Bei Rindern, Schweinen und Kälbern hängt es von der Fütterung ab, ob das Tier genug Nährstoffe bekommt und Verdauung und Stoffwechsel stabil bleiben. Die Fütterungsforschung untersucht deshalb nicht nur, welche Ration Leistung ermöglicht. Sie fragt auch, wie Futteraufnahme, Gesundheit und Verhalten zusammenhängen. Ob es einem Tier gut geht, lässt sich unter anderem an seiner Gesundheit, seinem Körperzustand, seiner Beweglichkeit und seinem Verhalten beurteilen.
Für den Betrieb bedeutet das: Eine berechnete Futterration ist nur der erste Schritt. Wichtig ist auch, dass das Futter hygienisch einwandfrei ist, jedes Tier daran kommt und der Betrieb Veränderungen an den Tieren bemerkt. Die Forschung liefert die Grundlagen. Im Stall setzt der Betrieb sie um.
Rationen an Tierart und Lebensphase anpassen
Je nach Tierart, Alter und Leistungsphase brauchen Tiere unterschiedliche Mengen und Mischungen von Nährstoffen. Eine Ration, die diesen Bedarf verfehlt, erschwert eine stabile Versorgung. Der Fachbegriff Diätetik bezeichnet die gezielte Abstimmung der Ernährung auf Gesundheit und Lebensphase eines Tieres.
Bei Schweinen betrachtet die Fütterungsforschung den Weg vom Ferkel bis zur Schlachtung. Dazu gehören etwa die Versorgung mit Aminosäuren, der Einsatz alternativer Eiweißquellen und eine bedarfsgerechte Phosphorversorgung. Aminosäuren sind Bausteine von Eiweiß, die das Tier für Wachstum und Körperfunktionen benötigt. Die Fortbildungsreihe „Fütterung im Fokus“ behandelt solche Fragen im Zusammenhang mit Tiergesundheit und gesetzlichen Vorgaben. Eine Ration passt deshalb nicht für alle Tiere. Die Zusammensetzung richtet sich unter anderem nach der Tiergruppe und den Haltungsbedingungen; auch das Futter spielt eine Rolle.
Auch bei Kälbern muss die Fütterung zum Entwicklungsstand passen. Betriebe sollten neben der geplanten Futtermenge beobachten, ob die Kälber regelmäßig fressen und trinken und wie sich ihre Gesundheit und ihr Wachstum entwickeln. Bei Milchkühen wiederum verändert sich der Nährstoffbedarf mit der Laktation, also der Zeit, in der die Kuh Milch gibt. Ergebnisse aus Untersuchungen oder Fortbildungen zu einer Tiergruppe gelten deshalb nicht automatisch auch für eine andere.
Am Futtertisch zählt die tatsächliche Aufnahme
Bei Milchkühen hängt die Versorgung nicht allein davon ab, was in der Ration steht. Entscheidend ist auch, was die Kühe tatsächlich aufnehmen. Sortieren einzelne Tiere Futterbestandteile aus, unterscheidet sich die Mischung, die sie aufnehmen, von der geplanten Ration. Das kann die Verdauung beeinflussen. Ein Praxisbeitrag zum Futtertisch-Management empfiehlt daher, Futterqualität, Verfügbarkeit für jedes Tier und selektives Fressen gemeinsam zu betrachten.
Vor einer Änderung lohnt sich eine Bestandsaufnahme: Wie viel Futter liegt am Futtertisch, was bleibt übrig, und wie entwickeln sich Futteraufnahme, Milchkontrolldaten und Herdengesundheit? Danach sollte der Betrieb jeweils nur eine Maßnahme verändern. So kann der Betrieb besser erkennen, ob sich nach der Änderung etwas verbessert oder verschlechtert.
Auch die Futterhygiene gehört zur Tiergesundheit. Bei sichtbarem Schimmel im Silo sollten betroffene Bereiche großzügig aussortiert und mögliche Ursachen geprüft werden. Dazu zählen beispielsweise eine unzureichende Verdichtung, Schmutz im Futter oder zu wenig Vorschub. Solche Beobachtungen helfen dem Betrieb, Probleme früh zu erkennen. Eine bessere Ration allein hilft nicht, wenn die Ursache des Problems an anderer Stelle liegt.
Tierwohl an den Tieren überprüfen
Fütterungsdaten allein zeigen nicht, ob es den Tieren gut geht. Deshalb prüfen Forschende auch direkt am Tier verschiedene Merkmale: Ernährungszustand, Stoffwechsel- und Eutergesundheit, Lahmheiten, Verletzungen, Verschmutzung und Verhalten. Ein im Thünen-Projekt untersuchtes Indikatorenset umfasst zehn solche Merkmale für Milchkühe.
In der Erhebung auf 115 Betrieben lag der durchschnittliche Anteil lahmer Kühe bei 14,7 Prozent. Die Anteile unterschieden sich deutlich von Betrieb zu Betrieb. Die Betriebe lagen in Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern; die Ergebnisse sind daher nicht als repräsentativer Durchschnitt für ganz Deutschland zu verstehen. Außerdem belegen sie keinen direkten Zusammenhang zwischen einer bestimmten Fütterungsmaßnahme und Lahmheit. Sie zeigen aber, warum Betriebe neben Rationswerten auch die Tiere selbst beobachten sollten.
Verändern sich Körperzustand, Beweglichkeit, Fressverhalten oder Gesundheit, sollte der Betrieb die Ration und das Auslegen des Futters gemeinsam mit einer Beratung oder Tierarztpraxis prüfen. Die AVA beschreibt dafür einen ganzheitlichen Ansatz: Fachleute beziehen die Ration und die betrieblichen Kontrolldaten in die Beurteilung ein. Sie prüfen dabei auch Futterentnahme und Vorlage. Eine solche Prüfung ersetzt keine Diagnose, hilft aber, Auffälligkeiten systematisch einzuordnen.
Forschungsergebnisse vorsichtig in die Praxis übertragen
Forschung kann Hinweise auf neue Fütterungsansätze geben. Sie liefert jedoch nicht automatisch eine Empfehlung für jeden Betrieb. So wurden bei einer Veranstaltung zu Milchkühen mögliche Effekte von Iso-Säuren auf Verdauung und Energieeffizienz vorgestellt. Die Aussagen stammen aus einer Veranstaltung des Herstellers ZinPro; die berichteten Ergebnisse sind deshalb als Hinweise zu verstehen und nicht als allgemeine Fütterungsempfehlung. Der Bericht zu den Milchleistungsfaktoren nennt außerdem Faktoren wie Rohproteingehalt und fermentierbare Kohlenhydrate, die die Wirkung beeinflussen.
Für die Entscheidung im Betrieb ist wichtig, ob der Ansatz zur Tiergruppe und zur bestehenden Ration passt und ob der Betrieb das Ergebnis am Tier überprüfen kann. Feste Mengen- oder Dosierungsvorgaben lassen sich aus den genannten Befunden nicht ableiten. Der Betrieb sollte Änderungen deshalb mit Fachleuten abstimmen und danach prüfen, wie sich Futteraufnahme, Tiergesundheit und Leistung entwickeln.
