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Rapsschrot in der Rinderfütterung richtig einsetzen

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Inhalt4 Abschnitte
  1. Rapsschrot liefert Eiweiß und kann Soja ersetzen
  2. Zusammensetzung und Charge prüfen
  3. DCAB und Schwefel in der Gesamtration beachten
  4. Einsatzmenge aus der Ration ableiten

Rapsschrot liefert Eiweiß für Rinder und kann Sojaschrot in Milchviehrationen teilweise oder vollständig ersetzen. Gemeint ist meist Rapsextraktionsschrot: ein Nebenprodukt, das nach dem Auspressen und der weiteren Gewinnung des Rapsöls zurückbleibt. Wie viel Rapsschrot in die Ration passt, hängt davon ab, welche Futtermittel sie enthält und wie diese zusammengesetzt sind.

Für die Praxis zählt deshalb mehr als der Rohproteingehalt. Auch Energie, Mineralstoffe und Schwefel beeinflussen, ob Rapsschrot die Ration ergänzt oder deren Gleichgewicht verschiebt. Die folgenden Werte und Empfehlungen beziehen sich vor allem auf Milchkühe; für Kälber und Mastrinder lassen sich daraus keine pauschalen Einsatzmengen ableiten.

Rapsschrot liefert Eiweiß und kann Soja ersetzen

In einer Ration zählt, wie viel Eiweiß die Kuh tatsächlich nutzen kann. Dafür gibt es den Wert nXP. Er gibt an, wie viel nutzbares Eiweiß den Dünndarm erreicht. Bei der Untersuchung von Rapsschrotproben im Jahr 2020 lag dieser Wert im Mittel bei 220 Gramm je Kilogramm. Das Rapsextraktionsschrot enthielt außerdem knapp 34 Prozent Rohprotein und hatte einen Energiegehalt von 6,3 Megajoule Nettoenergie Laktation je Kilogramm. Nettoenergie Laktation, kurz NEL, gibt an, wie viel Energie das Futter für Milchbildung und Erhaltung bereitstellt. Die Werte stammen aus dem deutschlandweiten Monitoring von 2020 und beschreiben Mittelwerte, keine Garantie für jede Lieferung.

Rapsschrot eignet sich auch für Rationen ohne Sojaschrot. Versuche, die im Monitoring zusammengefasst wurden, zeigen, dass sich selbst leistungsstarke Milchviehrationen ohne Sojaschrot gestalten lassen. Damit ist eine Fütterung ohne gentechnisch veränderte Futtermittel möglich, sofern die gesamte Ration passend berechnet wird. Der Rohproteingehalt des Lieferanten lässt sich laut Monitoring für die Rationsberechnung verwenden, wenn die Angaben den üblichen Toleranzen entsprechen.

Zusammensetzung und Charge prüfen

Die Werte von Rapsschrot schwanken zwischen Herkünften und Lieferungen. Das Monitoring von 2020 ermittelte im Mittel 12,4 Prozent Rohfaser und 3,6 Prozent Rohfett. Die Trockenmasse lag bei 89,4 Prozent. Trockenmasse bezeichnet den Futteranteil, der nach Abzug des Wassers übrig bleibt; der Wert hilft dabei, Futtermittel vergleichbar zu berechnen und einzulagern.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen Glucosinolate. Das sind schwefelhaltige Pflanzenstoffe, deren Gehalt je nach Rapssorte und Herkunft variiert. Im Monitoring lag der Mittelwert bei 7,9 Millimol, die Proben reichten von 1,5 bis 15 Millimol; eine Probe lag bei 18 Millimol. Bei wechselnder Herkunft oder auffälligen Lieferungen sollte deshalb das Futter analysiert werden. Aus den vorliegenden Angaben lässt sich kein allgemeiner Grenzwert für Rinder ableiten.

Auch die Mineralstoffwerte gehören in die Rationsberechnung. Das gilt besonders für Phosphor: Ein Fachbeitrag nennt für Rapsschrot rund 13 Gramm je Kilogramm Trockenmasse gegenüber etwa 8 Gramm bei Sojaschrot. Ein vollständiger Austausch von Soja kann daher die Phosphorbilanz der Ration und den Nährstoffanfall im Betrieb verändern. Der Vergleich der beiden Eiweißfuttermittel ist ein Orientierungswert; für die eigene Ration zählt die Analyse der eingesetzten Futtermittel.

