Bullenmast

Flüssigfütterung beim Schwein: Hygiene und Temperatur steuern

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Inhalt4 Abschnitte
  1. Temperatur beeinflusst die Gärung
  2. Temperatur messen, statt einen Sollwert zu erraten
  3. Rückstände und Biofilme aus der Anlage entfernen
  4. Gärung gezielt führen und Fütterung anpassen

Bei der Flüssigfütterung mischt der Betrieb Futterkomponenten mit Wasser oder flüssigen Nebenprodukten aus der Lebensmittelherstellung. Pumpen leiten die Mischung durch Rohre in die Tröge. Wenn feuchtes Futter in Tanks, Rohren und Trögen zurückbleibt, können sich dort Mikroorganismen vermehren; Hygiene und Temperatur beeinflussen deshalb, ob die Mischung frisch bleibt oder unkontrolliert gärt.

Eine Gärung ist der Abbau von Futterbestandteilen durch Mikroorganismen. Gezielte Gärung kann erwünscht sein. Unkontrollierte Gärung dagegen fördert Fehlgärungen, verändert den Futterwert und kann die Futteraufnahme beeinträchtigen. Betriebe sollten daher Reinigungszustand, Temperaturverlauf und Futterreste gemeinsam prüfen. Die vorliegenden Empfehlungen nennen keine Solltemperatur, die für jedes Flüssigfutter gilt.

Temperatur beeinflusst die Gärung

Sobald der Betrieb Wasser und Futter vermischt, werden Mikroorganismen aktiv. Wie schnell sich die Zusammensetzung verändert, hängt unter anderem von der Temperatur, der Standzeit und dem Anteil von Restfutter ab. Eine Untersuchung unter Praxisbedingungen beobachtete eine spontane Gärung bei 25 °C. Der pH-Wert, ein Maß dafür, wie sauer das Futter ist, lag zunächst etwa zehn Stunden bei 5,9. Danach änderte sich der Gärungsverlauf deutlich. Die 25 °C beschreiben dabei die Bedingungen dieses Versuchs, keinen allgemein empfohlenen Einstellwert. Eine Pilotstudie zur Gärungssteuerung zeigt, warum Betriebe Temperatur und Zeit zusammen betrachten müssen.

Besonders in der frühen Gärungsphase können sich unerwünschte Keime vermehren, bevor Milchsäure den pH-Wert ausreichend senkt. Bei gezielt vergorenem Flüssigfutter gelten in Untersuchungen beispielsweise ein pH-Wert unter 4,5 und ein hoher Milchsäuregehalt als Merkmale einer gelungenen Gärung. Diese Orientierungswerte stammen aus bestimmten Untersuchungen und ersetzen keine betriebliche Prüfung der Fütterungsstrategie. Eine Übersichtsarbeit zur mikrobiellen Qualität beschreibt sowohl diese Merkmale als auch die Risiken einer unkontrollierten Gärung.

Auch eine zu starke Hefegärung ist unerwünscht: Dabei können Essigsäure und Alkohol entstehen, die das Futter weniger schmackhaft machen und Energie kosten. Bei unerwünschtem mikrobiellen Abbau können außerdem biogene Amine entstehen. Das sind Stoffe, die Mikroorganismen aus Aminosäuren bilden. Für solche Amine gibt es in Flüssigfutter keine allgemein festgelegten Grenzwerte.

Temperatur messen, statt einen Sollwert zu erraten

Da es keinen belegten Temperaturbereich für alle Flüssigfütterungsanlagen gibt, sollte der Betrieb den Temperaturverlauf unter den eigenen Bedingungen beobachten. Ein Thermometer hilft, Veränderungen früh zu erkennen. Messen Sie die Temperatur nach dem Mischen und an einer zweiten Stelle der Anlage, zum Beispiel an der Futterleitung oder im Trog. Wichtig ist, immer an vergleichbaren Stellen und zu vergleichbaren Zeitpunkten zu messen. So erkennen Sie Unterschiede zwischen Tank und Stall sowie Veränderungen im Tages- und Jahresverlauf.

