Wenn eine neue Sorte, ein anderes Anbauverfahren oder eine Änderung in der Fütterung infrage kommt, zählt vor allem eine Frage: Was funktioniert unter den Bedingungen des eigenen Betriebs? On-Farm Research bezeichnet gezielte Versuche, mit denen Landwirtinnen und Landwirte eine Praxisfrage auf dem eigenen Betrieb prüfen. Dazu vergleichen Landwirtinnen und Landwirte eine Maßnahme mit einer passenden Kontrolle und erfassen die Ergebnisse systematisch.
Ein Betriebsversuch liefert vor allem Erkenntnisse für den eigenen Standort und für die eigene Betriebsführung. Der Versuch ist aussagekräftig, wenn Sie die Frage klar formulieren, fair vergleichen und Beobachtungen zuverlässig festhalten. Ein einzelner Versuch ersetzt keine wissenschaftliche Prüfung, kann sie aber sinnvoll ergänzen, wie der Leitfaden für Praxisversuche des Forschungsinstituts für biologischen Landbau erklärt.
Eine Frage festlegen, die sich prüfen lässt
Ein guter Versuch beginnt mit einer konkreten Frage. „Wie lässt sich die Fütterung verbessern?“ ist zu weit gefasst. Prüfbarer wäre: „Verändert eine bestimmte Rationsanpassung die Futteraufnahme oder Milchleistung meiner Kühe?“ Bei einem Pflanzenbauversuch könnte die Frage lauten: „Erzielt eine andere Saatbettbereitung auf diesem Schlag einen gleichmäßigeren Feldaufgang?“
Legen Sie vor dem Versuch fest, welche Maßnahme Sie prüfen und woran Sie den Erfolg erkennen. Diese Messgröße heißt Zielgröße. Bei einem Fütterungsversuch könnte sie die tägliche Futteraufnahme sein; bei einem Feldversuch etwa der Ertrag oder der Feldaufgang. Weitere Beobachtungen, zum Beispiel Tiergesundheit oder Arbeitsaufwand, helfen dabei, ein Ergebnis einzuordnen. Zu viele Zielgrößen erschweren allerdings die Auswertung.
Schreiben Sie außerdem auf, was gleich bleiben muss. Dazu gehören je nach Versuch etwa Tiergruppe, Futtergrundlage und Beobachtungszeitraum oder bei einem Feldversuch Bodenbearbeitung, Saattermin und Ernte. Ändern sich mehrere Faktoren gleichzeitig, lässt sich hinterher kaum feststellen, welcher davon das Ergebnis beeinflusst hat.
Kontrolle und Wiederholungen machen den Vergleich belastbarer
Eine Kontrolle zeigt, was ohne die geprüfte Maßnahme geschieht. Im Pflanzenbau kann das ein unbehandelter oder nach dem bisherigen Verfahren bewirtschafteter Streifen sein. Bei einem Fütterungsversuch bildet eine vergleichbare Tiergruppe mit der bisherigen Ration die Kontrolle. Die Gruppen sollten sich möglichst nur darin unterscheiden, welche Maßnahme sie erhalten.
Wiederholungen zeigen, ob ein Ergebnis an verschiedenen Stellen oder bei mehreren Tieren ähnlich ausfällt. Auf einem ungleichmäßigen Schlag kann ein einzelner Streifen zufällig auf besonders fruchtbarem Boden liegen. Mehrere Vergleichspaare an unterschiedlichen Stellen verringern dieses Risiko. Bei Tieren können mehrere vergleichbare Gruppen helfen, zufällige Unterschiede zwischen einzelnen Tieren auszugleichen. Eine feste Mindestzahl, die für alle Betriebsversuche gilt, gibt es nicht: Sinnvoll sind so viele Wiederholungen, wie Fläche, Tierbestand und Arbeitszeit zulassen.
Legen Sie auch fest, wo die Varianten liegen. Bei Streifenversuchen sollte die Reihenfolge der Verfahren nicht allein danach festgelegt werden, wo die Maschinen zuerst ansetzen. Wenn Sie die Varianten innerhalb eines Schlages zufällig verteilen, sinkt das Risiko, dass ein Bodengefälle oder ein anderer Standortunterschied stets dieselbe Variante begünstigt. Lassen sich die Varianten nicht zufällig verteilen, sollten die Streifen zumindest vergleichbare Bereiche abdecken.
Ein praktisches Pflanzenbaubeispiel: Auf einem Schlag werden mehrere Bereiche nach dem bisherigen Verfahren und mehrere Bereiche mit der neuen Saatbettbereitung bestellt. Saatgut, Saattermin und weitere Arbeitsschritte bleiben gleich. Der Feldaufgang wird an festgelegten Stellen gezählt und der Ertrag getrennt erfasst. Ein einzelner Streifen kann einen ersten Hinweis geben; mehrere Vergleichsbereiche machen es leichter, den Einfluss des Verfahrens von Unterschieden im Schlag zu trennen.