DCAB und Schwefel in der Gesamtration beachten

Rapsschrot beeinflusst neben der Eiweißversorgung auch die Mineralstoffbilanz. Es bringt vergleichsweise wenig Kalium und mehr Schwefel mit als Sojaschrot. Dadurch sinkt häufig die DCAB, die Kationen-Anionen-Bilanz der Ration. Sie beschreibt das Verhältnis bestimmter positiv und negativ geladener Mineralstoffe und hilft, die Säure-Basen-Belastung einzuschätzen. Im Monitoring von 2020 lag die mittlere DCAB des Rapsschrots bei etwa minus 117 Milliäquivalenten je Kilogramm.

Ob eine niedrige DCAB im Eiweißfutter problematisch ist, hängt von der Bilanz der gesamten Ration ab. Besonders aufmerksam sollten Betriebe sein, wenn sie Rapsschrot mit Grundfutter kombinieren, das ebenfalls eine niedrige DCAB aufweist. Eine Untersuchung mit laktierenden Kühen fand unter den geprüften Bedingungen trotz hoher Rapsschrotanteile keine klaren Nachteile bei Futteraufnahme oder Leistung. Die Ausscheidung von Säuren und Basen im Harn reagierte jedoch deutlich auf die DCAB der Ration. Die Versuchsauswertung aus Sachsen-Anhalt unterstreicht deshalb, dass die Werte der einzelnen Futtermittel bekannt sein sollten.

Auch der Schwefelgehalt verdient Beachtung. Hohe Schwefelmengen können die Gärung im Pansen stören. Sie können auch die Futteraufnahme senken. Außerdem können sie die Verfügbarkeit von Spurenelementen wie Selen und Kupfer beeinträchtigen. Ein Fachbeitrag nennt 2 bis 4 Gramm Schwefel je Kilogramm Trockenmasse als Orientierungsbereich für Rationen und beschreibt negative Effekte, die bereits ab etwa 3 Gramm auftreten können. Diese Zahlen sind keine allgemeine Einsatzgrenze für Rapsschrot. Wenn die Kühe auffällig viel oder wenig fressen oder eine Stoffwechselbelastung vermutet wird, sollte der Betrieb die gesamte Ration prüfen, statt nur ein einzelnes Futtermittel zu ändern.

Für laktierende Kühe wird in demselben Beitrag eine DCAB von 150 bis 350 Milliäquivalenten je Kilogramm Trockenmasse als Zielbereich angeführt. Da ein Versuch unter bestimmten Bedingungen keine klaren Leistungseinbußen bei niedriger DCAB feststellte, ist dieser Bereich als Orientierung und nicht als starre Grenze zu verstehen. Bei trockenstehenden Kühen ist die DCAB ebenfalls wichtig, weil sie in die Einschätzung des Milchfieberrisikos vor dem Abkalben eingeht.

Einsatzmenge aus der Ration ableiten

Aus den verfügbaren Befunden lässt sich keine feste Menge in Kilogramm ableiten, die für alle Kühe passt. Ältere Auswertungen zu Milchkuhrationen berichten, dass Rapsschrot bei passender Rationsgestaltung auch hohe Sojaanteile ersetzen kann. Das ist keine Freigabe für unbegrenzte Mengen: Rohprotein, Energie, DCAB, Schwefel und Phosphor müssen gemeinsam stimmen.

Deshalb sollte der Betrieb die Ration neu berechnen, wenn er das Eiweißfutter ändert. Eine Analyse des Grundfutters und verlässliche Werte des Rapsschrots helfen dabei. Wer Sojaschrot ersetzt, prüft besonders die DCAB und den Phosphorgehalt der Gesamtration. Bei trockenstehenden Kühen gehört außerdem die Mineralstoffversorgung in die Bewertung. Für Mastrinder, Kälber und Färsen fehlen hier ausreichende Angaben, um konkrete Mengenempfehlungen zu geben.

Rapsextraktionsschrot unterscheidet sich von fettreicheren Rapsprodukten wie Rapskuchen. Für diese Produkte gelten wegen ihres höheren Fettgehalts eigene Grenzen. Eine in einer älteren Facharbeit genannte Begrenzung der Fettzufuhr aus Rapsprodukten darf daher nicht ungeprüft auf gewöhnliches Rapsextraktionsschrot übertragen werden.

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