Eine Analyse von Maissilage enthält häufig einen Wert für den Stärkegehalt. Er zeigt, wie viel Stärke im Futter steckt, aber nicht, wie gut das Rind sie nutzen kann. Dafür zählen auch die Verdaulichkeit, die Kornaufbereitung und die Dauer der Silierung.
Stärke liefert Energie. Bei Rindern wird sie vor allem im Pansen, dem Vormagen, von Mikroorganismen abgebaut. Der Stärkegehalt beschreibt die Menge; die Verdaulichkeit beschreibt, welcher Anteil für das Tier verfügbar wird. Für die Fütterung müssen beide Werte zusammen mit der übrigen Ration, also der gesamten Futtermischung, betrachtet werden.
Was der Stärkegehalt in der Analyse bedeutet
Der Stärkegehalt wird meist auf die Trockenmasse bezogen. Trockenmasse ist der Futteranteil, der übrig bleibt, wenn man das Wasser herausrechnet. So lassen sich Silagen mit unterschiedlichem Wassergehalt besser vergleichen. Ein Wert für Stärke in der Trockenmasse gibt an, welcher Anteil der trockenen Silage auf Stärke entfällt.
Bei Maissilage liegt der Stärkegehalt häufig zwischen 30 und 40 Prozent der Trockenmasse. Das ist ein Orientierungsbereich, keine allgemeine Zielvorgabe. Regionale Ergebnisse lassen sich nicht ohne Weiteres auf andere Erntejahre und Anbaugebiete übertragen. Die Übersicht zu Kennzahlen der Maissilage ordnet Stärke als eine der wichtigen Energiequellen ein.
Ein höherer Gehalt bedeutet nicht automatisch einen höheren Futterwert. Mit zunehmender Reife steigt zwar der Stärkeanteil, zugleich können aber die Verdaulichkeit der Stärke und die der Faser sinken. Deshalb sollte man den Stärkegehalt zusammen mit weiteren Analysewerten und dem Zustand des Maises bei der Ernte beurteilen.
Warum die Verdaulichkeit schwankt
Im Maiskorn liegen die Stärkekörnchen in einer Eiweißhülle, die den Pansenmikroorganismen den Zugang zur Stärke erschwert. Auch die harte äußere Schale schützt die Stärke vor dem Abbau. Beim Häckseln macht eine gute Zerkleinerung der Körner mehr Stärke für die Pansenmikroorganismen zugänglich. Ein hoher Analysewert allein verrät nicht, ob die Körner ausreichend zerkleinert wurden.
Auch die Maissorte spielt eine Rolle. Flintmais besitzt eine dichtere Stärke als Dentmais und wird im Pansen langsamer abgebaut. Das beeinflusst, welcher Anteil der Stärke dort verfügbar wird. Die Beschreibung des Stärkeabbaus in Maissilage erläutert außerdem, wie Kornstruktur und Silierung zusammenwirken.
Während der Silierung bauen Gärprozesse einen Teil der Eiweißhülle ab. Dadurch erreichen Pansenmikroorganismen die Stärke leichter. Die Stärkeverdaulichkeit kann während der Silierung weiter zunehmen. Wie schnell sich die Verdaulichkeit verändert, hängt unter anderem vom Wassergehalt der Silage ab.
Was ein Verdaulichkeitswert aussagt
Ein Labor kann den Stärkeabbau mit Pansensaft unter festgelegten Bedingungen untersuchen. Bei dieser ruminalen In-vitro-Untersuchung wird ermittelt, welcher Anteil der vorhandenen Stärke innerhalb einer bestimmten Inkubationszeit abgebaut wird. Der Prozentwert bezieht sich auf die Stärke, nicht auf die gesamte Trockenmasse. Er beschreibt nicht die Stärkeverdauung im gesamten Verdauungstrakt. Bei gleicher Methode und Inkubationszeit weist ein höherer Wert auf einen stärkeren Pansenabbau hin. Für Vergleiche müssen auch Probenaufbereitung und Mahlfeinheit übereinstimmen. Der Wert sagt aber nicht direkt voraus, wie viel Milch das Tier gibt oder wie effizient es Futter in Leistung umsetzt. Im Tier hängt die Nutzung der Stärke auch von der Ration, der Futteraufnahme, den Bedingungen im Pansen und der Passagegeschwindigkeit ab.
Ein Teil der Stärke wird im Pansen zu kurzkettigen Fettsäuren abgebaut, die dem Rind als Energie dienen. Ein anderer Teil entgeht dem Pansenabbau und gelangt in den Dünndarm, wo Stärke durch körpereigene Enzyme zerlegt und zu Glucose abgebaut werden kann. Allerdings wird dort nicht die gesamte ankommende Stärke verdaut. Die enzymatische Verdauung kann energetisch günstiger sein als die Gärung im Pansen; ein Vorteil hängt aber davon ab, wie viel Stärke tatsächlich im Dünndarm verdaut und als Glucose aufgenommen wird. Nicht dort verdaute Stärke kann im Dickdarm vergoren oder mit dem Kot ausgeschieden werden. Die wissenschaftliche Übersicht zur Dünndarmverdauung erläutert diese Grenzen. Ein zu hoher Anteil pansenstabiler Stärke, also Stärke, die im Pansen nicht abgebaut wird, passt jedoch nicht zu jeder Ration. Er kann die Aktivität der Mikroorganismen im Pansen begrenzen und den Dünndarm stärker beanspruchen. Deshalb gibt es keinen allgemein passenden Zielwert für das Verhältnis der beiden Anteile.
Die verfügbaren Prüfverfahren haben Grenzen. Laborverfahren bilden die Bedingungen im Pansen nicht vollständig ab. Bei einer Untersuchung mit kleinen Beuteln im Pansen können kleine Futterteilchen aus dem Beutel verloren gehen und den gemessenen Abbau beeinflussen. Für die Interpretation zählt daher auch, welches Verfahren das Labor verwendet hat.
So lässt sich der Analysewert praktisch nutzen
Bei der Rationsplanung sollte zuerst geklärt werden, ob der ausgewiesene Stärkegehalt auf die Trockenmasse bezogen ist. Danach sollte man prüfen, wie fein die Körner zerkleinert wurden, wann die Probe genommen wurde und wie lange die Silage gelagert hat. Eine Silage, die erst kurze Zeit lagert, ist bei der Stärkeverdaulichkeit nicht unbedingt mit einer länger silierten Silage vergleichbar.
Nahinfrarotspektroskopie, kurz NIRS, ist ein Analyseverfahren, das Futter anhand seiner Lichtreflexion untersucht. Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen beschreibt den Einsatz von NIRS zur Bestimmung von Stärke und weiteren Parametern auch bei kolbenarmen Maissilagen. Wer Werte verschiedener Proben vergleicht, sollte darauf achten, dass sie sich auf dieselbe Grundlage beziehen und mit vergleichbaren Verfahren ermittelt wurden.
Die Aussagen zum Pansenabbau beziehen sich auf Wiederkäuer wie Kühe. Für Schweine lassen sich daraus keine direkten Fütterungsempfehlungen ableiten. Auch bei Rindern sollte ein einzelner Stärke- oder Verdaulichkeitswert keine pauschale Änderung der Ration auslösen. Maßgeblich sind die gesamte Ration, die Leistung und Futteraufnahme der Tiere sowie die übrigen Analysewerte.