Notieren Sie neben der Temperatur, wann gemischt und gefüttert wurde. Halten Sie auch sichtbare Reste fest. Steigt die Temperatur und bleibt das Futter länger in der Leitung oder im Trog, sollte der Betrieb nach der Ursache suchen. Prüfen Sie, ob sich die Standzeit geändert hat. Achten Sie außerdem auf Änderungen der Mischungszusammensetzung und auf zurückgebliebene Futterreste. Wenn der Anteil an Trockenmasse, also an Futterbestandteilen ohne Wasser, in Nebenprodukten schwankt, verändert sich auch das Mischungsverhältnis. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen nennt solche Schwankungen als möglichen Grund für Abweichungen beim Trockenmassegehalt der fertigen Ration. Ihre Hinweise zu Kontrollpunkten sprechen dafür, Rohstoffe, Tank und Leitungen gemeinsam zu kontrollieren.

Rückstände und Biofilme aus der Anlage entfernen

Futterreste in Leitungen, Tanks oder Trögen bieten Mikroorganismen eine Grundlage. Ein Biofilm ist ein fest an einer Oberfläche haftender Belag aus Mikroorganismen und organischem Material. Er lässt sich nicht zuverlässig erkennen, indem man nur das Futter im Tank betrachtet. Prüfen Sie deshalb auch Tankwände und Leitungsenden. Kontrollieren Sie außerdem Ventile, Pumpen und Trogabläufe. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen rät, den Mischbehälter regelmäßig direkt zu kontrollieren und sich nicht allein auf automatische Reinigungsprogramme zu verlassen.

Achten Sie bei der Kontrolle auf sichtbare Rückstände und Verfärbungen. Ein unangenehmer Geruch oder Stellen, an denen Futter stehen bleibt, sind ebenfalls Hinweise. Entfernen Sie Ablagerungen mechanisch. Reinigen und spülen Sie die Anlage gründlich. Wählen Sie ein Verfahren, das zum Material und zum Reinigungsmittel passt. Rückstände von Reinigungsmitteln dürfen nicht in die Futterration gelangen. Stark alkalische Mittel wie Natronlauge können Tiere verletzen; Anwendung, Einwirkzeit und Entsorgung müssen deshalb nach den geltenden Produkt- und Sicherheitsvorgaben erfolgen.

Kontrollieren Sie auch Lager und Anlagenteile: Kondenswasser im Silo kann Schimmel fördern, während Fremdkörper Pumpen und Dosierung stören. Prüfen Sie deshalb Lager, Wasserzufuhr, Siebe, Pumpen, Ventile und Tröge. Werden Tröge zwischen den Mahlzeiten nicht geleert, kann Futter verderben. Futterreste sollten daher regelmäßig entfernt und Abläufe freigehalten werden. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen nennt diese Bauteile als kritische Kontrollpunkte.

Gärung gezielt führen und Fütterung anpassen

Betriebe sollten zwischen frisch gemischtem und gezielt vergorenem Futter unterscheiden. Bei der sogenannten Restfutterfütterung bleibt ein Teil der vorherigen Mischung in der Anlage und kommt in die nächste Mischung. Dieses Restfutter dient als Ausgangsmaterial für die Gärung. Bei einer restfreien Fütterung werden die Leitungen vor der neuen Mischung gespült. Beide Verfahren verlangen eine passende Überwachung; zufällige Futterreste in Leitungen steuern die Gärung nicht verlässlich. Die Fachübersicht zu Flüssigfutter beschreibt, warum spontan vergorene Mischungen keine verlässliche Grundlage für hygienisch gutes und schmackhaftes Futter bieten.

Kontrollieren Sie bei gezielter Gärung mindestens Temperatur, pH-Wert, Geruch und Verlauf über die Zeit. Ein einzelner pH-Messwert zeigt nicht den gesamten Zustand der Mischung. Bleibt der pH-Wert hoch oder verändert sich die Mischung auffällig, sollte der Betrieb sie nicht allein nach Geruch beurteilen. Ziehen Sie auch eine Fütterungsberatung oder Laboruntersuchungen hinzu. Das gilt besonders, wenn Nebenprodukte wechseln oder die Anlage nach einer gründlichen Reinigung neu gestartet wird.

Hygienepausen müssen in den Fütterungsplan passen. Längere Unterbrechungen können die Versorgung der Tiere beeinträchtigen und müssen die Anforderungen an die Tierhaltung einhalten. Die Zusammenfassung zur sensorgesteuerten Fütterung und den Haltungsregeln weist darauf hin, dass kurze Pausen zur Trogpflege anders zu beurteilen sind als längere Fütterungsunterbrechungen. Prüfen Sie die geltenden Vorgaben, bevor Sie Fütterungszeiten für Reinigungsarbeiten verändern.

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