte nicht pauschal nach Kilogramm festgelegt werden. Stattdessen wird die Ration, also die tägliche Futtermischung, anhand der analysierten Futterwerte berechnet. So lässt sich einschätzen, wann Lupinen andere Eiweißfuttermittel ergänzen und wo ihr Einsatz Grenzen hat.
Blaue und Weiße Lupinen sind die wichtigsten Arten
Blaue Lupinen prägen den deutschen Anbau und sind weniger anfällig für Anthraknose, eine Pilzkrankheit, als Weiße und Gelbe Lupinen. Weiße Lupinen enthalten in der Regel mehr Rohprotein, brauchen aber bessere Böden und mehr Wasser. Die Landessortenversuche behandeln beide Arten als die für den Anbau maßgeblichen Lupinen. Gelbe Lupinen spielen derzeit kaum eine Rolle; laut der Landwirtschaftskammer Niedersachsen steht keine zugelassene Sorte zur Verfügung.
Der Alkaloidgehalt unterscheidet sich zwischen Sorten und Saatpartien, also einzelnen Ernte- oder Liefermengen. Alkaloide sind natürliche Pflanzenstoffe. Sie schmecken bitter und beeinträchtigen bei hohen Gehalten die Eignung als Futter. Züchtung hat den Gehalt bei sogenannten Süßlupinen deutlich verringert, beseitigt ihn aber nicht in jeder Saat vollständig. Bei Weißen Lupinen können die Werte trotz anthraknosetoleranter Sorten stark schwanken. Deshalb sollte die Herkunft oder Sorte allein nicht als Beleg für einen bestimmten Alkaloidgehalt gelten.
Was Lupinensaat an Nährstoffen liefert
Lupinensaat liefert viel Eiweiß und Energie. Im Vergleich zu Ackerbohnen und Erbsen enthält sie mehr Rohprotein und Energie, aber weniger Stärke. Das kann bei Rationen interessant sein, in denen eine hohe Stärkezufuhr begrenzt werden soll. Die Nährwertangaben der Landwirtschaftskammer Niedersachsen nennen für Blaue Lupinen folgende Orientierungswerte:
| Nährstoff oder Kennwert | Gehalt je kg Lupine bei 88 % Trockenmasse |
|---|---|
| Rohprotein | 289 g |
| nutzbares Rohprotein am Dünndarm (nXP) | 188 g |
| Rohfett | 56 g |
| Rohfaser | 140 g |
| Stärke | 136 g |
| Nettoenergie Laktation (NEL) | 7,8 MJ |
| Calcium | 1,8 g |
| Phosphor | 2,8 g |
Die Werte stammen aus einer Untersuchung von 2015 und dienen als Orientierung für die dort untersuchte Saat. Rohproteingehalt und Energiegehalt schwanken je nach Sorte und Saatpartie. Für die Berechnung einer konkreten Ration sollte deshalb eine aktuelle Futtermittelanalyse vorliegen. Wichtig ist auch die Bezugsgröße: Trockenmasse bezeichnet das Futtergewicht ohne Wasser. Angaben je Kilogramm Futter bei 88 Prozent Trockenmasse lassen sich nicht direkt mit Angaben je Kilogramm reiner Trockenmasse vergleichen.
Ein weiterer wichtiger Wert ist der UDP-Anteil. UDP bezeichnet den Teil des Futtereiweißes, den die Mikroorganismen im Pansen nicht abbauen. Dieses Eiweiß gelangt weiter in den Dünndarm. Lupinen liefern davon vergleichsweise wenig. Bei hohen Milchleistungen eignen sie sich deshalb nur begrenzt als alleinige Eiweißquelle. Die Ration muss dann auch genug Eiweiß enthalten, das den Abbau im Pansen übersteht. Durch hydrothermische Behandlung, also eine Behandlung mit Wärme und Wasser, lässt sich der UDP-Anteil blauer Süßlupinen erhöhen. Ein höherer Wert ersetzt jedoch nicht die Prüfung der gesamten Ration.
