Bei Milchkühen bedeutet Futterselektion, dass Tiere Bestandteile einer gemischten Ration gezielt herauspicken und andere liegen lassen. Eine Totale Mischration (TMR) enthält Grundfutter, Kraftfutter und Mineralfutter in einer Mischung. Sie soll jeder Kuh bei jedem Bissen eine ähnliche Zusammensetzung bieten.
Durch Selektion fressen einzelne Kühe bevorzugte Bestandteile, während andere mehr von den Resten bekommen. Deshalb weicht die tatsächlich gefressene Ration von der berechneten ab. Löcher im Futter, auffällige Reste und Unterschiede bei Kot und Wiederkäuen geben erste Hinweise. Ein einfacher Test mit einer Kehrschaufel hilft zu prüfen, ob sich feine Bestandteile absetzen.
Woran sich Selektion am Futtertisch erkennen lässt
Achten Sie darauf, wie die Kühe fressen und wie das Futter nach dem Fressen aussieht. Die Kühe wühlen mit der Nase im Futter, schieben es zur Seite und fressen gezielt feine Bestandteile. Am Futtertisch entstehen dann Vertiefungen, während gröbere Halme zurückbleiben. Solches Wühlen wird auch „Lochfraß“ genannt. Silageklumpen oder einzelne grobe Stücke, die Kühe aus der Mischung herausziehen, sind weitere Hinweise.
Prüfen Sie auch die Futterreste. Sie sollten ähnlich zusammengesetzt sein wie das frisch vorgelegte Futter. Bleibt vor allem langes oder grobes Futter liegen, während Kraftfutter und feine Bestandteile fehlen, sortieren die Tiere. Als Orientierung nennt Kühe gesund füttern Restfutter in Höhe von etwa 3 bis 6 Prozent der ursprünglich vorgelegten Menge. Der Anteil allein zeigt jedoch nicht, ob die Kühe selektiert haben: Entscheidend ist auch, wie die Reste aussehen.
Ein einfacher Kehrschaufel-Test zeigt, ob sich feine Bestandteile leicht aus der Mischung lösen. Nehmen Sie eine Futterprobe, verteilen und bewegen Sie sie mit der Hand so, wie Kühe beim Fressen wühlen und schieben. Schieben Sie das Futter anschließend auf eine Kehrschaufel und drehen Sie die Schaufel um. Liegen unten viele feine Bestandteile wie Kraftfutter oder Mineralfutter, können die Kühe diese am Futtertisch gezielt aufnehmen. Mit dem Test lässt sich beurteilen, ob sich feine Bestandteile absetzen. Die genannten Empfehlungen nennen dafür keinen allgemein gültigen Grenzwert. FORS beschreibt den Test.
Beobachten Sie neben dem Futter auch die Tiere. Unterschiede in der Füllung des Pansens, eine wechselnde Kotkonsistenz und eine große Streuung bei Milchleistung oder Körperkondition passen zu einem uneinheitlichen Futterverzehr. Unruhe am Futtertisch oder längere Fresszeiten liefern zusätzliche Hinweise. Solche Beobachtungen beweisen für sich genommen keine Selektion; treten sie zusammen mit auffälligen Futterresten auf, lohnt sich eine genauere Prüfung der Mischung und ihrer Aufnahme.
Warum Selektion die Ration entwertet
Die Rationsberechnung legt fest, welche Nährstoffe die Kühe mit der Mischung aufnehmen sollen. Werden feine Kraftfutterbestandteile bevorzugt und grobe Faserbestandteile zurückgelassen, stimmt die tatsächlich gefressene Ration nicht mehr mit dieser Berechnung überein. Die Kühe nehmen dann weniger strukturreiches Futter auf als vorgesehen. Das erhöht das Risiko für eine Pansenübersäuerung: Dabei sinkt der Säuregrad im Pansen, dem Vormagen der Kuh, zu stark ab. Schwankungen des Säuregrads können auch unauffällig bleiben; sie werden als subakute Pansenübersäuerung, kurz SARA, bezeichnet.
