Wer Eiweißfutter für Rinder selbst anbauen oder regional beziehen möchte, kann Ackerbohnen in die Ration aufnehmen. Die Körner liefern Eiweiß und Stärke. Als Leguminose, also als Hülsenfrucht, bindet die Ackerbohne außerdem mithilfe von Bodenbakterien Stickstoff aus der Luft. Damit passt sie gut in eine regionale Fütterung und in eine Fruchtfolge mit verschiedenen Kulturen.
Ackerbohnen ersetzen andere Eiweiß- und Energiefuttermittel jedoch nur teilweise. Ihr Eiweiß enthält wenig Methionin, und ihr Stärkegehalt kann die Gesamtration aus dem Gleichgewicht bringen. Entscheidend sind daher die Qualität der Körner, die übrigen Futterkomponenten und die Leistung der Tiere.
Was Ackerbohnen in die Ration einbringen
Ackerbohnen sind ein eiweißreiches Kraftfutter, enthalten aber weniger Rohprotein als Rapsextraktionsschrot. Als Orientierungswert nennt Legunet rund 260 Gramm Rohprotein je Kilogramm Trockenmasse; die dort angegebene Spanne reicht von 230 bis 290 Gramm. Die Trockenmasse bezeichnet den Futteranteil ohne Wasser. Je nach Sorte, Standort und Wetter fallen die tatsächlichen Werte unterschiedlich aus. Eine Futtermittelanalyse hilft deshalb bei der Rationsberechnung.
Die Ackerbohne liefert auch Stärke und Energie. Das macht sie zu mehr als einem reinen Eiweißträger: Sie kann zugleich einen Teil des Getreides ersetzen. Die LfL Bayern nennt als grobe Austauschbeziehung ein Kilogramm Ackerbohnen für etwa 0,8 Kilogramm Rapsextraktionsschrot und 0,2 Kilogramm Getreide. Das ist ein Orientierungswert, keine pauschale Rationsvorgabe. Die passende Menge hängt davon ab, welche Nährstoffe in der Gesamtration noch fehlen.
Knöllchenbakterien an den Wurzeln binden Luftstickstoff. Dadurch brauchen Ackerbohnen laut LKV Sachsen keinen Stickstoffdünger und können den Boden mit Stickstoff für Folgekulturen anreichern. Auch der Standort muss passen: Die Pflanzen benötigen tiefgründige Böden und haben einen relativ hohen Wasserbedarf.
Warum Ackerbohnen eine Ergänzung brauchen
Ackerbohneneiweiß enthält viel Lysin, aber wenig Methionin. Diese beiden Aminosäuren sind Bausteine des Eiweißes, die das Tier über die Fütterung aufnehmen muss. Eine Ergänzung mit Rapsextraktionsschrot verbessert laut LfL die Eiweißqualität der Mischung. Das ist besonders wichtig, wenn die Ration den Eiweißbedarf einer leistungsstarken Kuh zuverlässig decken soll.
Zudem wird ein großer Teil des Eiweißes im Pansen abgebaut. Der Pansen ist der Gärraum im Vormagen der Wiederkäuer. Eiweiß, das dort nicht abgebaut wird und weiter in den Darm gelangt, heißt UDP oder pansenbeständiges Eiweiß. Es steht dem Tier direkt im Darm zur Verfügung. Wie viel Eiweiß den Pansen verlässt, hängt von der angenommenen Passagerate ab, also davon, wie schnell das Futter durch den Pansen weiterwandert.
Bei hohen Milchleistungen reicht Ackerbohne daher nicht als alleiniger Eiweißträger. Für Kühe mit etwa 30 Kilogramm Milch pro Tag nennt der LKV Sachsen als Richtwert rund 30 Prozent UDP am Rohprotein der Ration. Das heißt: Rund 30 Prozent des Rohproteins sollen pansenbeständig sein. Das ist eine Orientierung aus der Quelle, keine allgemeine Vorgabe für jede Herde. In der Praxis sollten Rationsberechnung und Leistung entscheiden, ob weitere pansenbeständige Eiweißquellen nötig sind.
Stärke, Tannine und Futteraufnahme im Blick behalten
Der Stärkegehalt der Ackerbohne ist hoch. Fachquellen nennen unterschiedliche Werte: Legunet gibt 390 Gramm Stärke je Kilogramm Trockenmasse an, der LKV Sachsen 443 Gramm. Weil die Angaben nicht ohne Weiteres vergleichbar sind, sollte die tatsächliche Futterqualität geprüft und die Stärke der gesamten Ration berechnet werden. Ein hoher Ackerbohnenanteil kann die Stärkeversorgung stärker anheben, als es für die Ration passt. Stärkearme, energiereiche Futterkomponenten können dann als Ausgleich dienen.
Auch die Sorte spielt eine Rolle. Tannine sind pflanzliche Gerbstoffe, die den Geschmack beeinflussen und bei manchen Ackerbohnen die Futteraufnahme senken. Sie können zugleich den Anteil pansenbeständigen Eiweißes erhöhen. Bei Kälbern und Tieren, die wenig fressen, sollte der Verzehr beobachtet werden. Bioaktuell beschreibt weißblühende Sorten als tanninfrei; solche Sorten sind in der Praxis jedoch begrenzt verfügbar.
Vor der Fütterung müssen die Körner geschrotet oder gequetscht werden, damit das Tier sie ausreichend verwerten kann. Bei feuchter Ware ist außerdem eine sorgfältige Lagerung nötig: Der LKV Sachsen weist ab Wassergehalten über 10 bis 12 Prozent auf Schimmelgefahr hin.
Einsatzmengen richten sich nach Tier und Bezugsgröße
Die LfL Bayern empfiehlt für Milchkühe Ackerbohnen in einer Mischung mit Rapsextraktionsschrot im Verhältnis 50 zu 50 und nennt bis zu 4 Kilogramm je Tier und Tag als Einsatzorientierung. Für Mastrinder ab 200 Kilogramm und für Aufzuchtrinder nennt sie außerdem bis zu 50 Prozent des Kraftfutters. Diese Angaben beziehen sich auf unterschiedliche Tiergruppen und Futteranteile; sie sind keine pauschale Empfehlung für jede Ration.
Die passende Menge lässt sich erst berechnen, wenn Grundfutter, Leistung, Eiweiß- und Stärkeversorgung sowie die untersuchte Qualität der Ackerbohnen berücksichtigt sind. Zu viel Eiweiß löst keinen zusätzlichen Leistungsschub aus und kann die Ration unnötig belasten. Bei Mastbullen gilt ebenso: Ackerbohnen sind eine mögliche Alternative zu anderen Eiweißträgern, doch mehr Eiweiß bedeutet nicht automatisch bessere Zunahmen.