Einsatz in Milchvieh- und Rindermastrationen
Bei Milchkühen können Lupinen andere Eiweißfuttermittel ergänzen oder teilweise ersetzen. In einem 100-tägigen Versuch mit 80 Kühen waren Futteraufnahme und Milchleistung bei zwei Rationen statistisch vergleichbar. Die eine enthielt pro Kuh und Tag rund 2,5 kg Lupinen und 2,5 kg Rapsschrot, die andere rund 4,5 kg Rapsschrot. Das Ergebnis gilt für diese Versuchsrationen. Es sagt nicht voraus, was bei jeder Herde oder jeder Lupinenpartie passiert.
Als Orientierungswert werden Einsatzmengen bis zu 4 kg Lupinen je Milchkuh und Tag genannt. Für Bullen in der Mast gelten bis zu 2 kg je Tier und Tag als möglich; zugleich sollte Lupine höchstens 25 Prozent des Mischfutters ausmachen. Diese Mengen sind Orientierungswerte, keine allgemeinen Empfehlungen. Welche Menge passt, hängt unter anderem davon ab, welche anderen Eiweiß- und Energiefuttermittel die Ration enthält. Für Kälber und Jungrinder gelten aus Sicht des Futterwerts keine grundsätzlichen Einsatzbeschränkungen; auch dort muss die Ration zum Alter und zur Leistung passen.
Ein Austauschverhältnis hilft bei einer ersten Einschätzung: Als Ersatz für 1 kg Trockenmasse Lupinen werden 1,2 kg Trockenmasse Rapsschrot genannt. Das Verhältnis dient nur als Orientierung und ersetzt keine vollständige Rationsberechnung. Rapsschrot und Lupinen haben unterschiedliche Nährstoffgehalte. Lupinen liefern vergleichsweise viel Energie. Deshalb muss beim Austausch auch geprüft werden, ob die gesamte Ration genug Eiweiß und die passende Energiemenge enthält.
Alkaloide, Lagerung und Futterwechsel beachten
Ein geringer Teil der Lupinenalkaloide geht in die Milch über. Eine vom Lupinenverein wiedergegebene Bewertung des Bundesinstituts für Risikobewertung stuft eine tägliche Aufnahme von 2.600 mg Gesamtchinolizidinalkaloiden bei Milchkühen als unbedenklich ein. Dieser Wert ist eine Bewertung der Gesamtaufnahme und keine Dosierungsempfehlung für Lupinensaat. Da der Alkaloidgehalt je nach Saatpartie schwankt und nur wenige Langzeitdaten vorliegen, ist eine Analyse besonders bei hohen Einsatzmengen sinnvoll. Bei begrenzten Lupinenanteilen in der hofeigenen Ration sind laut Hinweisen zur Fütterung von Wiederkäuern keine Probleme zu erwarten.
Auch die Lagerung beeinflusst die Futterqualität. Bei mehr als etwa 10 bis 12 Prozent Wassergehalt steigt das Risiko für Schimmelbefall. Lupinen sollten daher ausreichend trocken eingelagert und vor Feuchtigkeit geschützt werden. Bei der Umstellung auf eine lupinenhaltige Ration ist ein schrittweiser Futterwechsel sinnvoll; abrupte Änderungen sollten vermieden werden.
Für die Entscheidung in der Praxis sollte zuerst eine Analyse der Lupinenpartie klären, welche Nährstoffe sie enthält und, falls nötig, wie hoch ihr Alkaloidgehalt ist. Anschließend wird die Saat anhand ihrer Trockenmasse in die Ration eingerechnet. Dabei ist zu prüfen, ob Eiweiß- und Energieversorgung zum Tier und zu seiner Leistung passen. Eine pauschale Kilogrammangabe ersetzt diese Prüfung nicht.