Fütterungsversuche brauchen vergleichbare Tiergruppen
Ein Betriebsversuch in der Tierhaltung folgt denselben Grundsätzen, braucht aber passende Messgrößen und besondere Sorgfalt. Bei Kühen sollten die Gruppen hinsichtlich der Zeit seit dem Kalben (Laktationsstadium) und der Leistung möglichst ähnlich sein. Bei Kälbern oder Schweinen müssen die Tiere ebenfalls so zugeteilt werden, dass nicht eine Variante von vornherein mit deutlich anderen Tieren startet. Futteraufnahme, Leistung und Gesundheitsbeobachtungen sollten nach denselben Regeln erfasst werden.
Eine Fütterungsänderung sollte nicht auf Kosten der Tiergesundheit oder der bedarfsgerechten Versorgung geprüft werden. Lassen Sie die Ration bei Bedarf mit einer qualifizierten Beratung abstimmen und verändern Sie sie nicht ohne geeignete Voraussetzungen. Bei gesundheitlichen Auffälligkeiten hat die tierärztliche Abklärung Vorrang vor dem Versuch.
Der FiBL-Leitfaden von 2004 behandelt Versuche im Pflanzenbau, nicht in der Tierhaltung. Seine Grundgedanken zu klaren Vergleichen und sorgfältiger Datenerfassung lassen sich dennoch auf Betriebsfragen übertragen. Die konkreten Anforderungen an Tiergruppen, Fütterung und Tierwohl müssen dabei gesondert berücksichtigt werden.
Daten erfassen und Ergebnisse nüchtern auswerten
Legen Sie vor Beginn fest, wann und wie Sie messen. Notieren Sie die Ausgangslage sowie alle Bedingungen, die das Ergebnis beeinflussen könnten, etwa Wetter und Bodenfeuchte im Pflanzenbau oder Veränderungen im Futterangebot und besondere Ereignisse im Stall. Eine einfache Tabelle mit Datum, Variante, Messwert und Bemerkung genügt oft, wenn sie vollständig und einheitlich geführt wird.
Berechnen Sie zunächst für jede Variante den Durchschnitt ihrer Messwerte. Ergänzen Sie ihn um ein Streuungsmaß: Es zeigt, wie stark die Einzelwerte um den Durchschnitt schwanken. Der FiBL-Leitfaden empfiehlt solche einfachen Auswertungen für viele betriebliche Fragen. Erfassen Sie die Daten zugleich so, dass Fachleute sie bei Bedarf genauer untersuchen können.
Ein höherer Durchschnitt allein beweist noch nicht, dass die Maßnahme den Unterschied verursacht hat. Prüfen Sie, ob einzelne Bereiche oder Tiere das Ergebnis stark geprägt haben und ob die Bedingungen tatsächlich vergleichbar waren. Bleibt der Unterschied klein oder schwanken die Werte stark, lautet das Ergebnis zunächst: Der Versuch gibt keine klare Antwort. Das ist ein Anlass, die Fragestellung oder Durchführung zu verbessern, nicht automatisch ein Beleg dafür, dass beide Varianten gleich wirken.
Auch ein sauber durchgeführter Versuch beantwortet zuerst die Frage für den untersuchten Betrieb und Zeitraum. Boden, Wetter, Tierbestand und Arbeitsabläufe unterscheiden sich zwischen Betrieben. Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen beschreibt deshalb Versuche an Praxisstandorten als Möglichkeit, Ergebnisse unter realen Bedingungen zu prüfen und ihre Eignung für die Praxis einzuschätzen. Für Empfehlungen mit größerer Reichweite braucht es Vergleiche über mehrere Standorte und Bedingungen hinweg.
Beratung und Versuchspartner nutzen
Sie müssen einen Versuch nicht allein planen. Je nach Fragestellung können landwirtschaftliche Beratung, Landwirtschaftskammern, Landesämter oder Hochschulen bei Versuchsaufbau und Auswertung helfen. In Hessen verbindet das Praxisforschungsnetzwerk landwirtschaftliche Betriebe mit Beratung und Forschung; es nutzt sowohl genaue Versuche als auch praxisnahe Demonstrationsflächen. Die Einzelheiten dieses Netzwerks gelten für Hessen und lassen sich nicht pauschal auf alle Bundesländer übertragen.
Auch bei der Europäischen Innovationspartnerschaft für landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit bearbeiten Betriebe, Beratung, Unternehmen, Verbände und Wissenschaft praktische Fragen gemeinsam. Solche Kooperationen eignen sich besonders, wenn eine Frage mehr Fläche, Fachwissen oder Auswertung verlangt, als ein einzelner Betrieb bereitstellen kann.
