Wird Silage am geöffneten Silo warm, steckt häufig Nacherwärmung dahinter: Nach dem Luftkontakt vermehren sich Hefen. Sie bauen Milchsäure ab, die Silage wird weniger sauer und verdirbt weiter. Das kostet Futter und kann die Tiergesundheit gefährden.
Entscheidend sind zwei Prüfungen: Ist die Wärme tatsächlich durch Nacherwärmung entstanden, und rückt die Anschnittfläche beim Verfüttern schnell genug vor? Der Vorschub bezeichnet dabei, wie weit die Anschnittfläche innerhalb einer Woche im Silo zurückwandert.
Wärme am Anschnitt richtig beurteilen
Messen Sie mit einem Einstichthermometer oder einer Temperaturmesslanze an mehreren Stellen und in unterschiedlichen Tiefen. Eine hohe Temperatur allein beweist noch keine Nacherwärmung: Wärme aus dem Erntegut und der frühen Silierphase kann im Inneren erhalten bleiben. Entscheidend ist auch die Verteilung. Bei eingelagerter Wärme ist das Innere typischerweise wärmer als die äußeren Bereiche; bei Nacherwärmung sind die äußeren Bereiche dagegen wärmer als die inneren. Diesen Unterschied beschreibt die LfL für Maissilage. Beurteilen Sie die Messwerte zusammen mit Geruch, Aussehen und dem weiteren Temperaturverlauf. Auch loses Futter vor dem Silo kann nacherwärmen.
Achten Sie zusätzlich auf Veränderungen im Aussehen und Geruch. Dunkelbraune bis schwarze Stellen und ein deutlich brandiger Geruch sind auffällig. Tabakartiger Geruch allein ist dagegen kein sicherer Nachweis für Überhitzung: Der Sensorikbogen der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft unterscheidet einen tabakartig-aromatischen von einem tabakartig-stechenden Geruch. Auch eine arteigene bräunliche Farbe bedeutet nicht automatisch Verderb. Bewerten Sie deshalb Farbe, Geruch und Temperatur gemeinsam. Nacherwärmung verursacht Nährstoff- und Trockensubstanzverluste. Trockensubstanz ist der Futteranteil ohne Wasser. Wie hoch die Verluste im konkreten Silo sind, lässt sich aus der Dauer des Luftkontakts allein nicht bestimmen.
Vorschub am Silo messen
Die LfL empfiehlt für Grassilage im Sommer 2,5 bis 3 Meter Vorschub pro Woche. Der Vorschub gibt an, wie weit die Anschnittfläche innerhalb einer Woche im Silo zurückweicht. Die Werte sind Richtwerte und verhindern Erwärmung nicht sicher. Auch Silageart, Temperatur und Futterentnahme beeinflussen die Stabilität. Die Josera-Empfehlung zum Vorschub nennt mindestens 2,5 Meter pro Woche für den Sommer.
Messen Sie die Strecke an einem festen Bezugspunkt über eine Woche. Rückt die Anschnittfläche in einer Woche deutlich weniger weit zurück als der Richtwert vorgibt, prüfen Sie die Silobreite und die entnommene Futtermenge. Ein breiter Anschnitt kann dazu führen, dass zu wenig Fläche pro Woche abgetragen wird. Dann erwärmt sich Silage hinter der sichtbaren Anschnittfläche, obwohl diese zunächst unauffällig wirkt.
Luftzutritt beim Öffnen begrenzen
Ein ausreichender Vorschub hilft nur, wenn möglichst wenig Luft in den Futterstock eindringt. Beim Silieren vermindern gleichmäßige, dünne Schichten von etwa 20 bis 30 Zentimetern Hohlräume und Luftkanäle. Sorgfältiges Verdichten und eine luftdichte Abdeckung vermindern sie ebenfalls. Beim Entnehmen sollten Sie loses Futter an der Anschnittfläche regelmäßig entfernen und nur so viel Siloabdeckung öffnen, wie für die Entnahme nötig ist. Eine Sauerstoffbarriere, die beim Vorschub mitwandert, kann den Lufteintritt zusätzlich begrenzen. Ein Beispiel ist die sogenannte Sardinentechnik, die Schaumann zur Silohygiene erläutert.
Bestimmte Siliermittel enthalten Milchsäurebakterien, die neben Milchsäure weitere Gärungsprodukte bilden. Diese sogenannten heterofermentativen Milchsäurebakterien können dadurch die Stabilität der Silage an der Luft verbessern. Sie ersetzen jedoch weder einen ausreichenden Vorschub noch gute Verdichtung und Abdeckung. Josera beschreibt ihren Einsatz als eine Möglichkeit, die aerobe Stabilität zu erhöhen. Damit ist gemeint, wie lange die Silage nach dem Kontakt mit Sauerstoff stabil bleibt.
Verdorbene Silage nicht verfüttern
Sichtbar verdorbene oder verschimmelte Silage gehört nicht in den Trog. Das gilt auch für stark nacherwärmte Partien, selbst wenn noch kein Schimmel und keine anderen sichtbaren Mängel erkennbar sind. Darauf weist das DLG-Merkblatt zur Futterhygiene ausdrücklich hin. Verdorbenes Futter kann die Gesundheit durch mikrobielle Abbauprodukte und Schimmelpilzgifte beeinträchtigen. Sortieren Sie ungeeignete Partien aus und prüfen Sie Luftzutritt, Entnahme und Vorschub. Bleibt die hygienische Eignung unklar, lassen Sie das Futter fachlich beurteilen; bei Verdacht auf mikrobiellen Verderb ist eine mikrobiologische Untersuchung sinnvoll.
