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Vollmilch oder Milchaustauscher in der Kälberaufzucht?

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Bei der Kälberfütterung stehen Vollmilch und Milchaustauscher zur Wahl. Milchaustauscher, kurz MAT, ist ein Pulver, das mit Wasser zu einer Tränke angerührt wird. Welche Variante besser passt, hängt von der Qualität und Verfügbarkeit der Milch, einer gleichmäßigen Nährstoffversorgung, dem Arbeitsaufwand und den Kosten ab.

Beide Tränken versorgen Kälber, wenn Zusammensetzung und Menge zum Alter und Bedarf des Kalbs passen und die Tränke richtig zubereitet wird. Die erste Milch nach der Geburt, Biestmilch oder Kolostrum genannt, ist eine Ausnahme: Sie versorgt das neugeborene Kalb mit Stoffen, die es vor Krankheitserregern schützen. Normale Vollmilch oder MAT können sie nicht ersetzen.

Was sich bei Vollmilch und Milchaustauscher unterscheidet

Vollmilch liefert Energie und Nährstoffe. Ihre Zusammensetzung schwankt je nach Kuh und danach, wie lange sie schon Milch gibt. MAT bietet eine festgelegte Zusammensetzung, sofern das Pulver richtig abgewogen und nach Vorgabe angerührt wird. Die Tabelle zeigt, worauf Betriebe im Alltag achten sollten.

Punkt Vollmilch Milchaustauscher
Zusammensetzung Schwankt; der Nährstoffgehalt hängt unter anderem von der Milch ab. Ist durch die Rezeptur des Produkts festgelegt.
Ergänzung Vitamine und Spurenelemente müssen berücksichtigt werden. Die Versorgung richtet sich nach der Zusammensetzung des Produkts und der angerührten Menge.
Handhabung Erfordert sauberes Sammeln, Lagern und Tränken der Milch. Erfordert genaues Abwiegen und gründliches Anrühren mit Wasser.
Kosten Hängen auch davon ab, welchen Wert die verfütterte Milch im Betrieb hat. Hängen vom Produktpreis und der benötigten Pulvermenge ab.

Die DLG empfiehlt für Verkaufskälber entweder Vollmilch oder einen hochwertigen MAT mit mehr als 40 Prozent Magermilchpulver. Als Orientierungswert nennt sie 125 bis 150 Gramm MAT je Liter Tränke. Das ist eine Empfehlung für den beschriebenen Fütterungskontext, keine Einheitsvorgabe für jedes Produkt und jeden Betrieb. Maßgeblich sind auch die Produktangaben und der Fütterungsplan.

Wer Vollmilch verfüttert, sollte bei der Futterplanung auch einen passenden Ergänzer einplanen. Ein Vergleich von Agravis weist darauf hin, dass Vollmilch bestimmte Vitamine und Spurenelemente nicht bedarfsgerecht abdeckt. Die dort genannten Werte und Produkte sind betrieblich zu prüfen; sie ersetzen keine individuelle Rationsberechnung.

Welche Betriebsbedingungen die Wahl bestimmen

Vollmilch liegt näher, wenn regelmäßig geeignete Milch verfügbar ist und der Betrieb sie hygienisch sammeln, lagern und verfüttern kann. Dabei zählt nicht allein die Menge: Schwankender Nährstoffgehalt erschwert eine gleichmäßige Versorgung. Der Betrieb sollte deshalb festlegen, welche Milch für die Kälbertränke infrage kommt und wie Ergänzungen berücksichtigt werden.

MAT passt eher, wenn eine gleichbleibende Rezeptur und eine planbare Beschaffung im Vordergrund stehen. Dafür braucht es eine Waage, sauberes Wasser und eine zuverlässige Zubereitung. Falsches Abwiegen oder unvollständiges Anrühren verändert die Konzentration der Tränke und damit die Nährstoffversorgung.

Bei den Kosten reicht ein Vergleich pro Liter nicht aus. Vollmilch enthält laut Agravis etwa 12,5 Prozent Trockenmasse, also den Anteil der Milch, der nach dem Entzug des Wassers übrig bleibt. Die dortige MAT-Beispielrechnung setzt 14 Prozent Trockenmasse an. Für einen aussagekräftigen Kostenvergleich sollte der Betrieb den Wert der Milch und ihren Trockenmassegehalt einbeziehen. Hinzu kommen die Kosten für Ergänzungsmittel. Eine Agravis-Rechnung mit bestimmten Preisannahmen kam auf einen Kostenvorteil von rund drei Cent je Liter für MAT; dieser Wert gilt nur für die dort gewählten Annahmen und ist keine allgemeine Preisregel.

Auch der Arbeitsaufwand und die Fütterungstechnik spielen eine Rolle. Wer mehrere Kälber gleichzeitig tränkt, muss bei jeder Variante die Geräte reinigen und die Tränke gleichmäßig zubereiten. Die DLG nennt tägliche, sehr gute Tränkehygiene als Voraussetzung und empfiehlt aus Hygienegründen einen eigenen Eimer für jedes Kalb.

Worauf es bei der Umsetzung ankommt

Die Versorgung beginnt mit dem Kolostrum. Die DLG empfiehlt mindestens drei Liter hochwertiges Kolostrum vom Muttertier innerhalb der ersten zwei Lebensstunden. Danach braucht das Kalb täglich genug Energie und Nährstoffe. Für die ersten vier Lebenswochen nennt die DLG als Orientierungsbereich acht bis zwölf Liter Vollmilch oder MAT-Tränke pro Tag, abhängig von der Rasse. Diese Werte beziehen sich auf den beschriebenen Fütterungskontext und sollten nicht ohne Prüfung auf andere Rassen, Tränkepläne oder Haltungsbedingungen übertragen werden. Entscheidend ist die tägliche Nährstoffmenge; das Tränkevolumen allein gibt sie nicht an.

Bei Vollmilch muss der Betrieb die Milch sauber handhaben und einen Ergänzer wählen, der zum Fütterungsplan passt; MAT-Pulver und Wasser sind genau nach Produktangabe abzumessen und gründlich zu vermischen. Unabhängig von der Variante müssen die Tränkegeräte regelmäßig gereinigt werden. Reste ersetzen keine frisch und richtig zubereitete Tränke.

Auch wenn Kälber viel Milch bekommen, brauchen sie Wasser und festes Futter. Kälber sollten laut DLG ab dem ersten Lebenstag Zugang zu sauberem Trinkwasser haben; Tränken gehören täglich gereinigt und das Wasser gewechselt. Heu und Kälberfutter unterstützen die Entwicklung des Pansens, also des größten Vormagens, werden bei hohen Milchmengen in den ersten Wochen aber nur in kleinen Mengen aufgenommen. Beim Absetzen sollte die Milch schrittweise reduziert werden. Eine Tränkeplan-Empfehlung von Schaumann knüpft den Beginn des Absetzens daran, dass Kälber zusätzlich zur Milch einen Kilogramm Ergänzungsfutter aufnehmen. Dieser Richtwert gehört zu dem dort beschriebenen Fütterungskonzept und ist nicht automatisch für jeden Betrieb passend.

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