Die Tiere erhalten zudem nicht mehr dieselbe Mischung. Kräftige Kühe können bevorzugte Bestandteile aufnehmen, während rangniedrigere, kranke oder schwächere Tiere mit dem übrig gebliebenen Futter vorliebnehmen. Dadurch können sich die Unterschiede darin verstärken, wie voll die Pansen der Kühe sind und welche Leistung sie bringen. Bei Kühen in der frühen Laktation nennt FORS auch Stoffwechselprobleme wie Ketose und Labmagenverlagerungen als mögliche Folgen; Klauenrehe wird als spätere Folge aufgeführt. Solche Gesundheitsprobleme haben allerdings viele mögliche Ursachen und sollten nicht allein der Futterselektion zugeschrieben werden.
Wie Sie die Selektion begrenzen
Beginnen Sie mit der Mischung selbst. Prüfen Sie, ob der Mischwagen die Komponenten gleichmäßig verteilt und ob die Futterstruktur erhalten bleibt. Ein überladener Mischwagen oder stumpfe Messer können dazu führen, dass längeres Mischen nötig erscheint. Zu langes Mischen zerkleinert das Futter jedoch weiter und kann die Struktur verringern. Die passende Mischdauer hängt von Ration und Mischtechnik ab. Bei Zwangsmischern nennt Kühe gesund füttern als Orientierung drei bis vier Minuten nach dem Einfüllen der letzten Komponente, betont aber, dass jede Ration eine eigene Mischreihenfolge und Mischdauer braucht.
Auch die Reihenfolge, in der Sie den Mischwagen befüllen, beeinflusst die Mischung: Komponenten, die noch zerkleinert werden müssen, etwa langes Grassilagefutter, kommen in der beschriebenen Orientierung zuerst in den Wagen. Die strukturärmeren und feuchten Komponenten folgen danach. Kleine Mengen an Zusätzen kommen in der Mitte der Mischfolge dazu. Sehr feuchte oder lange Grassilage kann sich schlecht verteilen und als Klumpen am Futtertisch liegen bleiben. Prüfen Sie die Mischung bei Bedarf mit einer Schüttelbox. Dieses Gerät trennt die Futterbestandteile nach ihrer Größe. Die Beschreibung zur homogenen Mischung empfiehlt diese Kontrolle, nennt aber keinen universellen Grenzwert, der Selektion sicher ausschließt.
Zu trockene Mischungen bieten Kühen mehr Gelegenheit, Bestandteile auszusortieren. Wasser kann die Mischung kompakter machen und damit die Auswahl feiner Partikel erschweren. Die Quellen nennen jedoch unterschiedliche Orientierungswerte für den Trockenmassegehalt, also den Anteil des Futters ohne Wasser: FORS empfiehlt etwa 38 Prozent und höchstens 40 Prozent, während Kühe gesund füttern für eine TMR einen Bereich von 38 bis 45 Prozent angibt. Die Zahlen gelten also nicht als einheitliche Vorgabe für alle Betriebe. Prüfen Sie den Trockenmassegehalt der eigenen Ration und stimmen Sie eine Anpassung mit der Fütterungsberatung ab. Wird Wasser ergänzt, steigt besonders bei warmem Wetter das Risiko, dass sich die Ration erwärmt. Kontrollieren Sie deshalb auch, ob das Futter am Trog frisch bleibt.
Vermeiden Sie außerdem, pelletiertes Kraftfutter zusätzlich am Futtertisch auszulegen: Kühe können es leicht gezielt aufnehmen. Sorgen Sie zugleich für genügend Fressplätze. Wenn viele Tiere gleichzeitig fressen und rangniedrige Kühe verdrängt werden, verschärft die Konkurrenz die Unterschiede darin, wer welche Bestandteile erreicht. Dass ein knappes Angebot an Fressplätzen Selektion begünstigen kann, beschreibt auch Schaumann.
